25 Jahre Schweizer Solarpreis: Luzerner Gewinner

Solares ewl-Unterwerk Steghof, Luzern (Foto: Schweizer Solarpreis 2015)
 
Solardach in Ortsbild-Schutzzone Luzern (Foto: Schweizer Solarpreis 2015)
 
Einfamilienhaus-Sanierung Rey, Malters (Foto: Schweizer Solarpreis 2015)
Am 29. September 2015 wurden in Genf zum 25. Mal die energieeffizientesten Bauten und Anlagen sowie die engagiertesten Persönlichkeiten und Institutionen im Solarbereich mit dem Schweizer Solarpreis ausgezeichnet. Die Entwicklung der Solar- und Haustechnikbranche der letzten 25 Jahre wurde in Bild- und Videobeiträgen revue passiert, mit den Preisträgern wurde der neuste Stand der Technik präsentiert. Nachfolgend eine Auswahl der Preisträger.

Für den Schweizer Solarpreis wurden 2015 insgesamt 86 Solarprojekte in den Kategorien Neubauten, Bausanierungen, Energieanlagen, Personen und Institutionen eingereicht. Fast 50% der 32 eingereichten Gebäude-Bewerbungen sind PlusEnergieBauten (PEB). PEB erzeugen mehr Energie, als sie im Jahresdurchschnitt verbrauchen. Die Solarstromüberschüsse können ins öffentliche Netz eingespeist oder für Elektrofahrzeuge eingesetzt werden. Bereits zum sechsten Mal wurden der PlusEnergieBau®-Solarpreis und der Norman Foster Solar Award für besonders schöne PEB vergeben. Die sensationelle Eigenenergieversorgung der prämierten Bauten übersteigt dieses Jahr wieder 300%. Deshalb standen neben dem 25-jährigen Jubiläum des Schweizer Solarpreises an der diesjährigen Solarpreisverleihung die PlusEnergieBauten im Zentrum der Veranstaltung.

Energieanlagen: Solares ewl-Unterwerk Steghof, 6005 Luzern/LU

Das städtische Elektrizitätswerk Luzern (ewl) sanierte und vergrösserte das Unterwerk Steghof an der Sternmattstrasse. Die 617 m2 grosse, perfekt integrierte Photovoltaik-Anlage ist als «Kunst am Bau» gestaltet. Um die optischen und technischen Anforderungen zu erfüllen, ist die 96 kW starke PV-Anlage vollflächig in die Dachfläche integriert und sorgt für eine homogene Dach- und Fassadenfläche. Die jährlich erzeugten 65’500 kWh Solarstrom decken 34% des Gesamtenergiebedarfs von 195’800 kWh/a des ästhetisch hervorragend gestalteten Unterwerks der Stadt.

Energieanlagen-Diplom: Solardach in Ortsbild-Schutzzone, 6003 Luzern/LU

Mitten in der Ortsbild-Schutzzone B der Stadt Luzern realisierte Alois Stalder seine vorbildlich integrierte 34 kW starke PV-Anlage. Die 200 m2 grosse Dachhaut des neu erweiterten Dachstockes nutzt Stalder, um die gratis scheinenden Sonnenstrahlen aus allen vier Himmelsrichtungen einzufangen und damit 23’100 kWh/a Strom zu generieren. Die perfekt dachbündig integrierten Spezialmodule bilden mit den filigran konzipierten Dachfenstern eine einheitliche und harmonische Dachfläche. Die anspruchsvolle Architektur erfüllt die hohen Anforderungen des Denkmalschutzes und wertet das Stadtbild auf. Der Solarstrom deckt 8% des Gesamtenergiebedarfs von 286’800 kWh/a.

PEB-Solarpreis: 486%-PlusEnergieBau Sieber, 6174 Sörenberg/LU

Das Wohn- und Geschäftshaus von Reto und Birgit Sieber befindet sich in Sörenberg/LU auf 1’100 m ü. M. Dank guter Wärmedämmung, einer Wärmepumpe, energieeffizienten Geräten und LED-Beleuchtung benötigt der PlusEnergieBau jährlich 10’400 kWh Strom. Darin enthalten ist auch die Fahrt zur Arbeit mit dem Renault Zoe. Die perfekt und vollflächig integrierte PV-Anlage bedeckt das gesamte für diese Region typische Walmdach und erzeugt 43’800 kWh/a. Damit generiert der «Solardiamant der Alpen» eine Eigenenergieversorgung von 486%, mit dem Renault Zoe 421%. Die Solarstromüberschüsse von über 33’400 kWh/a werden ins öffentliche Netz eingespeist. Sie würden Reto Sieber ermöglichen, mit seinem Renault Zoe die Welt sechs Mal CO2-frei zu umrunden oder mit 24 Elektroautos 10’000 km/a CO2-frei zu fahren.

