Hitzefrei auf der Arbeit

Mehr Schwitzen als Schuften: Gibt es hitzefrei auf der Arbeit?

Sobald die Temperaturen im Sommer in die Höhe schnellen und der Arbeitsplatz einer Sauna gleicht, beginnt die Konzentration merklich zu sinken. Zu penetrant ist die oft stickige Luft, Kollegen schlurfen genervt durch die Flure und ziehen dabei auch noch einen unangenehmen Schweißgeruch hinter sich her. Abgesehen von der immer geringer werdenden Aufmerksamkeitsspanne haben viele Arbeitnehmer mit zusätzlichen körperlichen Beschwerden wie Schwindel, Übelkeit oder Kopfschmerzen zu kämpfen. Die Frage, ob Beschäftigte ihrer Tätigkeit unter solchen Umständen überhaupt nachkommen müssen, scheint durchaus berechtigt. Aber ist es überhaupt möglich, hitzefrei auf der Arbeit zu bekommen?

Der Schweizer Gesetzgeber bleibt hart
Im Gegensatz zu den Bestimmungen beim deutschen Nachbarn darf die Arbeit in der Schweiz in der Regel auch dann nicht niedergelegt werden, wenn Temperaturen wie in einem Brutkasten herrschen. Es existiert kein universelles Gesetz, welches eine solche Regelung vorsieht.In Deutschland hingegen bekommen Arbeitnehmer unter bestimmten Umständen hitzefrei, wenn die Raumtemperatur mehr als 35 Grad beträgt.
Der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) zufolge kann die Unversehrtheit der Gesundheit nicht mehr gewährleistet werden, sobald das Thermometer mehr als 26 Grad anzeigt. Bei 30 Grad ist es sogar die Pflicht des Arbeitgebers, Maßnahmen zum Arbeitsschutz zu ergreifen und für Abkühlung zu sorgen. Von einer derartigen Gesetzeslage können Beschäftigte in der Schweiz nur träumen. Selbst für Bauarbeiter gelten keine allgemein gültigen Ausnahmen.

Gesundheit der Angestellten darf trotzdem nicht vernachlässigt werden

Auch wenn der Gesetzgeber in der Schweiz Arbeitnehmern keinen rechtlichen Anspruch auf „hitzefrei“ einräumt, bedeutet dies nicht automatisch, dass diese ihre Arbeit in jedem Fall erledigen müssen und den Arbeitsplatz auch dann nicht verlassen dürfen, wenn ein tropisches Klima vorherrscht. Die Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz besagt in Artikel 16, dass „Raumtemperatur, Luftgeschwindigkeit und relative Luftfeuchtigkeit […] so zu bemessen und aufeinander abzustimmen [sind], dass ein der Gesundheit nicht abträgliches und der Art der Arbeit angemessenes Raumklima gewährleistet ist.“
Demzufolge sind auch Arbeitgeber in der Schweiz dazu verpflichtet, Beeinträchtigungen der Gesundheit ihrer Mitarbeiter entgegenzuwirken. Anstatt ihnen den Tag hitzefrei zu geben, können sie beispielsweise auf folgende Schritte zurückgreifen:

- Bereitstellung von kühlen Getränken
- Lockerung der Kleidungsvorschriften
- Verlegung der Arbeitszeit in die kühleren Morgen- oder Abendstunden, sofern dies        möglich ist
- Einsatz von mobilen Klimageräten
- Einführung von mehreren kurzen Pausen


Stillende und schwangere Frauen werden gesondert behandelt
Dass hohe Temperaturen am Arbeitsplatz Frauen in der Schwangerschaft oder während der Stillzeit besonders an die Substanz gehen können, ist nicht gerade verwunderlich. Aus diesem Grund sieht es der Schweizer Gesetzgeber vor, ihnen eine spezielle Behandlung zukommen zu lassen, wenn das Thermometer eine bestimmte Gradzahl erreicht.

Laut Artikel 64 Absatz 1 der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz müssen sie auf ihr Verlangen hin zumindest solchen Tätigkeiten nicht mehr nachkommen, die als „beschwerlich“ gelten. Artikel 8 der Mutterschutzverordnung definiert unter anderem Arbeiten als gefährlich und beschwerlich, die in Innenräumen ausgeführt werden müssen, wenn die Raumtemperatur einen Wert von 28 Grad überschreitet.

Fazit
Zwar bekommen Arbeitnehmer in der Schweiz kein „hitzefrei“ per se, allerdings wird von Schweizer Arbeitgebern – genauso wie in Deutschland auch – verlangt, die gesundheitliche Unversehrtheit ihrer Beschäftigten nicht aus den Augen zu lassen und Maßnahmen zur Abkühlung zu ergreifen, sollten entsprechend hohe Temperaturen dies erforderlich machen.
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