Aversionen gegen das Alter – Warum?

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Autorin: Margareta Annen-Ruf, Mitglied terzRedaktion | Foto: iStockphoto

Während in manchen Kulturen das Alter hohe Wertschätzung geniesst, gilt es in unserer vom Jugendkult beherrschten Gesellschaft eher als „Störfaktor.“ Die Vorbehalte oder Aversionen gegenüber dem Alter bestehen jedoch weniger bei den Jungen, als bei den mittleren Generationen. Was sind die Gründe?

Das Alter ist in unserer kurzlebigen, vom „Jugendkult“ beherrschten Gesellschaft mit ihrer ungebremsten Vorwärtsstrategie ein eigentlicher „Störfaktor.“



Für das ständig wachsende, immer weniger überblickbare Angebot an „Anti-Ageing“- Produkten, die die ewige Jugend versprechen, scheut der moderne Zeitgenosse keine Kosten und keine Mühen oder gar Leiden. Auf dem Arbeitsmarkt haben bereits 50-Jährige Mühe eine Stelle zu finden, weil sie zu alt sind, und ohnehin gelten die Alten nur mehr als Kostenfaktor vor allem zu Lasten der Kinder/Jungen.

Gesellschaftlichen Nutzen bieten

Was ständig wiederholt wird, ist jedoch nicht zwangsläufig richtig, denn die Rentner/-innen kosten nicht nur, sondern helfen mit, staatliche Aufgaben - darunter auch Erziehung und Bildung - zu finanzieren. Der Anteil der Älteren wird auch nicht ins Unermessliche steigen, wie etwa die Aussage „immer weniger Junge würden immer mehr Rentnern gegenüberstehen“, suggeriert. Vielmehr wird ihr Anteil mit dem Eintritt der geburtenschwachen Jahrgänge ins Rentenalter, ab etwa 2030/35 wieder sinken.

Düsteres Bild

Die Vorbehalte oder eigentlichen Aversionen gegenüber dem Alter kommen auch weniger oder kaum von den Jungen. Es sind vielmehr die Generationen im mittleren Alter, die ein düsteres Bild der demographischen Zukunft malen, dabei werden auch sie alt.

An möglichen Gründen erwähnt seien u.a. etwa dass:

  • die Alterung der Gesellschaft sozusagen der „Sündenbock“ ist für andere drängende gesellschaftliche und soziale Probleme;
  • das eigene Älterwerden Angst macht - Verlust an Prestige, gesellschaftlichem Status und materielle Einbussen;
  • Verunsicherung, indem die bisherigen Werte in Frage gestellt werden;
  • Missgunst gegenüber den Alten, die nicht mehr beruflichen „Stress“ haben.

Oder es haben jene Forscher Recht, die vom „Dorian-Gray-Syndrom“ reden. Damit wird die Unfähigkeit zu reifen und das eigene Aussehen zu akzeptieren, als gesellschaftliches Phänomen des aktuellen Zeitgeistes bezeichnet.



Artikel mit freundlicher Genehmigung der terz Stiftung und der Autorin übernommen
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