HEV-Sondersolarpreis: 130%-PEB-DEFH-Sanierung Fellmann, 6253 Uffikon/LU

Das Einfamilienhaus Fellmann in Uffikon/LU wurde im Zuge einer Gesamterneuerung um ein Geschoss erweitert und energetisch optimiert. Dank der guten Wärmedämmung von 28 bis 30 cm und A+++-Haushaltsgeräten sowie LED-Lampen konnte der Gesamtenergiebedarf um fast zwei Drittel auf 15’200 kWh/a gesenkt werden. Dies bei gleichzeitiger Vergrösserung der Wohnfläche um das Eineinhalbfache. Die 17.6 kW starke PV-Anlage erzeugt 17’700 kWh/a. Die Sonnenkollektoren erzeugen rund 2’100 kWh/a nutzbare Solarenergie. Insgesamt weist das Doppeleinfamilienhaus (DEFH) mit 19’800 kWh/a eine Eigenenergieversorgung von 130% auf. Vorbildlich ist die Integration der Solaranlage mitsamt den entsprechend detailliert ausgebildeten Gratabschlüssen des Walmdachs.

Sanierungen: Einfamilienhaus-Sanierung Rey, 6102 Malters/LU

Das massiv gebaute Einfamilienhaus (EFH) der Familie Rey in Malters/LU aus dem Jahre 1937 weist ein geschicktes Grundrisskonzept auf, das eine sinnvolle energetische Sanierung ermöglichte. Durch die Energiesanierung sank der Gesamtenergiebedarf um gut 80% von 49’200 kWh/a auf 9’600 kWh/a. Auch diese Sanierung erbringt damit den Beweis, wie einfach es ist, die rund 80% Energieverluste eines typischen Schweizer EFH zu eliminieren. Die aus monokristallinen Solarzellen bestehende, dachbündige und fast ganzflächig integrierte 7.6 kW starke PV-Anlage erzeugt rund 7’350 kWh/a und deckt 76% des Gesamtenergiebedarfs.

Institutionen: Energiekonzept Stanserhorn-Bahn, 6370 Stans/NW

Die Stanserhorn-Bahn engagiert sich seit Jahren für eine nachhaltige Entwicklung auf dem Berg. Schrittweise sanierte sie ihre Gebäude und die Stanserbahn. Dabei nutzt sie erneuerbare Energien und die passive Solarenergie durch eine intelligente Solararchitektur für das Bergrestaurant, welches aus lokalem Holz gebaut ist. Die 56-m2-Solarthermieanlage erzeugt rund 25’000 kWh/a. Die 24.7 kW starke PV-Anlage produziert 22’000 kWh/a. Zusammen mit der Wärmerückgewinnung generieren die Bahnen rund 60’000 kWh/a oder ca. 11% des Gesamtenergiebedarfs. 2014 sanierten die Bahnen die Gebäudehülle der Talstation und schlossen sie an das lokale Holzschnitzel-Fernwärmenetz an.

Energieanlagen: Solarbagger Affentranger, 6147 Altbüron/LU

Der innovative Bauunternehmer Markus Affentranger initiierte den weltweit ersten 16-Tonnen-Solarbagger mit Elektroantrieb. Dazu arbeitete er zusammen mit der ETH, der Hochschule NTB in Buchs und dem Baumaschinenhersteller Huppenkothen. Der SUNCAR-Elektrobagger ist geräuscharm, emittiert keine Schadstoffe und verfügt mit 75 bis 167 kW über eine erheblich höhere Leistung als vergleichbare Dieselbagger mit knapp 70 kW. Der umgebaute Takeuchi-Bagger benötigt statt 150’000 kWh/a nur 30’000 kWh/a – knapp 1% der 3.2 GWh/a der hauseigenen Solarstromproduktion von Markus Affentranger und Markus Bösiger. Die Batteriekapazität beträgt 190 kWh und ermöglicht einen 9-Stunden-Tageseinsatz. Im Vergleich zu einem Dieselbagger emittiert der Solarbagger jährlich 40 t CO2 weniger und spart 21’000 Fr. Treibstoffkosten pro Jahr.
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Theodor Kran aus Altstadt | 23.11.2015 | 11:16  
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