Wenn sich Fussballer und Schachspieler in Zürich treffen

Mannschaftsleiter Oliver Kurmann (links) besiegte GM Andreas Heimann und sorgte für einen wichtigen Punkt. Daneben GM Martin Krämer, der gegen Artur Jussupow remisierte.
 
Roland Lötscher (links) unterlag Cvitan, während Georg Fröwis (rechts) GM Hickl in Schach hielt.
 
Vincent Riff (hinten links) remisierte zweimal, IM Valery Atlas holte zwei Siege in den Schlussrunden gegen Winterthur und Riehen und rettete Luzern fast im Alleingang.
Die Schachgesellschaft Luzern bestritt im Hotel Mövenpick in Regendorf die beiden Schlussrunden in der NLA-Meisterschaft (SMM). Am Samstag gab es eine knappe Niederlage gegen den späteren Meister Winterthur und am Sonntag bewerkstelligte das Team von Oliver Kurmann mit einem Sieg gegen Riehen nach einer eher durchzogenen Saison den Ligaerhalt. Dabei traf die Mannschaft auf den FC Luzern mit Trainer Markus Babel, der sich im gleichen Hotel auf das schwere Auswärtsspiel gegen GC vorbereitete. So konnte man sich gegenseitig viel Glück wünschen und beide Teams blieben ungeschlagen. Taktik und Rasenschach haben doch einiges gemeinsam. 

Luzern musste in der vorletzten Runde gegen Winterthur antreten und brauchte für den Ligaerhalt mindestens einen Punkt aus den beiden Partien gegen die Zürcher und zum Abschluss gegen Riehen. Gegen Winterthur zeigte die Mannschaft wie schon bei der knappen Niederlage gegen Zürich in Runde 7 eine ausgezeichnete Leistung und unterlag wiederum mit den knappsten aller Ergebnisse. Ein schwacher Trost, denn gegen den Meisterschaftsfavoriten lag deutlich mehr drin. An den ersten drei Brettern hielt man die Gegner in Schach und remisierte und an Brett 4 gelang IM Valery Atlas sogar ein Sieg gegen IM Richard Forster. Fröwis hielt die Partie gegen Ballmann und Rusev gegen Hasenohr ausgeglichen. Jetzt mussten die beiden Partien Jenni (Elo 2441) gegen Gloor (2375) und Bänziger (2326) gegen Kaczmarcyk (2410) entscheiden. Die beiden Luzerner hatten gegen die klar besseren Winterthur keine Chance und verloren ihre Partien, wobei in der Analyse der PC eine Plus-3-Stellung von Gloor gegen Jenni zeigte. Eine kleine Unachtsamkeit liess den Vorteil aber schnell wieder verschwinden. Nach drei Niederlagen in Serie drohte der SG Luzern nach 29 Jahren NLA-Zugehörigkeit der Abstieg in die NLB.

Leistungssteigerung
Mannschaftsleiter Oliver Kurmann stellte sein Team in der Schlussrunde gegen das favorisierte Riehen hervorragend ein und appellierte an den Kampfgeist. Die Taktik ging auf.
Kurmann (Elo 2490) selber überspielte Grossmeister Andreas Heimann (2560) und holte den wichtigen ersten Punkt. Nur wenig später doppelte Fabian Bänziger gegen Christian Flückiger nach und Luzern lag 2:0 in Führung. Der jüngste im Team kehrte er kurz davor von der Junioren WM in Uruguay zurück, wo er den zwölften Schlussrang in seiner Kategorie erzielte. Nach Unentschieden von Krämer gegen Jussupow, Riff gegen Georgiadis und Fröwis gegen Hickl schien der Sieg in Reichweite. Aber plötzlich kam nochmals Spannung auf. Roland Lötscher unterlag GM Cvitan, Gloor stellte die Partie gegen Brunner ein und so musste die Partie Altas gegen Schmidt-Schäffer entscheiden. Mit einem Punkt wäre Luzern gerettet! Atlas geriet immer mehr in Zeitnot, fand aber den Erfolgspfad mit einem Turmopfer und stellte seinen Gegner "matt". Luzern gewann mit 4.5:3.5 und sicherte sich den Ligaerhalt. Schützenhilfe erhielt Luzern zudem von CE Genève, das Bodan deutlich besiegte und Luzern hörbar aufschnaufen liess. Dass es überhaupt soweit kommen konnte ist dem Umstand geschuldet, dass Luzern gegen die beiden Absteiger Neuchâtel und Bodan verlor und die Punkte bei andern Teams gewinnen musste. So weit wollen es die Spieler in der kommenden Saison nicht mehr kommen lassen!  

