Ich lasse mich nicht betreffen…

Autor: Charles-Louis Joris, Visp (Foto: Charles-Louis Joris)

…aber misstrauisch bin ich trotzdem nicht.

Autor: Charles-Louis Joris, Visp/VS, Naturwissenschaftler
Aus WalliserBote vom 6.10.2015 mit Erlaubnis des Autors

Seit gut vier Wochen doktere ich an dieser Glosse rum; immer neu wurde sie durch die Aktualität obsolet, doch immer drängender und schwieriger ihre Fertigstellung.

Quasi über Nacht wurde Gesamt-Europa von der Menschenflut überrascht. Überrascht? Nein. Die von Rechtsaussen wider besseres Wissen pauschal als Lügenpresse diffamierten Medien hatten es schon lange angemahnt. Nur das an akuter Bindegewebeschwäche laborierende politische Europa, das sich zur Zeit, ganz Schäubleschwäbisch, in desolater kleinkrämerischer Miesepetrigkeit übt, wollte und will nichts wahrhaben. Man war ja halt auch bereits voll beschäftigt, um das dem Land der Griechen mit der Knete zu suchen; die eigentlich von Goethe zur Suche angemahnte Seele mag sich die olle Iphigenie auf der Krim erst mal von Putin ans wassersuchtge¬plagte Bein schmieren lassen.

Da schreckten Bilder und Filme plötzlich auf, ein Tsunami des Mitleids wogt durch Europa. Das schon lange lodernde syrische Elend sengte plötzlich Europas Grenzpfähle an; Schäuble wagte es dann doch nicht, die unbotmässigen Griechen öffentlich wegen allzu doller Grosszügigkeit gegenüber auf der Insel Kos gestrandeten Flüchtlingen abzumahnen. Und so kam es denn, dass das mit Zeigefingererektionen Ungarn abstrafende Westeuropa, allen voran Deutschland, alle Schleusen öffnete; und dem war gut so. Der Moment und die Offensichtlichkeit der Not zwangen dazu. Und erstaunlicherweise steckte der Regierenden Grosszügigkeit auch die grosse Mehrheit der Regierten mit an.

Bis anhin teilnahmslose Herren, deren Hauptanliegen sonst die Samstags sauber gewaschene Karosserie ist, brechen mitsamt ihren von Orangenhaut bedrohten Frauen in kollektives Mitleid aus, ein Virus der Empathie wogt durch Westeuropa - kartoffelsackweise werden Gummibärchen zu den Empfangszentren gekarrt; Tränen allenthalben - trotz trockenen Wetters führen Elbe, Oder und Rhein Hochwasser.

Auch die schnöde Schweizer Politik nimmt sich des Themas an; linksliberalerseits wird naiv eine bedingungslose Willkommenskultur als moralische Pflicht angemahnt und freut man sich über die künftige kulturelle Bereicherung, die da über uns her schwappen wird; stolz werden die Worthülsen der solidarischen, weltoffenen humanitären Schweiz bemüht; wer zu Umsicht mahnt, erntet böse Blicke.

Die geschockte heimatliche Rechte dagegen macht in Trotz, Lug und Dummheit – Harus brüllende Eidgenossen geflammte Fahnen schwingend; das Schreckgespenst des Islam und seiner gebärfreudigen Schleierschnepfen flammt an Heimatdörfchens Wänden auf. Die Scharia werde noch zu Lebzeiten Adolf Ogis das Kander- und andere Täler fest im Griff haben. Toni Brunner ruft, irgendwie blöd, zum kollektiven Widerstand der Aufrechten auf, während der im Vakuum rudernde Oskar Freysinger – ganz Literat, der er ist – im Eiltempo sich um die Modernisierung von Marcel Prousts französischem Monumentalwälzer »AUF DER SUCHE NACH DER VERLORENEN ZEIT« kümmert und diesem mit »À LA RECHERCHE DES PÉDALES PER-DUES« gleich auch noch einen leicht abgeänderten Titel verpasst. Demnächst wird er wohl das Verbot für Viertelmonde am Nachthimmel diskutiert haben wollen.

Dem Trubel folgt das Politchaos und allseits beharrt man auf falscher Position; Wahlprogramme und -plakate sind bereits gedruckt; ein Themenschwenk unmöglich, würde die Budgets sprengen. Idiotisch das hosenfüllende Gegacker der Rechten; naiv das betroffene Multikultigeflenne links. Gegen die Flüchtlingswelle darf und kann sich die Schweiz nicht abschotten: doch es wird einiges an Unruhe geben, denn es kommen nicht nur verzweifelt Hilfe suchende.

Ich lass mich nicht betreffen, denn mit ihnen reisen unerkannt auch schlimmste, verbrecherisch aufgelegte religiöse Fanatiker. Es gilt nun, diese so früh wie möglich zu erkennen; dazu könnten – endlich einmal von Nutzen – unsere Geheimdienste etwas beitragen. Es erheischt keiner Sitzungen, es braucht Stehungen! Vor allem erheischt es kühler Köpfe. Es braucht viele kleine zerstreute, gleichzeitig betreute und überwachte Aufnahmezentren. Es braucht angewandtes Not-standsrecht, eine Rayon- und Kontaktverbot für bekannte Salafisten wie Blancho, Illy und Co. Es braucht den Schutz der Geflohenen vor ihren mitgereisten religiösen Peinigern, den Schutz vor der Geisel Religion.

Joris Charles-Louis - scharlui@gmail.com
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