Die Humanität muss neu konzipiert werden

IKRK-Präsident Peter Maurer zu Gast im Bourbaki Panorama (Foto: Emanuel Ammon / Aura)
Luzern: Bourbaki Panorama | Die Welt ist brutaler und ungewisser geworden, doch die humanitären Werte bleiben sich gleich: Wie das IKRK mit den neuen Herausforderungen umgeht, machte IKRK-Präsident Peter Maurer am 20. Januar im Bourbaki Panorama Luzern deutlich. Maurer war Gast der Themenmonate Menschlichkeit, die bis im Mai 2015 dauern.

Das grosse Rundgemälde im Bourbaki Panorama Luzern gilt als Mahnmal der Menschlichkeit. Es erinnert an den Februar 1871, als die Schweiz 87‘000 Soldaten aus dem Deutsch-Französischen Krieg über die Grenze treten liess und ihnen Asyl gewährte.

Das Rundbild sei von unverminderter Aktualität, sagte Peter Maurer an der Veranstaltung im Bourbaki Panorama. Es zeige, womit das IKRK jeden Tag konfrontiert sei. Allerdings hätten sich die Rahmenbedingungen heute drastisch geändert. Auf den Schlachtfeldern seien völlig neue Akteure im Einsatz: Nicht einfach klar fassbare Armeen, sondern immer mehr unstrukturierte Gruppierungen, die teilweise völlig ausserhalb der international ratifizierten Rechte und Pflichten operieren würden. Dazu komme eine enorme Bandbreite von modernen Waffen. „Die Dynamik von Extremismus und Gewalt hat eine globale Dimension angenommen.“

Neue Ausgangslagen

Die neuartigen Gewaltereignisse und vermehrt asymmetrischen Konflikte verändern sukzessive auch die Einsätze des IKRK: Laut Maurer dauern heutige Konflikte länger, sind immer mehr Menschen hilfsbedürftig und brechen ganze Systeme zusammen, weil so viele Menschen vertrieben werden und von überforderten Staaten betreut werden. Dessen ungeachtet: „Ich bin fest überzeugt, dass die humanitären Norme und Werte, die in die Gesellschaft eingebracht wurden, immer noch relevant sind“, sagte Maurer. „Aber wir werden gezwungen, die ursprüngliche Art unserer humanitären Arbeit neu zu konzipieren.“

In der anschliessenden Diskussion mit dem Publikum, die vom Historiker Daniel Speich Chassé von der Universität Luzern geleitet wurde, bekräftigte Maurer, dass die Schweiz auf internationalem Parkett in der humanitären Politik immer noch entscheidende Wegmarken setze.

Politik, Kunst, Wissenschaft

Der Abend mit IKRK-Präsident Peter Maurer hat die Themenmonate Menschlichkeit im Bourbaki Panorama Luzern weiter in den Fokus gerückt. Mit Reto Wyss, Regierungspräsident Kanton Luzern, Stefan Roth, Stadtpräsident Luzern und Franz Wüest, Kantonsratspräsident Luzern war die höchste Politprominenz vertreten. Vor Ort waren neben Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft auch die Kunstschaffenden Max Hari, Christoffer Joergensen sowie Christoph Rütimann. Sie tragen mit ihren Arbeiten im Bourbaki Panorama zur Ausstellung und den Themenmonaten Menschlichkeit bei. Die Themenmonate dauern bis im Mai 2015 und wurden von der Stiftung Bourbaki Panorama Luzern und dem Kurator Marco Stoffel organisiert.

Veranstaltungsbericht
Völkerrecht und Kunst im Bourbaki Panorama
Themenmonate Menschlichkeit
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