Grosser «TecDay» an der Kanti Alpenquai: Technik und Naturwissenschaften praxisnah erleben

Am TecDay hatten die Schüler/-innen der Kantonsschule Alpenquai Luzern Gelegenheit, selber ein Schweineherz zu sezieren. (Foto Benno Bühlmann)
 
Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Alpenquai Luzern begegneten am «TecDay» dem berühmten Herzchirurgen Thierry Carrel vom Inselspital Bern. (Fotos Benno Bühlmann)
 
Als kreatives Element bauten die Schüler/innen am TecDay im Rahmen eines Wettbewerbs aus vorgege-benem Material originelle Fahrzeuge, die am Mittag bei einem Rennen getestet und anschliessend prämiert wurden.
Luzern: Kantonsschule Alpenquai |

Einen Tag lang drehte sich an der Kantonsschule Alpenquai Luzern (KSA) für einmal alles rund um Technik und Naturwissenschaften. Anstelle des normalen Unterrichts kommen die 1550 Schüler/-innen in den Genuss von insgesamt 78 Modulen zu sehr vielfältigen Themen, die in enger Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) angeboten werden.

Es handelte sich um den grössten Anlass dieser Art, der in der Schweiz jemals an einem Gymnasium durchgeführt worden ist. Zur Auswahl standen beispielsweise Themen wie «Handystrahlen», «Kein Leben ohne Tod», «Bauingenieurwesen zum Anfassen», «Fernseher per Gedanken steuern?», «Insekten oder Functional Food: Ekelszenario oder Zukunft?», «Klimawandel & Technologie: Chance oder Widerspruch?» oder «Technologien für kranke Herzen». Viele Module beinhalteten Experimente und Erklärungen mit Modellen oder kleine Projektarbeiten.
Viele zeichneten sich durch einen starken Praxisbezug aus. Als kreatives Element bauten die Schüler/innen am TecDay im Rahmen eines Wettbewerbs aus vorgegebenem Material originelle Fahrzeuge, die am Mittag bei einem Rennen getestet und anschliessend prämiert wurden. In einem weiteren Wettbewerb machten die Schüler/-innen «Jogging für den Kopf»: Sie lösten knifflige Knobelaufgaben und stellten Happy Cubes zusammen.
Die Maturandin Harriet Bucher, die später Raumplanung an der ETH studieren möchte, besuchte ein Modul zum Thema «Radioaktive Abfälle entsorgen: Wie und wo?». Insbesondere die interdisziplinären Verknüpfungen haben ihr die Chance geboten, neue Zusammenhänge zu sehen und zu verstehen.

Begegnung mit Herzchirurg Thierry Carrel

Im Vordergrund stand jedoch der Austausch mit Persönlichkeiten aus Industrie, Hochschulen, Forschungsanstalten und Non-Profit-Organisationen. Die Modulverantwortlichen stammen aus 55 verschiedenen Organisationen – von Freiburg im Breisgau bis Lugano und von Lausanne bis Chur.
Gabrijela Pejic,TecDay-Koordinatorin und Prorektorin der Kantonsschule Alpenquai Luzern, erläuterte am Mittwoch vor den Medien mit Stolz das attraktive Programm, bei dem die Schüler/-innen «mit Kopf, Herz und Hand» angesprochen werden könnten. Und Belinda Weidmann von der SATW doppelte nach, dass die Leiterinnen und Leiter der einzelnen Module es schaffen, stets mit viel persönlicher Leidenschaft in die faszinierende Welt der jeweiligen Disziplin einzuführen und damit die Schüler/-innen zu begeistern.
Unter den Persönlichkeiten war auch der berühmte Herzchirurg Thierry Carrel vom Inselspital Bern. «Naturwissenschaften und technische Innovation haben ein grosses Potential für die Zukunft der Gesellschaft, aber auch für den Forschungsstandort und Werkplatz Schweiz», betonte Carrel anlässlich der Medienorientierung: «Bei unserem Modul zum Thema ‚Technologien für kranke Herzen’ zeigen wir, wie Ingenieure und Mediziner gemeinsam an neuen Technologien arbeiten, um innovative Behandlungsmöglichkeiten von Herz- und Kreislaufkrankheiten zu formulieren.»
Tim Suppiger aus einer 6. Klasse war begeistert, einen Einblick in den Alltag eines Herzchirurgen zu bekommen und fühlte sich danach bestärkt in seiner Studienwahl Medizin.

