Schlechte Ernte - italienisches Olivenöl wird knapp

Nach einer historisch schlechten Ernte wird das italienische Olivenöl knapp. Damit steigt die Gefahr von Ölbetrug. Und die Grosshandelspreise explodieren.

Normalerweise laufen die Ölmühlen im süditalienischen Apulien im Herbst auf Hochtouren; Apulien produziert gegen die Hälfte des italienischen Olivenöls. Dieses Jahr ist alles anders. Kein emsiges Treiben, die Olivenhaine sind verlassen, viele Mühlen stehen seit längerem wieder still. Die Stimmung ist bedrückt. «Heute letzter Arbeitstag der Saison 2016/2017», meldete etwa die Ölmühle Cantore im apulischen Dörfchen Maruggio bereits Ende November. In anderen Jahren hätte die Mühle noch bis weit ins neue Jahr hinein gearbeitet. Aber es gibt keine Oliven mehr. Wenn überhaupt, dann hängen nur noch ein paar faule Früchte an den Bäumen.

Wie schon vor zwei Jahren hat die Olivenfliege wieder zugeschlagen. Zu warm der Winter, zu feucht der Sommer. Ideal für die Fliege. Grosse Teile der Ernte sind zerstört. Im November schätzte der Verband der Olivenöl produzierenden Staaten (International Olive Council) den diesjährigen Ernteausfall für Italien auf fast 50 Prozent. Auch Griechenland (-19 Prozent), Spanien (-6 Prozent) oder Tunesien (-29 Prozent) sind betroffen. Im Salento, ganz unten im süditalienischen Apulien, rechnen die Produzenten inzwischen gar mit durchschnittlichen Ausfällen von gegen 80 Prozent.

Mitte 2017 ist Schluss mit italienischem Olivenöl

Droht ein Olivenöl-Engpass? In Italien sicher: «Die italienischen Ölvorräte sind Mitte 2017 aufgebraucht», meldet der italienische Agrarverband Coldiretti. Die Preise schnellen hoch. An der Börse in Bari, dem wichtigsten Handelsplatz für italienisches Olivenöl, kostet das Kilogramm Extra-Vergine-Öl für Grosshändler derzeit rund 70 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Das spüren auch die Schweizer Detailhändler.

«Der Preisdruck auf das Olivenöl nimmt zu», sagt Migros-Mediensprecherin Martina Bosshard. Der frische Olivenöljahrgang komme im Februar in die Läden. Was die Kunden dann in Sachen Preis und Qualität erwartet, ist noch nicht klar: «Wir sind mitten in den Verhandlungen mit den Lieferanten». Ähnlich tönt es auch bei Coop: Die Verhandlungen laufen, «falls wir die Preise erhöhen müssen, werden wir das transparent kommunizieren.»

Höhere Preise – oder kein italienisches Öl. Bereits nach der schlechten Ernte vor zwei Jahren hatte der Migros-Hauptlieferant Monini statt italienischem Olivenöl eine Mischung aus verschiedenen Ländern abgefüllt, dies in Inseraten allerdings transparent gemacht. Migros-Sprecherin Bosshard: «Momentan wird diese Möglichkeit wieder diskutiert.»

Damit wäre Monini nicht alleine. Bereits in normalen Jahren enthalten zwei von drei in Italien abgefüllte Flaschen kein italienisches Olivenöl. Der Grund: «Italienisches» Extra-Vergine-Öl verkauft sich besser und teurer als Öl aus anderen Ländern.
Ölschwindler wittern Morgenluft

Spanisches oder griechisches Öl als «italienisches» zu verkaufen, das ist auch eine beliebte Masche der Ölschwindler – mit falschen oder auf dem Etikett nur schwer auffindbaren Herkunftsbezeichnungen. Eine andere Methode ist, aus minderwertigem Olivenöl ein «gutes» zu machen: Ein stinkendes, nicht für den Verzehr zugelassenes Olivenöl («Lampantöl») wird quasi chemisch gereinigt. Durch dieses «Desodorieren» entsteht ein raffiniertes Olivenöl, geruch- und geschmacklos. Etwas parfümiert mit richtigem Extra-Vergine-Öl darf das zwar als «Olivenöl» verkauft werden, nur zu oft findet es aber den Weg in eine Flasche Billig-«Olivenöl Extra Vergine» bei Discountern rund um den Globus. Nach dem aktuellen Ernteeinbruch in Italien wohl erst recht.

Dieser Beitrag ist in gekürzter Form im SonntagsBlick vom 15. Januar 2017 erschienen.
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