40. Weihnachtsturnier Zürich: Grossmeister sahnten ab – Kein Exploit für die Luzerner Teilnehmer

Oliver Kurmann spielte ein solides aber nicht überragendes Weihnachtsturnier in Zürich.
 
Giulio Borgo war bester "Innerschweizer" und würde gerne zum SK Luzern zurückkehren.
 
Vincent Riff zeigte eine starke Leistung und wäre noch weiter vorne klassiert, wenn ein Remis weniger auf seinem Turnierblatt gestanden hätte.
Rund ein Dutzend Schachspieler aus Luzern und Umgebung nahmen am Weihnachtsturnier im Hotel Crown Plaza in Zürich teil und versuchten im Teilnehmerfeld von über 300 Spielern auch mal einem Grossmeister ein Bein, beziehungsweise eine Falle zu stellen. Dies gelang aber leider keinem Spieler aus der Innerschweiz, weil ein wirklicher Exploit nötig wäre, um einen Titelträger zu schlagen. Ein Rückblick und eine Bilanz.

Beste Innerschweizer, wenn man in diesem Zusammenhang von Innerschweizer sprechen kann, waren die beiden Ex-Luzerner Titelträger IM Giulio Borgo (Como) und GM Vlastimil Hort (Köln). Dicht dahinter folgen Roger Moor (Zug) und Oliver Kurmann (Luzern) und der ebenfalls für Luzern spielende Vincent Riff (Mulhouse).
Über 30 Grossmeister und Internationale Meister sorgten für ein stimmungsvolles Weihnachtsturnier und zum Teil hochklassige Partien mit komplizierten Stellungen und raffinierten taktischen Finessen.

Der Italiener Borgo (Elo 2356) musste sich nur GM Christian Bauer in der dritten Runde geschlagen geben und holte neben drei Siegen auch noch drei Unentschieden gegen die drei Grossmeister Ante Brkic (Kroatien), Mihajlo Stojanovic (Serbien) und Vladimir Burmakin (Russland), was ihn auf Rang 20 (Startnummer 35) brachte. Er war mit dem Turnier zufrieden und erreichte mit 4,5 Punkten eine Performance von 2470 Elo, was ihm wiederum einige Elo eintragen wird.

Altmeister Vlastimil Hort (2423) spielte erstmals in Zürich und kam auf vier Punkte. Zwei Niederlagen gegen deutlich jüngere Grossmeister, drei Siege gegen mittelmässige Spieler und zwei Remis gegen GM Vitaly Kunin (Deutschland) und Constantin Florescu Codrut (Rumänien) brachten ihn auf Rang 32 (Startnummer 30). Auch er dürfte mit dem Turnierverlauf einigermassen zufrieden sein, wird er doch im Januar 73 Jahre alt.

Olivier Moor (2309) suchte nach der SMM seine Form und unterzog sich einem guten Test. Vier Siege (darunter gegen Roland Levrand und GM Ognjen Cvitan, Elo 2491) sowie drei Niederlagen gegen starke Titelträger aus dem Ausland lassen seine Bilanz positiv erscheinen. Rang 34 (als Nummer 41 gestartet) konnte er den Turnierverlauf und den Jahreswechsel ausgelassen und zufrieden feiern.

Oliver Kurmann (2467) hat sich vermutlich mehr versprochen vom 40. Weihnachtsturnier in Zürich. Vier Punkte, Rang 38 (Startrang 24) widerspiegelt eine zwiespältige Bilanz. Mit zwei Siegen gestartet, zeigte er Ambitionen, musste sich dann aber dem polnischen Grossmeister Mateusz Bartel (Elo 2641) geschlagen geben. Es folgten noch vier Unentschieden gegen Vilmos Balint (Ungarn), Constantin Florescu (Rumänien), Atanas Dimitrov (Griechenland) und Franz Guttenthaler (Deutschland), alles Spieler mit knapp unter 2300 Elo, die eigentlich geschlagen werden müssten. Die Performance von 2300 Elo sagt eigentlich alles! Ein halber Punkt mehr hätte ihn auf Rang 21 gebracht! Das müsste das Ziel von Oliver Kurmann sein, der den SK Luzern auch in diesem Jahr als Mannschaftsleiter in der NLA anführen wird.

