Hirschpark - Hirschmatt - Hirschengraben: Kleine Geschichte der Hirsche in der Stadtentwicklung Luzern

Burggraben mit Stadtmauer um 1500 (Foto: Stadtarchiv F2a/Veduten 002-D)
 
Hirschengraben mit Stadtmauer um 1800 (Foto: Stadtarchiv F2a/Veduten 015-D)
(Gekürzte Fassung eines Vortrags zum Jubiläum 400 Jahre Hirschpark Luzern)

Der Hirschpark Luzern hat eine jahrhundertealte Geschichte; sie greift bis ins 17. Jahrhundert zurück. Im 17. und 18. Jahrhundert brachten Staatsgesandte und Handelsleute bei ihren Besuchen der Stadtobrigkeit Wildtiere (u.a. Hirsche) als Geschenke mit. (Auch Präsident Medwedew brachte 2009 zwei Bären-Babys nach Bern.)

Vom Burggraben zum Hirschengraben
Der Burggraben um die Luzerner Kleinstadtumwallung war ursprünglich ein breiter offener Wassergraben, der vom Freienhof (bei der Kapellbrücke) bis zur Spreuerbrücke reichte. Dieser Festungsgraben wurde 1613/14 trockengelegt und als Hirschengraben genutzt. Die Damhirschkolonie "zur Ergötzung von Jung und Alt" sorgte auch im Ausland für grosses Aufsehen: 1623 werden die Luzerner "Damhirtzen" als eine touristische Attraktion bezeichnet.
Hirschengräben auf ehemaligen Festungsgräben waren auch in anderen Städten beliebt (vgl. Bern und Zürich). Luzerner Veduten und historische Stadtpläne zeigen den Wandel vom Burggraben zum Hirschengraben und die nachfolgende Stadtentwicklung.

Hirschengraben macht Stadtentwicklung Platz
Ab 1855 wurden die Grabenanlagen planiert, 1860 der letzte Teil des Hirschengrabens vom Spital zum Freienhof aus "städtebaulichen Gründen" zugeschüttet, die Stadtmauern und Türme abgetragen. Die Stadt wächst, der Hirschengraben wird Verkehrsweg. Die Eisenbahn hält Einzug in Luzern (auf der heutigen Pilatusstrasse). An der Reuss und am See entstehen Quaianlagen.
Die Stadt verzichtete in den folgenden Jahrzehnten auf eigene Gehege mit Hirschen. Privat wurden im damals neuen Gletschergarten Hirsche und Gämsen gehalten (Gehege bei Löwendenkmal). Kurze Zeit gab es auch einen alpinen Wildpark am Gütsch.

Hirschmatt: Hirschgarten, dann neues Stadtquartier
Der Abbruch des Gaswerks 1899 gab der Stadt wieder ein passendes Areal an der heutigen Hirschmattstrasse und im "Vögeligärtli", wo auf Anregung der Ornithologischen Gesellschaft der Stadt Luzern (OGL) nebst einer neuen Hirschanlage auch eine grosse Volière entstand.
Das nun immer begehrtere Bauland im Hirschmattquartier führte dazu, dass schon bald nach einem neuen, dauerhafteren Standort für den Hirschpark gesucht werden musste. Auch die Eisenbahn erhält eine neue Zufahrt und einen neuen Bahnhof.

Hirschpark auf Reussport
Für die Verlegung des Hirschgartens bzw. die Umwandlung in einen Hirschpark arbeitete die städtische Baudirektion 1905 ein Projekt auf der Reussporthöhe aus. 1906 war es soweit: Der neue Hirschpark war bezugsbereit. Edel- und Damhirsche dislozierten; neu kamen Sikahirsche aus Ostasien und Axishirsche dazu, deren Haltung in späteren Jahren jedoch wieder aufgegeben wurde.
Seit 1966 ist das Areal um 17.6 Aren gegen das Kantonsspital hin auf 65 Aren erweitert. Darin lebten zeitweise zwischen 20 und 30 Wildtiere in zwei Rudeln, Damhirsche und Rothirsche. 1986 wurden erneut umfassende Gehegerenovationen vorgenommen, dies auf Initiative hin des damaligen Grossstadtrates Ruedi Bürgi.
2006 erstellte das Wärterteam einen "Kälberschlupf", um den jährlichen kleinen Kälbern genügend Futter zu sichern und um ihnen gelegentlich Zusatzfutter oder Entwurmungsmittel zu verabreichen.
Seit 2007 muss der Park ohne staatliche Mittel auskommen. Der im Januar 2008 gegründete Verein "Freunde des Hirschparks Luzern" suchte nach Lösungen und hat seither die Betriebsführung inne. Durch Mitgliederbeiträge, Gönnerschaften und immer wieder Aktionen für und mit der Bevölkerung gelang es bisher, die pro Jahr benötigte Summe von CHF 60'000.- zusammen zu bringen.
www.hirschpark-luzern.ch
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Anna Rybinski aus Luzern | 20.07.2014 | 19:30  
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