SMM 2018: Luzern nach zwei Kantersiegen an der Schlussrunde in Lausanne zum zweiten Mal Schweizer Meister!

Das Meisterteam mit Capitano Oliver Kurmann nach der Pokalübergabe 2018. Links GM Robert Hübner, der schon 1991 beim ersten Luzerner Meistertitel dabei war.
 
Die Ausgeglichenheit der SG Luzern dokumentiert sich vor allem an den Brettern 4 bis 6, mit Elozahlen zwischen um 2420 und 2460.
 
GM Martin Krämer (rechts) und GM Noel Studer scheinen die Partien nicht sonderlich zu interessieren!
Mit zwei souveränen Siege gegen Echallens (7:1) und Réti Zürich (6½ : 1½) überholte Luzern die beiden Spitzenteams von Genève und Riehen und wurde als neuer Schweizer Meister gefeiert. Dies wurde möglich, weil Winterthur beide Spiele gegen Genève und Zürich verlor und Riehen seinerseits auch nicht über zwei Remis hinauskam. Mendrisio und St. Gallen heissen die beiden Absteiger.Im Schatten des NLA-Teams schaffte Luzern ll in der NLB Ostgruppe noch Rang 4 und das 1.Liga-Team schaffte den Ligaerhalt.

Die SG Luzern startet im März „nur“ als Nummer 5 der Startrangliste in die neue Meisterschaft und konnte mit GM Noel Studer und Davide Arcuti auf zwei neue Spieler setzen, die der Mannschaft viel Freude bereiteten. Schon vor der Sommerpause erarbeitete sich Luzern eine gute Ausganglage und lag nur knapp hinter den Spitzenteams zurück. Riehen wurde gar deutlich geschlagen, in der Folge erholte sich das Team vom Rheinknie jedoch und hatte bis am Ende noch Titelchancen. Mit den 4:4 gegen Zürich und Winterthur und demselben Resultat gegen Genf waren für Luzern die Titelchancen weiter intakt, allerdings brauchte es dazu die Mithilfe der übrigen Teams, den aus eigener Kraft konnte das Kurmann-Team den Coup nicht mehr schaffen. Mit dieser Ausgangslage reiste die Mannschaft à grand complet (aufgeboten waren die Nummer 1 bis 8) und allen voran mit GM Robert Hübner aus Köln, der bisher nur eine einzige Partie gespielt hatte, an die Schlussrunden ins Hotel AQUATIS*** nach Lausanne. Weil Luzern nur als Startnummer 5 ins Rennen gestartet war, bekam es in der Schlussrunde mit Echallens und Réti (Meister 2011, 2013 und 2014) auf dem Papier zwei relativ leichte Gegner auf Grund des Spielplans zugeteilt. Die Aufgaben wurden den auch bravourös „gemeistert“, wobei dies in zweierlei Hinsicht gemeint ist. Mit 7:1 wurde am Samstag Gastgeber Echallens vom Brett gefegt. An Brett 1 remisierte Robert Hübner mit Florin Georghiu (einst selber in den Top 20 der Weltrangliste) und an Brett 6 remisierte Roland Lötscher mit Ralph Buss, während alle übrigen Spieler ihre Gegner „matt“ setzten. Mit diesem Kantersieg setzte man gleichzeitig die beiden Spitzenteams von Genève und Riehen mächtig unter Druck. Zwar besiegten die Genfer Titelverteidiger Winterthur mit 5½: 2½ (es war die zweite Kanterniederlage für die Winterthurer nach dem 1:7 gegen Riehen in der Runde zuvor) und Riehen rettete sich in der letzten Partie zwischen Lucas Brunner (Zürich) und Georgiadis noch ins 4:4, sonst wären die Basler ebenfalls aus dem Titelrennen ausgeschieden. So lieferten die Partien und Ergebnisse beim gemeinsamen Nachtessen viel Gesprächs- und Diskussionsstoff.

