Invasion der Tigerpython in den Everglades

Das Ökosystem der Everglades ist durch die Einfuhr von Tigerpythons aus Asien stark bedroht. (Foto: www.pixabay.com)

Florida ist der Sonnenschein-Staat Amerikas. Für einige Tiere des dortigen Everglades-Nationalpark ist die Sonne bereits untergegangen. Der Grund dafür ist die Tigerpython. Die Würgeschlange verbreitet sich rasant und ernährt sich sogar von Alligatoren. Gerade Waschbären, Opossums und Rotluchse leiden besonders unter der Invasion. Eine neue Studie belegt die verheerenden Konsequenzen für das Ökosystem.

Die Everglades sind ein tropisches Marschland im Süden des US-Bundesstaates Florida. Die dortigen Grasflüsse sind nur einige Zentimeter tief und von Auge kaum sichtbar, da sie mit Gras überwachsen sind. Ein gewisser Teil der Everglades gehört zum Everglades-Nationalpark, dieser ist geschützt und gehört zum UNESCO-Welterbe. Der Everglades-Nationalpark zählt jährlich mehr als eine Million Besucher und ist rund 6‘104 Quadratkilometer gross. Dies entspricht in etwa der Fläche des Kantons Bern. Ursprünglich waren die Feuchtgebiete rund fünf Mal grösser als der heutige Nationalpark.

Die Everglades sind nicht nur ein Sumpfgebiet. Auf den Anhöhen wachsen gelegentlich Sumpfzypressen, Gumbo-Limbo-Bäume, Königspalmen und Mahagonibäume. Auch die Fauna der Everglades hat einiges zu bieten. Im Nationalpark leben die einzigen wildlebenden Flamingos in den USA. Es bietet auch zahlreichen Vögeln und vielen Tierarten, darunter Waschbären, Alligatoren, Pumas und einigen Schildkrötenarten Schutz. Bereits seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wird ein Teil des Wassers der Everglades für die Trinkwassergewinnung der angrenzenden Städte oder die Landwirtschaft verwendet. Den Sumpfgebieten werden dadurch lebensnotwendige Grundlagen entzogen, die zur Einzigartigkeit des Ökosystems beitragen.

Invasion der Tigerpython bedroht Ökosystem

Die grösste Bedrohung für die Everglades ist hingegen die Tigerpython. Die Schlangenart ist eigentlich in Süd- sowie Südostasien beheimatet. Mittlerweile hat sich jedoch eine Population in Florida etabliert. Laut Schätzungen von Forschern leben mehr als 10‘000 Tigerpythons in den Everglades. Die Würgeschlagen sind entweder bei ihrem Halter ausgebüxt oder wurden ausgesetzt. Marcia McNutt, Leiterin der US-Behörde für Geologie (USGS), meint: „Die Pythons richten Amerikas schönstes und reichstes Ökosystem zugrunde.“ Dies bestätigt auch Kenneth Krysho, Forscher an der Universität Florida; „Nichts kann sie aufhalten, und die einheimische Tierwelt ist in großen Schwierigkeiten.“ Neulich wurde eine Riesenschlange gefangen, die mehr als fünf Meter lang war und dazu noch Nachwuchs erwartete. In ihrem Magen fanden die Forscher 87 Eier. Die Schlangen ernähren sich von Vögeln, Waschbären, Hirschen und sogar Alligatoren.

"Die Pythons richten Amerikas schönstes und reichstes Ökosystem zugrunde.“
Marcia McNutt, Leiterin der US-Behörde für Geologie (USGS).

Eine neue Studie belegt die verheerenden Konsequenzen der Einfuhr der Tigerpythons auf das Ökosystem. Ein Team um Robert A. McCleery von der Universität Florida hat 26 Marschkaninchen in den Everglades ausgesetzt und mittels GPS-Sensoren überwacht. 22 der ausgesetzten Kaninchen wurden getötet, rund drei Viertel davon wurden Opfer der Würgeschlange. Eine Tierzählung im Everglades-Nationalpark 2012 kam bereits damals auf beunruhigende Zahlen. Vergleicht man diese mit denjenigen der Mitte der 1990er-Jahre sind rund 99 Prozent der Waschbären und Opossums sowie 88 Prozent der Rotluchse verschwunden. Die Forscher halten es für unwahrschienlich, dass sich die Säugetiere wieder in den Everglades vermehren, solange die Tigerpython dort aktiv ist: „Denn Pythons sind fähig, in einer Umgebung zu bestehen, weil sie sich auf andere Beutetiere umstellen und lange Zeit ohne Nahrung auskommen können.“ Eine einmonatige Jagd auf die Tigerpython 2013 brachte nicht die erwünschte Wirkung. Es wurde nur eine geringe Anzahl an Schlangen getötet. Gordon Rodda von der US-Behörde für Geologie hält fest: „Es gibt kein Beispiel dafür, dass eine nicht einheimische Art wie der Tigerpython von Menschenhand ausgerottet werden konnte.“ Es ist sicher: Solange die Tigerpython keinen natürlichen Feind in den Everglades hat, vermehrt sie sich weiterhin und zerstört das einmalige Ökosystem. Die Everglades avancieren damit zu einem weiteren tragischen Beispiel dafür, wie ein einzelnes Neozoon die Biodiversität auch ausgedehnter Ökosysteme bedrohen kann.


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