Einheitskrankenkasse – ein kostspieliges Grossprojekt

Der Wechsel zum System der Einheitskrankenkasse würde über zehn Jahre dauern und Kosten in Milliardenhöhe verursachen. Das zeigt eine Studie des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie im Auftrag der alliance santé. Damit verfügen wir erstmals über genaue Angaben zu den Risiken, der Dauer und den Kosten, die ein Systemwechsel mit sich bringen würde. Weder die Initianten noch der Bundesrat haben bisher dazu Fakten geliefert.

Langwierige Zentralisierung

Die Studie des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie zeigt: Der Systemwechsel vom heutigen Mehrkassensystem zur Einheitskrankenkasse würde zehn bis fünfzehn Jahre dauern. Es müssten Standorte für den Hauptsitz und die kantonalen Agenturen der Einheitskrankenkasse aufgebaut, Personal transferiert und neu rekrutiert, sowie Informatiksysteme eingeführt werden. Die Einheitskrankenkasse wäre nicht von einem Tag auf den anderen funktionstüchtig. Während mehrerer Jahre müssten das heutige Mehrkassensystem und die Einheitskrankenkasse teilweise parallel betrieben werden. Das Chaos wäre vorprogrammiert. Die Einheitskrankenkasse wäre ausserdem nur der erste grosse Schritt für eine verstärkte zentrale Gesetzesregulierung.

Rund zwei Milliarden alleine für den Systemwechsel

Die Initianten behaupten, dass die Einheitskrankenkasse günstiger würde. Dies weil Werbe-, Marketing- und Provisionskosten von mutmasslich 77 Millionen Franken pro Jahr wegfielen. Nun zeigt die Studie, dass allein die Kosten des Systemwechsels auf etwa zwei Milliarden Franken zu stehen kämen. Mit einer Einheitskrankenkasse würde also in einem ersten Schritt für den Systemwechsel mehr ausgegeben, als in fast 26 Jahren an Werbe- und Marketingkosten eingespart werden könnte. Eine vierköpfige Familie hätte demnach alleine für den Systemwechsel rund tausend Franken Mehrkosten zu tragen. Dies ist unverhältnismässig. Der Systemwechsel kostet viel Geld und nimmt den Versicherten die Wahlfreiheit – er verursacht Kosten und vermindert Freiheiten.«Es ist zu befürchten, dass ältere Arbeitnehmer mit mehrjähriger Berufserfahrung in der freien Marktwirtschaft von einer Einheitskrankenkasse nicht übernommen und in die Arbeitslosigkeit entlassen werden.»

Die Kosten von zwei Milliarden Franken sind vorsichtig geschätzt. Den Berechnungen liegen die Annahmen zugrunde, dass das Projekt ohne grössere Schwierigkeiten und geordnet über die Bühne geht. Projektrisiken, wie etwa die in Grossprojekten verbreiteten und gefürchteten IT-Pannen und gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen, sind ausdrücklich nicht einkalkuliert. Die Wechselkosten sind nur die Spitze des Eisbergs, denn die Einheitskrankenkasse wird grundsätzlich teurer. Eine monopolistische Einheitskrankenkasse hätte mangels Konkurrenz keinen Anreiz mehr, möglichst gute Dienstleistungen zum besten Preis zu erbringen.

Massiver Stellenumbau

Für das klassische Versicherungsgeschäft würden mit der Einheitskrankenkasse etwa gleich viele Mitarbeitende benötigt wie heute. Dennoch würden alle rund 12’000 Personen, die heute für die Grundversicherung arbeiten, ihren aktuellen Arbeitsvertrag verlieren und wären damit vom Systemwechsel direkt betroffen. Bei der Einheitskrankenkasse würde sich die Verteilung des Personals nach der Bevölkerungszahl pro Kanton richten. Demnach würden heute über 5’000 Personen im falschen Kanton arbeiten und müssten den Arbeitskanton wechseln. Dies käme einem gewaltigen Stellenumbau und einer wesentlichen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen gleich. Es ist zu befürchten, dass ältere Arbeitnehmer mit mehrjähriger Berufserfahrung in der freien Marktwirtschaft von einer Einheitskrankenkasse nicht übernommen und in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Wo sollen diese Menschen eine neue Arbeitsstelle finden, wenn nur noch ein Monopolist im Krankenversicherungsmarkt präsent ist? Generell würde es aber für alle Arbeitnehmer verschlechterte Arbeitsbedingungen, längere Arbeitswege und Neuverhandlung der Arbeitsverträge bedeuten, was einen enormen emotionalen Stress und eine massive Beeinträchtigung der Lebensqualität zur Folge hat.

Es ist darum angebracht, dass wir die verführerischen Parolen kritisch hinterfragen und die zentralistische und freiheitsfeindliche Einheitskrankenkasse ablehnen.
1 Kommentar
623
Pascal Merz aus Region Luzern | 10.06.2014 | 18:06  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.