Vor 50 Jahren die Matura an der Kanti Alpenquai absolviert

Ein besonderer Gast war auch der Umwelt- und Energiespezialist Josef Waltisberg, der vor 50 Jahren an der Kantonsschule Alpenquai Luzern die Matura absolviert hat und damit indirekt als «Botschafter» zum 50-Jahr-Jubiläum der Kantonsschule Alpenquai Luzern in Erscheinung trat. «Umweltschutz ist heute eines der wichtigen Themen, für die ich die Teilnehmenden des TecDay sensibilisieren möchte», betonte Waltisberg gegenüber den Medien. «Als ich 1979 in die Zementindustrie eintrat, wussten die Werke nicht einmal, welche Schadstoffe sie emittieren. Das war auch in anderen Industrien nicht anders.» Bis heute seien allerdings in den Zementwerken weltweit die Emmissionen massiv reduziert und fossile Brennstoffe (Öl, Kohle) durch «alternative Brennstoffe» (Abfälle) ersetzt worden.
Ebenfalls ein Ehemaliger der Kantonsschule Alpenquai Luzern ist Raphael Zimmermann, der als Vertreter der Schindler Aufzüge AG ein Modul zum Thema «Vertikale Mobilität heute und morgen» leitete: «Als Vertreter der Industrie wollen wir bereits früh den Kontakt zum zukünftigen Nachwuchs herstellen und sie für unsere spannenden Tätigkeiten und Berufsfelder begeistern.» Zudem sei es ausserordentlich bereichernd, sich mit diesen unbefangenen und frischen Persönlichkeiten auszutauschen, so Zimmermann.
«Die Kantonsschule Alpenquai Luzern hat eine lange Tradition in Projektarbeit in engem Zusammenwirken mit verschiedensten Bereichen der Gesellschaft (Luzerner Theater, Luzerner Sinfonieorchester, UNESCO, Universitäten und Hochschulen, Schweizer Jugend forscht, Verkehrshaus der Schweiz u.a.m.) und nutzt die Kontakte gezielt, um das Lernen der Schüler/-innen einen sinnhaften Zusammenhang mit den verschiedenen Sphären ihrer Umwelt zu stellen. Der TecDay ist eine hervorragende Institution, um die Neugier der Schüler/-innen im MINT-Bereich anzuregen und ihnen neue Horizonte zu eröffnen», ist der Rektor Hans Hirschi überzeugt.

TecDays – eine Initiative der SATW

Die TecDays sind eine Initiative der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) und wurden 2007 erstmals an der Kantonsschule Limmattal getestet. Seither wurden sie an über 50 weiteren Gymnasien und in allen Landesteilen erfolgreich durchgeführt. Mit den TecDays unterstützt die SATW die vom Bund lancierten Bestrebungen, bei den Jugendlichen mehr Interesse für Technik zu wecken. Dies ist mit Blick auf den Fachkräftemangel in Technik und Informatik notwendig, aber auch für eine vertiefte Gesellschaftsfähigkeit der Schüler/-innen als Konsumenten, Stimmbürger und zukünftige Führungskräfte.

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Kantonsschule Alpenquai Luzern

Mit rund 1‘550 Schülerinnen und Schülern sowie 170 Lehrpersonen ist die Kantonsschule Alpenquai Luzern das grösste Gymnasium im Kanton Luzern und eine der grössten Mittelschulen in der Schweiz. Sie führt ein sechsjähriges Langzeitgymnasium mit der Möglichkeit zur zweisprachigen Matura in Englisch. Neben Sport- und Musikklassen und einem mannigfachen Angebot an Schwerpunkt-, Ergänzungs- und Freifächern ergänzen auch Veranstaltungen im Bereich MINT das Bildungsangebot.
www.ksalpenquai.lu.ch

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SATW

Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) ist ein Netzwerk von Persönlichkeiten, die sich seit 1981 dafür einsetzen, die Technik zum Wohl der Gesellschaft zu fördern. Die SATW hat vom Bund zudem den Auftrag, das Technikverständnis und das Technikinteresse in der Bevölkerung – insbesondere bei jungen Leuten – zu stärken. Sie ist politisch unabhängig und nicht kommerziell orientiert. Zurzeit hat sie rund 300 Einzelmitglieder und 60 Mitgliedsgesellschaften.
www.satw.ch

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