Erfolgreicher Start für die Luzerner Schachspieler in die neue Meisterschaft

Ali Habibi und Oliver Kurmann trennten sich nach einem intensiven Spiel gütlich remis.
 
Roland Lötscher gilt als guter Mathematiker, konnte das Dauerschach der schwarzen Dame aber nicht abwenden und musste sich mit einem Remis begnügen
Die Schweizer Mannschaftsmeisterschaft (SMM) ist der älteste Wettbewerb des Schweizer Schachbundes, der seit 1951 ausgetragen wird und von einem Luzerner ins Leben gerufen wurde. Dr. Ruedi Hedinger (gestorben im Juni 2016) war der geistige Vater dieses Turniers und selber langjähriger Spieler der SG Luzern, welche zusammen mit Genève, Bern und Basel die erste Meisterschaft bestritten. Später trat Ruedi Hedinger als grosszügiger Sponsor der ersten Mannschaft von Luzern auf und der Titel, der im Vorjahr überraschenderweise nach Luzern gegangen ist, darf ruhig seinem Gönner gewidmet werden. Am Sonntag startete Luzern auswärts in Solothurn auswärts erfolgreich in die neue Meisterschaft und bezwingt den Aufsteiger klar mit 6:2. Zusammen mit Vizemeister Genf liegen die Luzerner bereits wieder an der Tabellenspitze.

Mannschaftsleiter Oliver Kurmann musste für diese erste Meisterschaftsrunde diverse Absagen entgegennehmen und praktisch mit dem letzten Aufgebot nach Solothurn zum Aufsteiger reisen. Trotzdem war die Favoritenrolle natürlich klar auf Seite der Luzerner, die als Meister und Titelverteidiger als Nummer 3 (letztes Jahr als Nummer 5) ins Rennen stiegen. Neben Krämer und Studer fehlten auch Jenni (hat im Januar überraschend seinen Rücktritt vom aktiven Schachsport erklärt) und Fabian Bänziger, der aus eigenem Wunsch auf einen Einsatz verzichtete. Umso wichtiger war für Oliver Kurmann, dass er in diesem wichtigen Match auf Grossmeister Robert Hübner zurückgreifen konnte und auch Zuzug Gabriel Gähwiler (von Winterthur zu Luzern gewechselt) seinen Einstand gab. Zudem kamen mit Enrique Almada und Aleksander Rusev zwei Spieler zum Einsatz, die jederzeit ihren Mann stellen und stetes ein gutes Resultat abrufen können, so auch in Solothurn, wo beide gewannen und so massgeblich zum Erfolg beisteuerten.

Brett 1: Robert Hübner (Elo 2605) konnte Sergey Ovseyevich (2601) jederzeit in Schach halten und mit Schwarz das angestrebte Remis in ausgeglichener Stellung schon nach 30 Zügen erreichen. Bereits vor drei Jahren trafen der deutsche und der Ukrainer aufeinander. Resultat: natürlich Remis nach 30 Zügen!

Brett 2: Valery Atlas (2465) tappte mit Weiss in eine Remisfalle mit ewigem Schach und musste kurz nach der Zeitkontrolle nach vier Stunden nach dem 42. Zug ins Remis gegen Lukas Muheim (2277) einwilligen. Weil an den hinteren Brettern alles nach Plan verlief, machte dieses Remis nichts aus!

Brett 3: Auch „Capitano“ Oliver Kurmann (2435) kam mit Schwarz gegen IM Ali Habibi (2250) nicht über ein Remis hinaus. Nach dem eher durchzogenen Turnier beim Young Masters in Bad Ragaz (9. mit nur zwei Punkten) war er mit dem Resultat zufrieden und konnte der Mannschaft auch so helfen.

Brett 4: Gabriel Gähwiler (2404) gab einen erfolgreichen Einstand und war trotz Nervosität seinem Gegner, der allerdings nicht seinen besten Tag erwischte, überlegen. Das 1:0 gegen Thomas Flückiger (2225) kam für den Luzerner schon nach 18 Zügen! Taktisch gab es in dieser Partie gar nichts zu bemängeln und der Sieg war in keiner Phase der Partie gefährdet und verdient.

Brett 5: Davide Arcuti (2347) setzte seine eindrückliche Serie (5½ aus 6) von letzter Saison fort und gewann auch am Sonntag mit Schwarz gegen Bruno Schwägli (2249) schon in 26 Zügen. Der erst 20-jährige Luzerner überzeugte einmal mehr in taktischer und positioneller Stellung und siegte mit seinem riskanten Spiel deutlich. Dem Luzerner Jus-Student (er absolviert das Studium in Bern) wird eine grosse Schachzukunft vorausgesagt. Den Weg dazu hat er schon mal eingeschlagen…

Brett 6: Roland Lötscher (2422) lag lange mit einem Bauern zurück, hatte aber im Endspiel gute Chancen, das Spiel zu gewinnen. Leider übersah auch er ein Dauerschach der schwarzen Dame und musste nach 46 Zügen gegen Sebastian Muheim (2185) ins Remis einwilligen. In der Analyse hatte der gebürtige Entlebucher den Gewinnweg schnell gefunden, traute sich aber am Brett nicht, diesen risikoreichen Weg einzuschlagen, weil die Zeit nicht reichte, alles auszurechnen.

Brett 7: Auf Aleksander Rusev (2337) ist jederzeit Verlass und er liess gegen Marcel Fischer (2116) nichts anbrennen. Seine taktischen und rechnerischen Fähigkeiten reichten aus, um den Solothurner schon nach 20 Zügen oder knapp drei Stunden Spielzeit zu besiegen. Auch Grossmeister Robert Hübner attestiert ihm ein grosses Schachverständnis am Brett und ist von seinen Leistungen überzeugt.

Brett 8: Enrique (2310) hat eigentlich schon 2017 seinen Rücktritt gegeben, musste aber im Meisterjahr 2018 zweimal einspringen und half auch in dieser ersten SMM-Runde im neuen Jahr aus. Ausgerechnet er musste am längsten spielen und konnte seinen Sieg gegen Samuel Krebs (2103) erst nach über sechs Stunden Spielzeit einfahren, als ihm am Königsflügel der Bauerdurchbruch gelang und den Solothurner zur Aufgabe zwang.

Nationalliga A (1. Runde): Solothurn - Luzern 2:6, Genève - Nyon 6:2, Réti - Riehen 2½ : 5½ , Zürich - Echallens 4½ : 3½ , Winterthur - Wollishofen 4:4. Rangliste: 1./2. Luzern und Genève 1/2 (6:2), 3. Riehen 1/2 (5½ ), 4. SG Zürich 1/2 (4½) , 5./6. Wollishofen und Winterthur 1/1 (4), 7. Echallens 1/0 (3½) 8. Réti 1/0 (2 ½), 9./10. Solothurn und Nyon 1/0 2).

Nächste Runde am 14. April: Luzern - Nyon, Réti - Solothurn, Wollishofen - Genève, Echallens - Riehen, Winterthur - SG Zürich.

Nationalliga B, 1. Runde: 24. März
: Luzern – Trubschachen und Tribschen – Court (beide Sonntag um 12:30 Uhr im Schachmuseum, Neustadtstrasse 3, 6003 Luzern)
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