Ab die Post

Wann? 29.10.2017 13:00 Uhr

Wo? Schlossmuseum, Centralstrasse, 6215 Beromns Beromünster CHauf Karte anzeigen
Beromünster: Schlossmuseum |

400 Jahre Brandstetter in Beromünster (1.Stock)
Ein Blick auf die Familiengeschichte und die Geschenke der Brandstetters an das
Schlossmuseum. Die Sammlung von Briefmarken und Münsterer Poststempeln war der Auslöser für unsere Ausstellung.

Eine Reise durch die Post-Jahrhunderte


Mittelalter – Schickt den Boten los!
1430: In prächtiger Schrift und mit riesigem Siegel kommt der Brief aus dem Zürcher
Fraumünster ins Chorherrenstift Beromünster. Und der Bote erhält eine Mostsuppe.
So kommunizieren Klöster, Regierungen, Adlige. Den Leuten bleiben wenig Möglichkeiten.
Vielleicht einem fahrenden Spielmann eine mündliche Botschaft mitgeben?
16. / 17. Jahrhundert – Bern macht es vor. Was in Deutschland die Thurn und Taxis, sind in der Schweiz die Fischer von Reichenbach: Erfolgreiche Postunternehmer für «Brief und Mensch».
18. Jahrhundert – «Wann die Botten abgehen»: Luzern ist keine Handelsmetropole, dem Post- und Personenverkehr wird wenig Wichtigkeit beigemessen. Immerhin gibt es erste Tabellen zu den Verkehrszeiten der Boten.
Die Stadt pflegt ihre katholischen Verbindungen und mischt den Gotthardverkehr auf: Die
Pfyffersche Chausée (Luzern-Sursee-Reiden) ermöglicht ein neues Fahrgefühl.
1798-1803 – Ein erster «service public»
Einheitliche Tarife nach Gewicht und Distanz, Förderung des Zeitungswesens «zur Bildung
und Aufklärung des Volkes», Ausbau der Postverbindungen (z.B. Aarau-Münster-Luzern)
und des Kutschenverkehrs durch ein Netz von «Nationaldiligencen»…
Fortschrittliche Ideen, aber französisch zentralistisch aufgegleist – dazu ist die damalige
Schweiz (noch) nicht bereit.
Nach 1803 – Wenn ein Brief von Genf nach Romanshorn mehr kostet als nach Istanbul
Die Post bringt Geld. Sie wird verstaatlicht. Es entsteht eine Schneckenpost aus
16 kantonalen Betrieben und einem Wirrwarr an Münzen, Massen und Gewichten.
Fortschrittlich geht man in Luzern den Reisebetrieb an: Die Touristen kommen, die Kutschen rollen auf neuen Kunststrassen und auf dem See dampft «Die Stadt Luzern».
Nach 1848 – Jetzt werden die Briefe frankiert und der Verkehr beginnt zu boomen
Der junge Bundesstaat nimmt die Sache in die Hand, vereinheitlicht und zentralisiert.
Wichtigste Aufgabe ist bis zur Motorisierung der Personentransport.
Die Kommunikation beschleunigt sich. Die Eidgenössische Post wird zur PTT, entflechtet
sich wieder und gerät durch den Leistungsauftrag in der Bundesverfassung immer mehr in
das Spannungsfeld Dienstleistung – unternehmerisches Denken.

Vom Ende der Langsamkeit (obere Stube)


Eine eigensinnige Kuh, ein rasantes Gefährt und dazwischen der Zeitgeist
Die Text- und Bildtafeln widmen sich dem Hintergrund der berühmten Gotthardpost: In den
Lebensgeschichten der beiden Zürcher Rudolf Koller und Alfred Escher, resp. in Kollers
Bildern und Eschers Taten, spiegelt sich die Umbruchsituation der jungen Schweiz nach
1850. Und der nationale Bildhauer Richard Kissling zeigt mit seinen Denkmälern (Tell in
Altdorf, Zeitgeist in Luzern, Escherbrunnen in Zürich) eine Schweiz im Wechsel vom
Bauernland zur Industrienation.
Als das Bild der Gotthardpost selber auf Reisen ging, spiegelte sich darin die Geschichte
einer privaten Tragödie. Wenig schmeichelhaft für einige der Beteiligten!

Münster Seitenblicke (Dachgeschoss)



Die Hüpfpost
Die Posthalter der Luzerner Post nach 1830 arbeiten im Nebenamt bei sich zu Hause. So
pendelt das Büro im Flecken hin und her. Erst mit der Eidgenössischen Post wird es
repräsentativer, landet in der Schol und lässt sich schliesslich im neuen Zentrum an
Bahnhof- und Centralstrasse nieder.

Die Stempelparade
Durch die Sammlungen Brandstetter und z.T. auch Zeier sind wir im Besitz aller
nachgewiesenen Stempelformen von Beromünster. Nur die seltene «5.MUNSTER» fehlt,
aber diese stellt uns der Postkenner Hans Pfäffli für die Ausstellung zur Verfügung.
So können wir die ganze Palette auf prächtigen Couverts bieten: vom Postkreis 5 in den
Postkreis 7, von Münster über Beromünster zu 6215 und zu den Werbestempeln.

Auch Münster will ans Netz
Anstelle einer eigenen «Telephon-Central-Station Münster» bewilligt man in Olten höchstens einen Anschluss an Sursee oder Reinach. Der Posthalter kann die immerwährende Präsenz an der Umschaltstation nicht leisten. So landet die Anlage im «Hirschen».

Station Beromünster: Stumpengleis – Verbindung ins Stumpenland oder Anfang und
Ende der SBB?

Nach 1900 verändert sich die Verkehrssituation ständig. 1927 holpert die letzte Postchaise
nach Rickenbach. Postautos und Rothenburg AG sind da. Der Bus fährt nur bis
Emmenbrücke (der gegenwärtig geplante Hub lässt grüssen!), und auch mit einer direkten
Verbindung von Aarau nach Luzern ist es vorbei.

Ciao posta
Von Schwarzenbach bis Gunzwil sind die Poststellen weg. Ärger oder Verständnis? Wenn
Sie wollen: Legen Sie Ihre Meinung auf den alten Bauerntisch

Ausstellung: 27. August – 29. Oktober
Vernissage: 25. August, 19.00 Uhr, im Schloss
Offen samstags und sonntags, 14 – 16 Uhr.
Öffentliche und private Führungen:
www. schlossberomuenster.ch
Fragen: 041 467 25 84.
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