Ausgrabungen gingen im Regen unter

Jürg Manser erklärt wo die Spitalkirche stand.
Luzern: Franziskanerplatz |

In der Kleinstadt Luzerns wird wieder gegraben. 80 Zentimeter wird für die Sanierung der Strasse ausgehoben - so viel dürfen die Archäologen freilegen. An der Führung am Freitag erzählten sie von erstaunlichen Funden - zumindest versuchten sie es.

Eigentlich ging ich hin, um die Überreste vergangener Zeiten zu bestaunen. Doch schon nach kurzer Zeit verdüsterte sich der Himmel. Unter den Zelten wurde es immer dunkler. Kantonsarchäologe Jürg Manser witzelte noch, dass sie nicht daran gedacht hätten Scheinwerfer zu installieren. Da öffnete der Himmel seine Schleusen und es begann zu giessen. Wer noch nicht unter dem Zelt stand, flüchtete ins Trockene.

Die beiden Referenten, neben Manser sprach auch Projektleiter Fabian Küng, gaben sich Mühe ihre Ausführungen fortzusetzen. Sie schrien über den Lärm hinweg, dass man sich um ihre Stimmen zu sorgen begann. Der starke Regen und zwischenzeitlicher Hagel machten das Zuhören jedoch fast unmöglich.

Boden als Trennlinie

Trotzdem blieben einige Dinge hängen. Meine beiden Highlights: der Boden und die Schädel. Bei erstem handelt es sich um den sehr gut erhaltenen Boden der älteren Spitalkirche. Noch sichtbar sind die Bereiche des Altarraumes und des Kirchenschiffes. Das gemeine Volk kam damals nicht in den Genuss eines Mörtelbodens, es musste mit aneinandergelegten Steinplatten vorlieb nehmen. Manser war sichtlich begeistert darüber wie gut dieser Boden erhalten ist.

Schädelknochen

Die Schädel wurden in der Nähe der Franziskanerkirche gefunden. Die wild durcheinanderliegenden Knochen stammen aus einem Beinhaus, das auf der anderen Seite der Franziskanerkirche gestanden hat. In diesem wurden die Knochen von geräumten Gräbern aufbewahrt. Aufgrund Überfüllung wurde das Beinhaus irgendwann geleert und so landeten die Knochen an der heutigen Stelle.

Da liegt ein Rohr

Mitten durch diesen Knochenhaufen führt eine neuzeitliche Leitung. Fabian Küng erklärt, dass die Gebeine fast unversehrt seien. Man muss deshalb davon ausgehen, dass die Knochen vorsichtig ausgehoben, das Rohr hineingelegt und mit den Knochen wieder zugeschüttet worden sei.

Trotz garstigem Wetter war es eindrücklich in die Vergangenheit einzutauchen und die Arbeit der Archäologen zu erkunden. Wer sich diese Gelegenheit ebenfalls nicht entgehen lassen möchte, kann heute Samstag 19.08.17 von 9 - 17 Uhr an weiteren Führungen teilnehmen.
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