Nachwuchs oder Sauerei? Was Bienen so tun, wenn sie es getan haben

Eine solche Biene war's nicht: Honigbiene auf blühender Pfefferminze.
Im Frühling des letzten Jahres war ich einmal auf dem Balkon. Ich hatte es mir im Liegestuhl gemütlich gemacht, als ein leises Summen an mein Ohr drang – eine Biene. Fleissig flog sie an allen Wänden und Ecken entlang, als ob sie etwas suchte. Die frisch eingetopften Blumen interessierten sie kein bisschen. Hie und da machte sie halt in einer Mauerritze. Und plötzlich war sie verschwunden – in der Kurbel unserer Sonnenstore. Ja, in diesem Ding mit dem man die Store hoch und runterdrehen kann. Nach einiger Zeit kam sie wieder raus und flog weg. Ich dachte mir nichts weiter und genoss die Sonne.

Zweckentfremdet

Einige Tage später bemerkte ich wie unten an der Kurbel etwas klebte. Es sah aus wie ein kleiner Kieselstein. Da fiel mir die Biene wieder ein. Hatte sie etwas damit zu tun? Eine kurze Recherche im Internet und Google spuckte die Antwort aus: Es gibt allein lebende Bienen – sogenannte Solitärbienen. Einige von ihnen suchen sich zur Eiablage kleine Löcher in Mauern. Offenbar war der untere Teil der Kurbel hohl und bot sich als Nest an. Je nach Bienenart schlüpfen die Jungen noch im Herbst oder erst im Frühling des darauffolgenden Jahres. Eine Sonnenkurbel als Nistplatz – das ist Upcycling der besonderen Art.

Hart und grau

Ich hatte nicht wirklich Ahnung von Bienen. Wie also die Art bestimmen? Schon bald machte ich eine Interessante Entdeckung: Anhand der Nestverschlüsse kann die Bienenart identifiziert werden. Unse Verschluss war steingrau, hart und porös. Voilà - die Biene war gefunden. Es handelt sich um eine Mauerbiene. Doch die Ernüchterung folgte sogleich. Diese Biene fliegt nur von April bis Juni. Die Zeit davor verbringt sie im Nest, in welchem sie sich entwickelt. Wenn wir die Larven also nicht zerstören wollten, durften wir die Kurbel nicht mehr bewegen.

Viele viele junge Bienen?

Seit einem Jahr hängt die Storenkurbel nun fix an ihrem Platz. Bald ist es soweit und die Bienen beissen die Versiegelung auf. So sollte es zumindest sein. Erst später fand ich heraus, dass sich ein luftdichtes Plastikrohr für solche Zwecke überhaupt nicht eignet. Die Bienen können im schlimmsten Fall verschimmeln - eine ziemliche Sauerei gäbe das. Nun gut, wir hoffen, dass es nicht soweit gekommen ist und dass sich die jungen Bienen schon bald über unsere Blumen hermachen.
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