Schachmuseum mit neuer Ausstellung in Luzern

Bobby Fischer war einer der grössten Schachspieler aller Zeiten und Weltmeister 1972 - 1975.
 
Viktor Kortschnoi und seine Frau Petra lebten viele Jahre in Wohlen, wo er auch Ehrenbürger ist.
Die Schachgesellschaft Luzern hat letztes Jahr nicht nur den Schweizer Meistertitel nach Luzern geholt, sondern auch ein Stück Kunst und Kultur in die „Leuchtenstadt“ gebracht. Seit anfangs Januar spielt die SG Luzern nämlich nicht mehr im Exil in Kriens und Horw, sondern an der Neustadtstrasse 3 in Luzern und demzufolge ist auch das Schachmuseum mit seiner ganzen Sammlung nach Luzern gezogen. Die Ausstellung ist ab sofort täglich ab 13:30 bis 17:30 Uhr offen und täglich um 15:00 Uhr gibt es eine Führung.

Schach als Sport oder als Kultur? Das ist die Frage, die so viele interessiert. Museumsleiter Werner Rupp, seit 18 Jahren auch Präsident der Schachgesellschaft Luzern, nimmt dazu wie folgt Stellung: „Wenn wir mit Luzern einen Wettkampf wie am Sonntag gegen Solothurn austragen, ist das zweifellos Sport auf hohen Niveau. Da spielen zum Teil Profis aus ganz Europa mit und verdienen damit auch Geld für den Lebensunterhalt! Nimmt aber das Museum als Massstab, ist das zweifelsfrei Kunst und Kultur, wie jedes andere Museum auch! Wir zeigen über 350 Schachspiele aus aller Welt, aus Holz geschnitzt, aus Porzellan geformt, in Marmor gehauen oder aus Metall gefertigt. Zum Teil unbezahlbare Kunstwerke, aus Menschenhand erschaffen.“ – Ja, wer das Schachmuseum der Brüder Werner und Roland Rupp noch nicht gesehen hat, sollte sich diese Sammlung oder besser gesagt Ansammlung von Schachspielen, Computern und Briefmarken unbedingt ansehen, auch wenn man keine Spielkenntnisse hat. Durch die tägliche Führung um 15:00 Uhr erfährt man zahlreiches aus der „World of Chess“ und wie das Museum zu den einzelnen Spielen aus allen fünf Kontinenten gekommen ist. Museumsleiter Werner Rupp erzählt wunderbare Geschichten über Schachspieler, Ereignisse und Anekdoten rund um das Schachspiel.

Sammlung Viktor Kortschnoi
Viktor Kortschnoi ist der berühmteste Schachspieler, der 1976 als Asylant in die Schweiz einreiste und sich in Wohlen niederliess und den Schweizer Pass beantragte. 1982 spielte er erstmals für die Schweiz an der Schacholympiade, ausgerechnet in Luzern. Das damalige Aufeinandertreffen mit seinen ehemaligen russischen Teamkollegen erfreute nicht beide Seiten gleichermassen. Kortschnoi musste viele Jahre unter den Pressalien durch die Russen leiden und wurde zum Staatsfeind ausgerufen. Erst viele Jahre später durfte er wieder in Russland einreisen und seine Freunde und Verwandte besuchen. Für die Schweizer Schachszene war Viktor der Schreckliche, wie er von vielen genannt wurde, Sinnbild für die Entwicklung und Auferstehung des Schachsports. Werner Rupp organisierte mit Viktor Kortschnoi zahlreiche Simultanturniere im Shoppingcenter Emmen, im Zugerland, im Bahnhof Luzern oder bei andern Schachveranstaltungen. Auch den letzten Wettkampf seines Lebens spielte Kortschnoi im Schachmuseum gegen seinen Freund Mark Taimanov aus St. Petersburg, der Heimatstadt von Viktor. Als der Grossmeister 2016 in Wohlen verstarb, vermachten die Erben das ganze Schachmaterial inklusive Bücher, Uhren, Trophäen und sogar seine persönlichen Utensilien wie Uhr und Pässe dem Schachmuseum. Die Sammlung zeigt die Geschichte eines Grossmeisters unter dem Titel: Viktor Kortschnoi - Ein Leben für das Schach!


Das Phänomen Bobby Fischer
Im Vorjahr jährte sich der Todestag des vielleicht berühmtesten und besten Schachspielers aller Zeiten – dem Amerikaner Robert James Fischer zum zehnten Mal. Fischer wäre am 18. März 75 Jahre alt geworden. Das wiederum inspirierte das Schachmuseum eine Sonderausstellung auf die Beine zu stellen, die das Leben und Wirken von Bobby Fischer aufzeichnete. 1972 errang er in Reikjavik den Weltmeistertitel in einem spannenden Wettkampf gegen den Russen Boris Spassky. Aber nicht allein dieser Wettkampf, sondern der Vergleich der beiden Systeme – Die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten und Russland als sozial regiertes Land - hielt die Welt während gut drei Wochen in Atem. Was für die USA wie eine Erlösung war, bedeutete für die damalige UdSSR eine herbe Niederlage und Enttäuschung durch die eigenen Spieler. Das Schachmuseum präsentiert Fotos, Bilder und viele Bücher von und über Bobby Fischer zu seinem Jubiläum.

Schachspiele als Kunst
Kunst und Kulturinteressierte werden über die Vielfalt der Schachspiele aus verschiedenen Materialien staunen. „The Big Five“ aus Südafrika mit Nashorn, Löwe, Wasserbüffel, Elefant und Gepard als Spielfiguren, Chinesische, Indische, Ägyptische und Russische Schachspiele sowie zahlreiche Europäische Spiele wie Bauhaus Berlin, Porsche, Camel oder Coca Cola Schachspiel. Für die Kinder sind die Schachspiele mit Comixfiguren (Schlümpfe, South Park, Mickey Mouse, Simsons, Schneewittchern und vielen weiteren Figuren mit viel Spass verbunden. Die Schachspiele Hunde gegen Katzen, Bärchen Schach oder Zauberschach finden stets Anreiz zum Verweilen. Für die Geschichtsinteressierten sind die Spiele mit Napoleon, Südstaaten gegen Nordstaaten, Franzosen gegen Engländer, Indianer, Seeräuber, Kreuzritter und viele andere sehenswert. Zu den schönsten und wertvollsten Spielen gehören das jüdische Schachspiel und jenes von Swaroski sowie verschiedene Spiele aus Glas, Kristall und Gold. Wer Literatur liebt, ist im Schachmuseum am richtigen Ort. Nebst rund 12‘000 Schachbüchern in über 20 Sprachen gibt es auch Schachspiele wie die Nibelungen Sage oder ein Porzellanschach mit dem Motiv von Katarina die Grosse! Das Museum ist von Mittwoch bis Freitag von 13:30 bis 17:30 Uhr und am Samstag von 10:00 – 16:00 Uhr geöffnet. Führungen täglich um 15:00 Uhr, am Samstag um 14:30 Uhr. Auch für Gruppen, Schulen und Vereine zugänglich.

Schachmuseum, Neustadtstrasse 3, 6003 Luzern, Telefon 076 329 55 01.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.