Vincent Riff (2393) startete mit je einem Sieg und einem Remis in das Turnier. Die Gegner wiesen allerdings nur 2054 Elo auf. In der dritten Runde gab es auch für ihn eine Niederlage gegen den Tschechen Viktor Laznicka (Nummer 2, 2661). Mit drei weiteren Unentschieden und einem Sieg gegen Daniel Borner schloss er das Turnier mit 4 Punkten auf Rang 42 (Startrang 31) ab. Mehr Siege zum Auftakt bedeuten auch schwierigere und stärkere Gegner in der Folge. Vermutlich wäre auch bei ihm mehr dring gelegen!

Roman Deuber (2006) spielt 2017 wieder bei Luzern in der NLB, nachdem Zug in die 2.Liga abgestiegen ist. Rang 95 mit 2,5 Punkten und einer Performance von 2096 darf sich sehen lassen. Immerhin traf er auf sieben Gegner, die allesamt mehr Elo als er aufwiesen. Auch mit der Zeit hatte er keine Mühe, was trotz der verkürzten Spieldauer früher oft seine Schwäche gewesen war.

Daniel Portmann (2066) machte in Zürich keinen glücklichen Eindruck. Zwei erwartete Niederlagen zum Auftakt gegen deutlich stärkere Gegner (Noel Studer 2446 und Patrick Hugentobler (2004), folgte ein Sieg gegen Felix Schwab (1998) und ein schönes Remis mit Schwarz gegen Jonas Wyss (2277). Unnötig folgten dann gleich zwei Niederlagen gegen deutlich schwächere Spieler. Benito Rusconi (1910) und Vit Zemlicka (1997) lagen in Reichweite des Luzerner. In der Schlussrunde bezwang er immerhin Peter Bischoff (2009) und klassierte sich auf Rang 103 (Startnummer 83). Damit wird Daniel Portmann nicht ganz zufrieden sein. Wenigstens verlief der Silvesterlauf in Gersau erfolgreicher für den Hobbyläufer. Als Spieler in der NLB möchte Luzern keinesfalls verzichten.

Nysret Krasniqi (1974) spielte nach einer längeren Krankheit erstmals wieder ein Turnier, das zwar nicht nach seinem Gusto verlief und ihm fünf Niederlagen in sieben Runden eintrug. Immerhin gewann er gegen Lukas Meier (1934) und holte ein Remis gegen Tino Kornitzky (1941). Im Blitzturnier vom Mittwoch schnitt er dafür deutlich erfolgreicher ab, was ihm wieder Hoffnung für die nächsten Partien bei der Innerschweizer Gruppenmeisterschaft gibt. Bei Luzern freut man sich auf seinen Einsatz.

Toni Riedener (1992) aus Ennetbürgen hatte im starken Teilnehmerfeld einen schweren Stand. Vier Niederlagen stehen ein Sieg und zwei Remis gegenüber. Seine Gegner wiesen alle deutlich mehr Elo auf als der Spieler vom SK Tribschen. Trotzdem dürfte er nicht ganz unzufrieden sein, denn sein Startsieg gegen Fred Berend (Luxemburg, Elo 2344) war sein Highlight schon zum Auftakt. In Runde 2 traf er auf GM Laszlo Gonda (Ungarn, Elo 2484). Da hatte er sein Pulver aber bereits verschossen! Immerhin gab es noch zwei Remis gegen Anatoly Donchenko (Serbien, Elo 2312) und Christoph Drechsler (Elo 2222) von Nimzowitsch Zürich. Wäre Toni Riedener in der Schlussrunde gegen Hansueli Remensberger (2007) noch ein Sieg gelungen, wäre die Bilanz noch positiver ausgefallen!

Im allgemeinen Turnier schlugen sich die Innerschweizer ebenfalls gut. Simon Abächerli aus Sarnen (SK Luzern), wurde mit 5 Punkten guter 13. Die Niederlage in der Schlussrunde verhinderte möglicherweise sogar den Turniersieg. Hugo Ensmenger (Elo 1943, SK Tribschen) wurde mit 4,5 Punkten 35. (Startnummer 14). Zwei Niederlagen in Runde 3 und 4 warfen ihn weit zurück. Klaus Odermatt (Hergiswil) wurde ebenfalls mit 4,5 Punkten 40. (Startnummer 45!). Vier Siege, ein Remis und zwei Niederlagen stehen zu Buche. Ferner 102. Urs Scheidegger (Rothenburg), 113. Josef Balkovec (Ebikon),118. (Startnummer 68) Josef Lustenberger (Horw). 147. Siva Sivaji 2,5 Punkten.
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