Ju-Jitsu «Meine Zeit als Verantwortlicher ist definitiv vorbei»

Marco Limacher beobachtet kritisch das Training von Remo und Pascal Müller
 
Marco Limacher (m.) mit Pascal (l.) und Remo Müller

Er war Aktiver und Nationaltrainer, und dies sehr erfolgreich. Nun tritt der Luzerner Marco Limacher (41) ab.

Marco Limacher ist der eigentliche Baumeister der grossen Innerschweizer Erfolge im Ju-Jitsu Duo System. Mit seiner Bronzemedaille an der Weltmeisterschaft 2002 in Uruguay – zusammen mit Philipp Zgraggen - lösten er eine regelrechte Medaillenflut an Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und World Games aus, die bis heute anhält. Die aktuellsten Erfolge feierten vor Wochenfrist die zweifachen Weltmeisterinnen Antonia und Alexandra Erni (Luzern / JJJC Kiam Cham) mit Silber sowie die Ex-U-21-Weltmeister Mathias und Florian Bachmann (Emmenbrücke) mit Bronze an der Europameisterschaft in Walldorf (De). Mit diesen Titelkämpfen setzte Marco Limacher einen Schlussstrich unter seine Karriere als Aktiver (1997-2002) und Nationaltrainer (1997-2013) sowie Spartenchef Duo System (1997-2009) und Fighting (2010-2013).

Marco Limacher, wie haben Sie eigentlich als Ju-Jitsu-Kämpfer die damals noch junge Wettkampfart Duo System entdeckt?
Das war 1997 in einem Ju-Jitsu-Trainingslager in Mürren. Dort wurde uns das Duo System erstmals vorgestellt – und es hat mich sofort extrem beeindruckt. Es war eine lässige Art zu trainieren und man konnte sich auch in einem Wettkampf messen. Zusammen mit Bettina Sigg entschloss ich mich, diese Wettkampfform auszuprobieren – und ich blieb in der Folge dabei.

Was war für Sie der Reiz an dieser bei uns damals unbekannten Sportart?
Es ist ein einzigartiger Moment, wenn man auf der Matte steht und genau weiss, dass man im Moment X richtig reagieren und die hunderte Male trainierten Abläufe abrufen kann. Es ist auch eine faszinierende Herausforderung, die Jury mit seiner Technik, seinem Tempo und seiner Ausstrahlung überzeugen zu können.

Welches war Ihr grösster Erfolg als Aktiver?
Das war ganz klar die Bronzemedaille mit Philipp Zgraggen an der WM 2002 in Uruguay.

Nach Ihrer Aktivkarriere wurden Sie Nationaltrainer im Duo System und führten vor allem die Gebrüder Remo und Pascal Müller zu grossen Erfolgen. Was reizte Sie an dieser Aufgabe?
Ich stand vor der Wahl, selber als Aktiver weiterzumachen oder als Trainer meine Erfahrung in unserem jungen Sport in noch nicht vorhandene Strukturen einzubringen. Ich entschied mich für zweiteres. Mein Ziel war es, Nachwuchsleute auszubilden, die auch international eine Chance haben sollten. Rückblickend stelle ich fest, dass das ganz gut gelungen ist.

Nach dem Duo System wurden Sie Nationaltrainer der Fighter. Warum dieser Wechsel?
Als Headcoach im Nationalteam war es lange Zeit eine One-Man-Show des Marco Limachers. Ich betreute alle Ju-Jitsu-Kämpfer, also neben dem Duo System auch die Fighter. Doch es war schwierig, beidem gerecht zu werden. Als die Gebrüder Müller sich vom Wettkampfsport zurückzogen und sich als Duo-System-Trainer zur Verfügung stellten, packte ich die Chance und konzentrierte mich auf die Fighter. Ich wollte auch da meine Ideen vermehrt und intensiver einbringen. Als Headcoach war ich zwar weiterhin für beide Sparten zuständig, meine Prioritäten wechselten aber von Duo System zum Fighting.

An Ihrem Heimturnier, dem Pilatus-Cup in Kriens, beschlossen Sie jetzt definitiv Ihre Karriere als Nationaltrainer. Haben Sie genug vom Ju-Jitsu?
Überhaupt nicht! Ich werde auch in Zukunft regelmässig auf der Matte anzutreffen sein. Die Verantwortung für das Nationalteam gebe ich jedoch ab. Nach vielen sportlichen Abwesenheiten in der Vergangenheit will ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Auch im Beruf steigen Anforderungen und Verantwortung als Projektleiter für stellensuchende Jugendliche (www.dreipunkt-lu.ch) ständig. Deshalb ist das jetzt für mich der richtige Zeitpunkt, um zurückzutreten.

Man munkelt, dass auch die Gebrüder Müller, die aktuellen Spartentrainer im Duo System, zurücktreten wollen. Geht damit die Innerschweizer Vorherrschaft im internationalen Duo System zu Ende?
Es ist leider so, dass Remo und Pascal Müller nach den World Games im November ebenfalls zurücktreten werden. Diese Situation ist sicher nicht optimal. Da aber in den Vereinen gute Arbeit geleistet wird und wir mit den Geschwistern Erni und Bachmann nach wie vor über Weltklassepaare verfügen, werden wir auch in naher Zukunft an internationalen Meisterschaften vorne mithalten können. Wie es langfristig weitergehen wird, ist dagegen offen. Jetzt ist der Verband gefordert. Eines ist aber klar: Ich werde nicht mehr zur Verfügung stehen. Meine Zeit als Verantwortlicher ist definitiv vorbei.

www.swissjujitsuteam.ch

Interview von Kurt Grüter (NLZ, 11.06.13) mit Marco Limacher
1 Kommentar
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Ramona Geiger aus Luzern | 14.06.2013 | 10:43  
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