Swiss- Indian Classroom (5): Von tiefschwarzem Himmel und grüner Lagune

Die schöne Aussicht aus dem Hausboot (Foto: Tommi Mendel)
Trivandrum - Freitag 05.01.2018 Der Himmel war tiefschwarz, die Luft kalt und wir auf dem Weg zu den Backwaters. Während der stundenlangen Busfahrt veränderte sich die Umgebung stark. Der Himmel wurde heller, die Luft wärmer und es wurde grüner und ländlicher. Doch davon bekam ich nur wenig mit, da ich den Schlaf nachholte, den ich in der Nacht nicht bekommen hatte. Es ist nämlich schwer, genügend zu schlafen, wenn man um 5 Uhr morgens bereits startklar an der Schule sein soll. Schliesslich wollte ich den Tag auf See geniessen und nicht verschlafen.
Zuerst jedoch erreichten wir eine Schule. Dies bedeutete, dass schon wieder, wie bereits einige Tage zuvor, eine riesige Willkommenszeremonie stattfand. Wiedermal war diese wunderschön, aber ich merkte, dass es einigen aus meiner Klasse langsam unangenehm wurde, jedes Mal so prunkvoll empfangen zu werden. Kurz darauf wurden wir schon das erste Mal verpflegt. Doch nicht mit einem normalen Frühstück, wie wir es uns gewohnt waren, sondern Fischcurry und Toast. Es schmeckte zwar ungewohnt, sättigte aber.
Gut genährt und wieder fit und munter durften wir durch einige Klassenzimmer spazieren und mit den Kindern agieren. Es wurde gequatscht, gelacht, gesungen und sogar getanzt. Wiedermal beeindruckte es mich, wie selbstbewusst sich die Inder inszenieren können. So zum Beispiel, als ich ein etwa zehnjähriges Mädchen fragte, ob sie nicht für mich tanzen wollte, und sie dann tatsächlich vor die Klasse stand und die Hüfte schwang – ganz ohne Musik. In diesem Moment merkte ich wieder einmal, wie versteift wir Schweizer doch eigentlich sind.
Gegen den Mittag gingen wir weiter. Nach einer gefühlten Ewigkeit im Car erreichten wir die Backwaters, ein verzweigtes Wasserstrassennetz. Dort empfing uns ein wunderschönes grosses Hausboot, welches nicht nur Schlaf- sondern sogar Duschmöglichkeiten besass, auf welchem wir die nächsten paar Stunden herumtuckerten. Während dieser Zeit assen wir gutschmeckendes, aber auch sehr scharfes Curry, spielten Spiele und Karten, sangen Lieder und lernten uns besser kennen. Und egal wohin wir schauten, sahen wir immer nur das dichte Grün der Pflanzen an den Ufern der Lagune und hie und da wieder Frauen, die ihre Wäsche im grünen Flusswasser wuschen.

** Diese Kolumne ist im Rahmen des interkulturellen Austauschprojektes «Swiss-Indian Classroom» entstanden. 19 Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Alpenquai Luzern (Ergänzungsfach Religionskunde und Ethik) besuchten im Januar 2018 im südindischen Bundesstaat Kerala die Partnerschule «Christ Nagar Englisch Higher Secondary School» in Trivandrum. Dort arbeiteten sie zusammen mit indischen Jugendlichen an einem gemeinsamen Projekt zur interkulturellen Kommunikation.

(Fotos von Tommi Mendel und Selma Eberle)
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