Torfabbau und Moorschutz

Kein Lebensraum wurde in den letzten 150 Jahren in der Schweiz derart dezimiert oder als wertlose Restfläche gehandelt. Kein Lebensraum untersteht aber heute einem solch rigorosen Schutz wie die Moore.

Das Milieu im Hochmoor ist sauer. Im dauernd vernässten Boden herrscht Sauerstoffmangel, was dazu führt, dass sich totes Pflanzenmaterial nicht vollständig zersetzt, sondern in Form vonTorf abgelagert wird. Moore spielen für den Wasserhaushalt der Landschaft eine oft unterschätzte Rolle. Sie verzögern den Abfluss durch ihr enormes Speichervermögen und wirken so auch vorbeugend gegen Überschwemmungen. Moorlandschaften sind besonders bedrohte Lebensräume. Keine 10% der ursprünglichen Moore sind noch vorhanden. Mit ihrer Zerstörung geht auch der Lebensraum für viele hoch spezialisierte Arten verloren. Ihr Überleben als Teil der hiesigen Pflanzen- und Tierwelt hängt unmittelbar vom Erfolg des Moorschutzes ab; Moore leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität.

Eine nachhaltige Torfnutzung ist nicht möglich, denn die Torfschicht in einem intakten Moor wächst höchstens um Millimeter pro Jahr. Der Torfabbau zerstört innert Kürze, was über Jahrhunderte bis gar Jahrtausende hinweg gewachsen ist. Dabei werden Unmengen von Treibhausgasen freigesetzt. Deshalb ist Moorschutz nicht nur Naturschutz, sondern auch Klimaschutz. Trotzdem nimmt der Torfabbau weiter zu.

In der Schweiz ist der Abbau von Torf verboten, weil Moore seit der Annahme der Rothenthurm-Initiative im Jahr 1987 unter absolutem Schutz stehen. Doch damit sind sie noch nicht gerettet, denn die Qualität der geschützten Moore hat sich wesentlich verschlechtert. Sie sind im Allgemeinen trockener geworden, verbuschen und degradieren wegen einsickernder Dünger beispielsweise in Form von Stickoxideinträgen. Es fehlen ausreichend sichergestellte Pufferzonen, geeignete Regenerationsmassnahmen und Managementpläne für den Erhalt der Moore. Sollen sie langfristig und nachhaltig erhalten bleiben, müssen sie revitalisiert werden. Dort wo Gräben früherer Nutzungen noch vorhanden sind, wird dem Moor weiterhin Wasser entzogen.

Ausserdem werden jährlich rund 150‘000 Tonnen Torf aus dem Ausland importiert, die hauptsächlich im Gartenbau Verwendung finden. Dies führt zur paradoxen Situation, dass die Schweiz zwar ihre eigenen Moore schützt, gleichzeitig aber die Zerstörung der Moore im Ausland bewusst in Kauf nimmt. Mittlerweile werden auch ökologisch extrem wertvolle Moore in osteuropäischen Ländern entwässert. Dabei wäre das nicht einmal nötig: Es gibt heute eine Reihe von hochwertigen Alternativen, die auf Kompost, Humus und Holzfasern basieren.
Beim Kauf von Gartenerden ist es deshalb wichtig, darauf zu achten, dass diese frei von Torf sind.


1.
Intakte Moorgebiete leisten einen grossen Beitrag zur Landschaftsstabilität und damit zur Verminderung von Hochwassergefahren.“
Handbuch Moorschutz in der Schweiz, Beat von Wyl / Albert Böll


2.
Die Entwicklung der Moorqualität

Die Qualität der Hoch- und Flachmoore von nationaler Bedeutung hat sich während der Beobachtungsperiode verschlechtert.
Über ein Viertel der Moore ist deutlich trockener geworden.
In einem Viertel der Moore hat die Nährstoffversorgung deutlich zugenommen.
In fast einem Drittel der Moore wachsen deutlich mehr Gehölzpfl anzen.
In rund einem Fünftel der Moore hat der Humusgehalt des Bodens deutlich abgenommen.
Der Moorcharakter ist in 15 % aller Moore deutlich gesunken.

BAFU


3.
Moore bieten fünf wichtige Ökosystemdienstleistungen:

Lebensraum vieler spezialisierter Arten (Biodiversitätsschutz)
Wichtiger Langzeit-Kohlenstoffspeicher (in Form von Torf)
Speicher und Filter des Wasserhaushaltes (z.B. Hochwasserschutz)
Kühlende Wirkung auf lokales und regionales Klima
Funktion als Erholungs- und Erlebnisraum

Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät und Institut für Biologie an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät I

4.
In Mooren haben sich seit der letzten Eiszeit erhebliche Kohlenstoffvorräte angesammelt.
DGMT — Deutsche Gesellschaft für Moor- und Torfkunde e.V.


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