Ensemble inszeniert "Merlin"

Voll motiviert: einige der «Merlin»-Spielerinnen und -spieler sowie weitere am Projekt Beteiligte. (Bild: Felix von Wartburg)
 
«Merlin»- Regisseur Ueli Blum (Bild: Felix von Wartburg)
Luzern: Theater Pavillon Luzern |

Das neue Ensemble der Luzerner Spielleute wendet sich in seiner ersten Produktion einem mythischen Stoff zu. Auch wenn der Heilige Gral und das Schwert Excalibur nicht fehlen: «Merlin oder Das wüste Land» ist weit mehr als ein klassisches Heldenmythos.

«Es geht um unverändert aktuelle, zum Nachdenken anregende Themen wie Macht, Heldentum und das Scheitern von Utopien – aber auch Komik wird nicht zu kurz kommen», sagt Ueli Blum. Dem Regisseur der ersten Ensemble-Produktion hat das vom deutschen Dramatiker Tankred Dorst zwischen 1978 und 1980 verfasste, auf Teilen der Artus-Sage basierende Stück wegen seiner Vielschichtigkeit schon immer gut gefallen. Dieses galt in seiner ursprünglichen Form mit einer veranschlagten Laufzeit von rund 15 Stunden zunächst als praktisch unaufführbar. Für die Luzerner Inszenierung, die am 31. August 2018 ihre Premiere im Theater Pavillon Luzern feiern wird, hat Ueli Blum das Monumentalwerk des im vergangenen Jahr verstorbenen Dorst kräftig gestutzt und dieses den rund 20 involvierten Spielerinnen und Spielern in einer Mundart-Fassung auf den Leib geschneidert.

Brechung der Illusion
Der Artus-Stoff, der in schriftlich fixierter Form auf das 12. Jahrhundert zurückgeht, hat im Verlaufe der Zeit unzählige Bearbeitungen erfahren, unter anderem lässt auch Hollywood die legendäre Geschichte immer wieder neu aufleben. Ueli Blum: «Im Gegensatz dazu, zumal Film und Theater ohnehin anders gelagert sind, geht es uns nicht darum, eine Illusion zu vermitteln und die Zuschauer mittels einer technisch aufwändigen und pathetischen Inszenierung komplett in eine imaginäre Ritterzeit eintauchen zu lassen.» Vielmehr fänden sich die Figuren der Luzerner Inszenierung in der Jetzt-Zeit in einem Requisitenfundus eines Theaters wieder und würden dann durch das Anprobieren von dort gefundenen Kleidungsstücken und mittels Gegenständen in die Rolle von Hofleuten und Rittern – darunter durchaus auch weibliche – schlüpfen. «Die Figuren sind also nicht Heldinnen und Helden, sie stellen diese nur dar», erklärt Blum den Mechanismus. «Aber um mehr darüber zu erfahren, wie solche Gestalten in Erzählungen funktionieren und konstruiert sind, ist natürlich ein Blick etwa in Szenen eines aktuellen Kinofilm-Blockbusters wie Guy Ritchies ‹King Arthur› überaus lohnenswert und aufschlussreich.»

Generationen: gegeneinander – miteinander
In doppelter Weise gerät beim Luzerner «Merlin» das Thema «Generationenwechsel» ins Spiel. Dies auf der Ebene der Geschichte als auch, was die Spielerinnen und Spieler selbst anbelangt: «Zum einen kommt es inhaltlich zum Konflikt zwischen den alten und den jungen Rittern, also – ins Hier und Heute übertragen – zwischen den Hippies der 1960er und der Häuserbesetzer der 1980er mit ihren Werten und Idealen und den jetzigen Jungen, die nun das Ruder übernehmen», so Regisseur Ueli Blum. Zum anderen erfahre das Thema Wiederspieglung in der der breiten Altersspanne der Beteiligten; der jüngste Spieler ist 15, die älteste Spielerin 80 Jahre alt: «Durch den Miteinbezug der Luzerner Stachelbeere, des Kinder- und Familientheaters der Spielleute, stehen im Sinne eines Generationswechsels und -dialogs auch Jugendliche und junge Erwachsene auf der Bühne, was das Ganze noch spannender macht.»

Neues Vorgehen bei der Stückfindung
Das Ensemble der Spielleute, das «Merlin oder Das wüste Land» zur Aufführung bringt, war vor rund einem Jahr gegründet worden, um bei der Stückfindung neue Wege zu gehen. Die Idee: Ein «harter Kern» aus engagierten Mitgliedern geht während eines Jahres gemeinsam mit einem gewählten Regisseur auf die Suche nach passendem Stoff, Inhalt und Form – dies komplett ergebnisoffen und immer wieder auch, indem nicht einfach nur mögliche Texte gelesen werden, sondern indem auch eine Annäherung über Improvisation und Spiel stattfindet. Im zweiten Jahr wird jeweils, je nachdem mit weiteren dazugeholten Spielerinnen und Spielern, das gewählte Stück einstudiert.

Mehr Infos auf der Website des Ensemble

Facebook-Kanal des Ensembles
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.