Die Alkoholkrankheit meines Vaters prägt mich bis heute

Alkohol betrifft Nahestehende Bild: Pixabay (Foto: Bild: Pixabay)
Thomas, 49, ist als Kind eines alkoholkranken Vaters aufgewachsen. Später war er selbst 20 Jahre abhängig. Inzwischen konsumiert er nicht mehr und hat den Umgang mit der Sucht gefunden. Felix Wahrenberger von Akzent Prävention und Suchttherapie hat anlässlich des Aktionstages Alkohol vom 19. Mai 2016 mit ihm gesprochen.

Wie hat dich das Alkoholproblem deines Vaters geprägt?
Sehr stark. Ich habe heute noch Mühe eine Beziehung aufzubauen aus Angst, etwas falsch zu machen. In unserer Familie war die Mutter für die Erziehung zuständig und ich für die Harmonie. Ich habe noch heute Mühe, so zu sein, wie ich möchte und nicht so, wie die anderen mich haben wollen.

Welche Folgen hat dies für die Kinder?
Die Kinder leiden unter der Alkoholabhängigkeit. Sie lernen keinen gesunden Umgang mit Problemen und kämpfen lange damit. Sie haben Mühe, richtig im Leben zu stehen.Wichtig wäre, sich Selbstvertrauen anzueignen, zu sich zu stehen, sich selbst zu sein.

Wie haben Freunde und Verwandte die Familie unterstützt?
Gar nicht. Gegen aussen hat alles geklappt, der Vater war trotz Alkoholsucht ruhig und vernünftig. Trotzdem habe ich nie wirklich einen Vater gehabt. Für die Mutter war die Situation eine grosse Belastung. Vom Umfeld kam keine Reaktion, aber auch keine Unterstützung.

Erst viel später, als Erwachsener, fand ich bei den AA (Anonymen Alkoholikern) Entlastung und Hilfe zur Selbsthilfe. Nun weiss ich, dass andere Söhne in derselben Situation waren. Es ist wichtig, dass Unterstützung so kommt, dass sie respektiert und angenommen werden kann. Bevormunden oder von oben herab handeln wäre unnütz und würde Angst auslösen, das scheinbar funktionierende Gefüge der Familie zu zerbrechen.

Falls das Umfeld helfen könnte, müsste Vertrauen da sein. Nahestehende könnten einfach für Gespräche da sein und sich nicht einmischen.
Besten Dank für deine Offenheit und deine Erfahrungen.
Informationen zum Aktionstag vom 19. Mai 2016 und zum Thema sind zu finden unter www.dialog-alkohol-luzern.ch
Mai, 2016
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