Luzern souverän
Genf und Riehen spielten am Sonntag um den Meistertitel, wobei beide Teams ohne einen einzigen Schweizer, also je acht Ausländern, antraten. Deshalb lagen die Sympathien der übrigen Teams bei Luzern, das immerhin mit fünf Schweizern (Fabian Bänziger weilt noch an der Junioren WM, sonst wären es sogar sechs gewesen) und zwei Deutschen Grossmeistern antrat. Robert Hübner gehört seit 1978 dem SK Luzern an und war als einziger Spieler schon beim ersten Titelgewinn 1991 dabei. Um 11:00Uhr begann die Schlussrunde mit den fünf Begegnungen Riehen – Genève, Zürich – Winterthur, Luzern – Réti, Wollishofen – St. Gallen und Mendrisio vs. Echallens. Wollishofen fertige St. Gallen (das wegen der Junioren WM auf seine beiden Youngsters Giesinger und Fecker verzichten musste) mit 8:0 ab und sicherte sich verdientermassen den Ligaerhalt. Auch Echallens schaffte dies mit einem 4:4 gegen Mendrisio und schickte so die Tessiner in die NLB zurück. Luzern und Réti (immerhin mit den drei Grossmeistern Bogner, Stojanovic und Gallagher) lieferten sich einen ausgeglichenen Wettkampf bis kurz vor der Zeitkontrolle nach vier Stunden. An den Brettern 6 bis 8 gelangen Roland Lötscher gegen Christoph Schmid, Roger Gloor gegen Roland Levrand und Davide Arcuti gegen Matthias Gattner (der nur ein Remis zu einer IM Norm gebraucht hätte) schön herausgespielte Siege. Oliver Kurmann remisierte gegen GM Mihailo Stojanovic (der kürzlich am Europapokal mit Schwarz Peter Swidler geschlagen hatte) ebenso wie Valery Atlas an Brett 5 mit Michael Hoffmann. Damit hatte Luzern beim Zwischenstand nach fünf Partien und 4:1 Punkten das Minimalziel schon mal erreicht und mathematisch Rang 2 gesichert. Zum Meistertitel brauchte es jedoch bei einem allfälligen 4:4 von Genf gegen Riehen mindestens 5 Brettpunkte, um in der Zweitwertung besser dazustehen. Die beiden Deutschen Grossmeister Krämer (gegen Maier) und Hübner gegen die Schweizer Nummer 1, Sebastian Bogner, erledigten diese Aufgaben mit druckvollem Spiel und schönen Kombination ausgezeichnet und im Stile grosser Schachmeister. Mit dem 6:1 und dem abschliessenden Remis von Noel Studer gegen den mehrmaligen Schweizer Meister Joe Gallagher hatte Luzern seine Hausaufgaben erledigt und konnte nur abwarten, während die andern Begegnungen noch auf intensivem Niveau weiterliefen.

Hektische Schlussphase
Genf lag gegen Riehen mit 3:1 vorne, weil ein Basler – allerdings in verlorener Stellung - die Zeit überschritten hatte. Die Chancen auf den Meisertitel für die Innerschweizer sank zwischenzeitlich bedenklich. Doch plötzlich wendete sich das Blatt: zwei Genfer standen auf Verlust und eine weitere Partie stand nach ausgeglichenem Spiel deutlich auf Remis.
Kurz nach vier Uhr kam Patrice Delpin, Präsident und Coach von Genève CE zu Präsident Werner Rupp und gratulierte zum Meistertitel, obwohl noch drei Partien im Gang waren.
Die weise Voraussicht trat ein: Ragger und Turdyev gewannen für Riehen ihre Partien und Brendel hielt das Remis gegen Sokolov mit je fünf Bauern und ungleichfarbigen Läufern. Das 4:4 wurde Tatsache und Luzern mit 1½ Einzelpunkten Vorsprung 27 Jahre nach dem letzten Titel neuer Schweizer Meister. Der Sieg von Zürich gegen Winterthur (am Spitzenbrett duellierten sich Bauer und Harikrishna noch beinahe eine ganze Stunde) wurde fast zur Nebensache, den die drei ersten Plätze waren zu diesem Zeitpunkt schon vergeben. Capitano Oliver Kurmann konnte nicht nur die Gratulationen seiner Teamkameraden entgegennehmen, sondern auch Glückwünsche zahlreicher Schachspieler aus der ganzen Schweiz. Kurmann hat in jeder Situation Ruhe bewahrt, sein Teams ausgezeichnet aufgestellt und taktisch zusammen mit Noel Studer, der zweifellos eine echte Bereicherung für die SG Luzern war, eingestellt. Der Titel aber war ein Gemeinschaftswerk des gesamten Teams ohne Schwachpunkte und ein richtiges Teamwork. Darum war die Freude über diesen doch eher überraschenden Titelgewinn doppelt so hoch! Chapeau an alle Beteiligten, die zu diesem tollen Titelgewinn beigetragen haben. Werner Rupp

Das Meisterteam: 1 GM Robert Hübner (Köln, 2600), 2 GM Martin Krämer (Berlin, 2545), 3 GM Noel Studer (Bern, 2500), 4 IM Oliver Kurmann (Luzern, 2465), 5 IM Valery Atlas (Vaduz, 2460), 6 IM Roland Lötscher (Werthenstein, 2425), 7 Georg Fröwis (Vaduz, 2415), 8 FM Davide Arcuti (Luzern, 2356), 9 FM Vincent Riff (Mulhouse, 2349), 10 IM Fabian Bänziger (Pfäffikon, 2345), 11 FM Roger Gloor (Aarau,2345), 12 WFM Lena Georgescu (Bern, 2215). IM Beat Züger (Siebnen, 2377), konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht eingesetzt werden. Züger bestritt seit 1988 247 Partien für Luzern und ist damit der dienstälteste NLA-Spieler der SG Luzern.
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