… wie frisch, wie heiter die Stimmen …

Wann? 22.06.2019 19:30 Uhr

Wo? Der MaiHof, Weggismattstrasse 9, 6004 Luzern CHauf Karte anzeigen
Luzerner Kantorei (Foto: Ingo Hoehn)
 
Luzerner Mädchenchor (Foto: Ingo Hoehn)
Luzern: Der MaiHof | Ein Jahr im Zeichen Béla Bartóks bei MusikWerk Luzern

Bartók erlebt auch im düsteren Vorkriegsjahr 1937 Glücksmomente, wie er an eine Basler Freundin berichtet:

« … Im Konzert habe ich einige Stücke aus dem Mikrokosmos gespielt. Aber nicht das war das Wichtigste in diesem Konzert, sondern die Kinderchöre. Es war eine grosse Sensation für mich als ich – während der Proben – meine kleinen Chöre von diesen Kinderscharen zum ersten Mal erklingen hörte. Ich werde den Eindruck nie vergessen:  wie frisch, wie heiter die Stimmen dieser Kleinen klangen.»


Ab 1920 entwickelt der Komponist eine radikale moderne Tonsprache, die interessanterweise in keinem Widerspruch zu seiner intensiven Volksliedforschung steht. Inzwischen hat er immens viel Material gesammelt, das er wissenschaftlich ordnen und analysieren will. Auch sein wachsender Ruhm im Ausland öffnet ihm neue Türen: Während seine Kompositionen in Ungarn wenig oder gar nicht gespielt werden, bekommt er im Ausland immer mehr Anerkennung. Er wird zu internationalen Kongressen nach Ägypten und Norwegen eingeladen, wo er es nicht versäumt, die Volksmusik der heimischen Bevölkerung zu studieren. In seiner Heimat wird jedoch die Situation immer unerträglicher. Es herrscht ein nationalistischer Geist; die Lieder der «feindlichen Nachbarn» zu schätzen und zu bearbeiten, wie es die bedeutendsten Musiker Ungarns, Bartók und Kodály tun, wird als unpatriotisch angesehen. Sie fallen bei der politischen Führung deswegen in Ungnade. Das Land wird zunehmend faschistisch-nationalistisch, die Regierung immer feindseliger gegen Künstler, die geistigen Widerstand leisten.

1937 organisiert die Kulturbewegung «Singende Jugend» einen Chorwettbewerb

, für den die Jugendchöre unter anderem auch Werke von Bartók und Kodály einstudieren. Bartók ist hocherfreut, besucht sogar die Proben in den verschiedenen Schulhäusern und spielt den Kindern aus seinen Werken vor.
Für seinen Freund und Mitstreiter in Sachen Volksmusik, Zoltán Kodály, hat die musikalische Erziehung der Jugend überhaupt oberste Priorität: Mit mehrstimmigen Gesangsübungen und Werken für Kinder- und Erwachsen-Chöre legt er in Ungarn den Grundstein für eine Gesangkultur, die in der ganzen Welt nachgeahmt wird: die Kodály-Methode.
Die Musikpädagogen des Chorwettbewerbs haben also mit ihrer Werkauswahl Fortschritt und Mut bewiesen. Sie mussten nachträglich aber Anfeindungen der Presse über sich ergehen lassen, solche Komponisten, wie Bartók und Kodály auf ihr Programm gesetzt zu haben!
Diese Kinderlieder werden heute überall auf der Welt in Originalsprache gesungen, wie in diesem Konzert von der hervorragenden Luzerner Kantorei. Seit 2000 unter der Leitung von Eberhard Rex haben die vereinten Chöre (Knabenkantorei und Mädchenchor) Höchstleistungen erbracht und sind am Lucerne Festival bereits mit berühmten Orchestern aufgetreten.

Die Chorwerke werden von Bartóks Streichquartett Nr. 4 und seinem Klavierzyklus «Im Freien» umrahmt.

Das Streichquartett Nr. 4 ist 1928 entstanden. «Fast entspannt im Ton, einfach in der Form und Satztechnik und unkompliziert im Ausdruck», schreibt Ludwig Finscher, der renommierte Musikwissenschaftler. Wir würden gern hinzufügen: schwindelerregend wegen seiner technischen Schwierigkeiten!
Der Zyklus «Im Freien» ist eine wunderbare Synthese von Bartóks Liebe zur Natur und seiner kräftigen, progressiven Tonsprache.
Die Sätze: I. Mit Trommeln und Pfeifen
II. Barcarolla
III. Musettes
IV. Klänge der Nacht
V. Hetzjagd

Nach dem Konzert wird es wieder einmal ein kurzes late night geben: Geniessen Sie zu einem Glas Wein Bartóks 2. Rhapsodie für Geige und Klavier!
Mitwirkende sind:
Das renommierte Quatuor Diotima aus Paris, die Luzerner Kantorei unter der Leitung von Eberhard Rex, Konzertmeisterin des Luzerner Sinfonieorchesters Lisa Schatzman, Violine und Credit Suisse Preis-Gewinner Andriy Dragan am Klavier.
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