Peter Schärli tritt als Präsident der Spitex Rontal plus zurück

Die Spitex Rontal plus bietet als Verein Pflege- und Betreuungsdienstleistungen an, um Klienten das Leben zu Hause zu ermöglichen. Seit 20 Jahren ist Peter Schärli als Präsident tätig und tritt per Ende Mai 2018 zurück. Die Generalversammlung wählte Peter Schärli 1998 als Präsident der Spitex Ebikon-Dierikon, welche 2006 zum Spitex-Zentrum und 2010 zur Spitex Rontal plus fusionierte.

Herr Schärli, ihr berufliches Fachgebiet ist die Bauwirtschaft und Sie waren langjährig Mitglied des Ebikoner Gemeinderats mit Ressort Bau. Gleichzeitig haben Sie während 20 Jahren die Spitex als Präsident geführt. Warum sind Sie damals ins Gesundheitswesen eingestiegen?

Ende der 80er Jahre war ich Mitglied der Baukommission in Ebikon. An einer Planungssitzung zum Neubau des Zentrums Höchweid stellte ich die Frage, was hinter der Tür des „Spitex-Büros“ passieren wird. Die Spitex in der heutigen Organisationsform hat es damals noch nicht gegeben. Die Gemeinde gründete die Spitex-Kommission und weil ich die Frage damals stellte, hat mich der Gemeinderat angefragt, ob ich das Präsidium der Spitex-Kommission übernehmen möchte. Ich habe zugesagt und der Auftrag war, mit allen Vereinen, welche Hilfeleistungen zu Hause angeboten haben, ein Konzept zu erstellen. Mit dem Konzept zur Koordination der Dienstleistungen zu Hause war der Auftrag abgeschlossen. Danach erfolgte die Spitex-Gründung.

Was war Ihre Motivation, sich als Präsident zu bewerben?

Die Kultur der Mitarbeitenden im Umgang mit Menschen hat mich von Beginn bis heute fasziniert und motiviert. Die Mitarbeitenden leisten sinnstiftende Arbeit, damit Klienten im gewohnten Umfeld zu Hause leben können. Dabei beziehen sie Angehörige, Freunde, Nachbarn und Verwandte mit in die Pflege und Betreuung ein.

Früher Spitex Ebikon-Dierikon und heute Spitex Rontal plus mit zehn Gemeinden. Warum kam es zu zwei Fusionen während Ihrer Amtszeit?

Die ansteigende Nachfrage für professionelle Leistungen war der Treiber für die Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren. Als kleine Organisation waren die Leistungsgrenzen viel schneller erreicht als heute mit 70 Mitarbeitenden. 2006 fusionierte die Spitex Ebikon-Dierikon zum Spitex-Zentrum mit vier Gemeinden und 2010 zur Spitex Rontal plus mit zehn Gemeinden. Beispielsweise konnten früher nicht genügend Ausbildungsplätze und Spezialleistungen angeboten werden. Mit der grösseren Einheit konnten wir Dienstleistungen wie palliative Care oder psychiatrische Pflege anbieten. Es war auch eine Herausforderung, alle Vorstände zu besetzen.

Welche finanziellen Herausforderungen stehen bevor?
Die privaten Spitex-Organisationen kommen auf den Markt und haben keine Versorgungspflicht. Sie können sich die rentablen Klienten mit kurzen Anfahrtswegen aussuchen, weil diese Wege nicht verrechnet werden können. Ein ökonomisches Denken und Handeln gehört zu jeder Spitex-Organisationsform, jedoch sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen und nicht der monetäre Gewinn. Als öffentliche Spitex haben wir eine Versorgungspflicht und sind überall für alle da, unabhängig davon, wie lange die nicht bezahlte Anfahrt dauert. Der ökonomische Druck nimmt durch die ungleichen Spiesse zu. Auch die Budgets der Gemeinden sind angespannt. Dies wirkt sich besonders bei der Hauswirtschaft auf die Restfinanzierungskosten aus.

Die finanziellen Herausforderungen haben Sie aufgezeigt Herr Schärli. Welche weiteren Herausforderungen gibt es?
Viele Menschen werden gesund älter und wollen möglichst lange zu Hause leben. Die Spitex wird in Zukunft im Bereich palliative Care noch mehr Dienstleistungen anbieten. Weil die Aufenthaltsdauer im Spital mit den Fallpauschalen weiter zurückgeht, wird die Nachfrage an spitalexterner Pflege und Betreuung zunehmen. Neue Mitarbeitende zu finden und diese mit attraktiven Arbeitsbedingungen zu erhalten, ist entscheidend, um künftig das Dienstleistungsangebot in der geforderten Qualität erbringen zu können.

Wie haben Sie die 20 Jahre als Präsident erlebt?

Das Gesundheitswesen ist dynamisch und die vernetze Tätigkeit mit der Geschäftsleitung und den Mitarbeitenden, den Gemeinden, dem Kanton, Spitälern, Alterszentren und Zulieferern hat mich während 20 Jahren begeistert. Neben den beiden Fusionen haben wir Projekte wie die FaGe-Ausbildung realisiert. Wir waren die erste Spitex im Kanton Luzern mit einem Ausbildungsplatz während der Pilotphase. Die Spitex Rontal plus hat auch jetzt wieder eine Vorreiterrolle bei der Einführung der Software „Tacs“. Es geht dabei um das Erfassen und Auswerten von Leistungen, um einen Benchmark zu ermöglichen. Dies ist ein nationales Projekt, an welchem wir uns beteiligen. Auch beim Zeiterfassungstool „Lep“ haben wir von Anfang an mitgestaltet. Auch die Pflegeabteilung Kurzzeit im Känzeli haben wir konzipiert, welche wir heute nicht mehr betreiben. Eine weitere Innovation ist die Sturzprävention. Aufgrund der Herausforderungen gehe ich davon aus, dass diese Dynamik so weitergeht und damit auch die Entwicklung.

Was sind ihre Beweggründe für den Rücktritt?

Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits ist die Amtszeit mit 20 Jahren als Präsident sehr lange und neue Leute sollen eine Chance erhalten, sich einzubringen und die Spitex Rontal plus mitzugestalten. Andererseits möchte ich mehr Zeit für mein Privatleben mit meiner Familie, Enkelkindern, Hund, Musik und Sport. Der Rücktritt erfolgt per Ende Mai 2018.

Die Spitex Rontal plus hat das Präsidium öffentlich ausgeschrieben. Was sollte die neue Persönlichkeit mitbringen?
Es sollte eine kommunikative, starke Persönlichkeit mit Verhandlungsgeschick sein. Zur Tätigkeit gehört die Vertretung des Vereins in der Öffentlichkeit, bei den Vertragsgemeinden und weiteren Institutionen. Die Vernetzung und strategische Fähigkeiten runden das Profil ab. Es ist wichtig, dass die Region verstanden wird mit sehr kleinen, aber auch urbanen Gemeinden. Erfahrungen im politischen Bereich sind natürlich von Vorteil, denn die Spitex setzt die kantonale Strategie um. Für Interessierte gibt es mehr Informationen zum Präsidium unter www.spitexrontalplus.ch.
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