Ist der August sehr heiss, bringt der Winter viel Schnee und Eis.

Mit etwas Glück bleibt uns noch ein schöner Altweibersommer. (Aussicht vom Haglere, oberhalb von Sörenberg) (Foto: Isabelle Vieli)

Heiss und lang, oder eher trüb und nass? Wie haben Sie den Sommer 2016 in Erinnerung?


Unser Gedächtnis ist geprägt durch unsere selektive Wahrnehmung. Hatte man Ferien während den heissesten Tagen und erfreut sich immer noch am braunen Schimmer der Haut, so scheint der Sommer dagewesen. Erinnert man sich an die Hagelschläge und Schneefalltage im Juli, könnte man denken, der Sommer hätte dieses Jahr pausiert. Wir schauen mit den meteorologischen Daten zurück: Ein Drama in drei Akten.

Juni – der schlechte Auftakt

Die ersten zwei Drittel des Auftaktes entsprachen einer Tragödie. Das Wasserschloss Schweiz machte seinem Namen alle Ehre: Häufiger und vor allem intensiver Regenfall führte zu grossen Überflutungen, unpassierbaren Strassen, Hangrutschungen, vollen Kellern und insgesamt für nasse Füsse in den Sommerschuhen. Lokal gab es bis zu 200 mm Regen. Die Tagesmitteltemperaturen lagen vom 16. bis 19. Juni in vielen Gebieten drei bis vier Grad unter dem Mittel der letzten zwanzig Jahre.
Im letzten Drittel des ersten Sommermonats, der benannt ist nach der römischen Göttin Juno, zeigte sich das Wetter gnädiger. Erste Sommertage mit Tageshöchsttemperaturen über 30°C beidseits der Alpen wurden gemessen.
Schweizweit gesehen lagen die durchschnittlichen Junitemperaturen trotz häufigem Regen 0.2 °C über der Norm von 1981-2010 (In Bern und Zürich lag das Monatsmittel dieses Jahr bei 16.4°C.). Die Sonnenscheindauer war aber deutlich geringer als in anderen Jahren.

Juli – durchzogenes bis gutes Schauspiel

Sommerlich warm startete der Juli. Durchbrochen von einer Kaltfront folgten aber kräftige Gewitter, Schauer und Hagel am 11. Juli. Eine feine Schneedecke bedeckte die östlichen Alpen bis auf 1600 m. Ab Mitte Juli folgte dann aber ein konstantes Hochdruckgebiet, welches lange Sonnenscheindauer und hohe Temperaturen mit sich brachte. Die durchschnittlichen Temperaturen lagen etwas über den Werten der Messperiode 1981-2010. Gemäss Meteo waren aber vor allem die lokal sehr unterschiedlichen Witterungen kennzeichnend für den Juli. Während das Mitteltessin markant weniger Niederschläge verzeichnete, sorgten heftige Gewitter im Südtessin für 40-80 % mehr Regen.

August – fulminanter Ausklang

Nach einem zaghaften und eher kühlen Start in den Monat steigerte sich der Handlungsverlauf ab dem ersten Augustdrittel. Zwischenzeitlich wurden diese Schönwetterperioden aber durch starke Gewitter gestört. Ab dem 22. August kletterten dann die Temperaturen auf Höchstwerte. Vielerorts wurden Höchsttemperaturen für den August verzeichnet. Über 10-30 % lag die Sonnenscheindauer im August über der Norm. Die Schweiz wurde Ende des Monats richtiggehend zur Sonnenstube. Unterdurchschnittliche Niederschläge sowie überdurchschnittliche Temperaturen führten zur Klimax in unserem Drei-Akter.

In gesamtheitlicher Kritik lässt sich sagen: Der Sommer 2016 gehörte zu den zehn wärmsten Sommer seit Messbeginn 1864. Auch die Sonnenscheindauer erreichte normale bis überdurchschnittliche Werte. Das mag den einen oder anderen überraschen – dies wird wohl unserer selektiven sowie lokalen Wahrnehmung geschuldet sein.

Auf der globalen Bühne

Ähnliches ist auch im globalen Kontext ersichtlich. Eine Studie der NASA zeigte, dass der Juli 2016 der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1880 war. Das gesamte Jahr 2016 hat gute Chancen zum wärmsten seit Messung aufzusteigen. Die Forscher sehen diesen globalen Trend der Erwärmung in Zusammenhang mit den ansteigenden Emissionen in der Erdatmosphäre.

Der Sommer geht, der Vorhang fällt.
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