Rettung für Luzern ll
Luzern ll hielt sich auch in der fünften Saison seit dem Aufstieg in der zweitobersten Spielklasse. Gegen Aufstiegskandidat und Meisterschaftszweiten Baden gab es einen deutlichen 5:3-Heimsieg. Kovac, Rüetschi, Kaufmann und Graf sicherten sich den ganzen Punkt, während Deuber und Portmann mit einem Remis den Sieg sicherstellten. Damit war Luzern ll vor der Schlussrunde gegen Olten gerettet und belegte nach der 2,5.5.5-Niederlage in Olten den fünften Schlussrang. Glück hatte der SK Tribschen. Dank seinem unerwarteten Auswärtssieg in Runde 7 gegen Winterthur sicherte sich der zweite Luzern Klub ebenfalls den Ligaerhalt, obwohl Tribschen beide Begegnungen gegen St. Gallen (Aufsteiger in die NLA) und Baden verlor. Die SMM 2017 geht dem Ende entgegen und Luzern 3 (2. Liga) könnte mit einem Sieg im Aufstiegsspiel gegen UBS Zürich (Samstag, 28. Oktober, 14:00 Uhr) noch die Krone aufsetzen.  Werner Rupp

Nationalliga A, (8. Runde): Winterthur - Luzern 4½:3½ (Jussupow - Krämer ½:½, Georgiadis - Kurmann ½:½, Gähwiler - Lötscher ½:½, Forster - V. Atlas 0:1, Ballmann - Fröwis ½:½, Jenni - Gloor 1:0, Kaczmarczyk - Bänziger 1:0, Hasenohr - Rusev ½:½). Riehen - Zürich 1½:6½, Mendrisio - Genf 4½:3½, Bodan Kreuzlingen - Réti Zürich 3½:4½, Wollishofen - Neuenburg 5:3

Nationalliga A, (9. Runde): Luzern - Riehen 4½:3½ (Krämer - Renet ½:½, Kurmann - Heimann 1:0, Fröwis - Hickl ½:½, Lötscher - Cvitan 0:1, V. Atlas - Schmidt-Schäffer 1:0, Riff - Georgiadis ½:½, Bänziger - Flückiger 1:0, Gloor - Brunner 0:1). Zürich - Winterthur 4:4 (Pelletier - Jussupow ½:½, Bauer - Georgiadis ½:½, Kosteniuk - Gähwiler ½:½, Hug - Forster 0:1, Brunner - Ballmann 1:0, Vogt - Jenni ½:½, Grünenwald - Kaczmarczyk ½:½, Mutschnik - Hasenohr ½:½). Genf - Bodan 5½:2½, Réti - Wollishofen 2:6, Neuenburg - Mendrisio 2½:5½.

NLA-Schlussrangliste: 1. Winterthur 9/15 (49). 2. Zürich 9/15 (47½). 3. Genf 9/14 (43). 4. Riehen 9/9 (38). 5. Réti9/ 9 (34). 6. Wollishofen9/ 9 (33½). 7. Mendrisio9/ 7 (29½). 8. Luzern 9/6 (34). 9. Bodan 9/4 (28). 10. Neuenburg 9/2 (23½).

Einzelbilanz: IM Valery Atlas 5½/9, IM Roland Lötscher 3/9, FM Fabian Bänziger 3/8, IM Oliver Kurmann 4½/7, FM Roger Gloor 2/7, GM Martin Krämer 3/6, GM Robert Hübner 4/5, IM Georg Fröwis 2½/4, FM Vincent Riff 2/4, IM Beat Züger 1½/4, FM Aleksandar Rusev 1½/3, FM Gernod Beckhuis ½/2, Pirmin Lötscher ½/1, Lubomir Kovac ½/1, FM Dmitry Atlas 0/1.

Nationalliga B, Ostgruppe (8. Runde):
Luzern II - Baden 5:3 (Kovac - Klundt 1:0, Bodrozic - Snuverink 0:1, Kaufmann - Düssel 1:0, Rüetschi - Eschholz 1:0, P. Lötscher - Bouclainville 0:1, Deuber - Rodic ½:½, Portmann - Suter ½:½, Graf 1:0 f.). Tribschen - St. Gallen 3:5 (Schild - Steiger ½:½, Arcuti - Leutwyler 1:0, Räber - M. Novkovic 0:1, Cremer - Thaler 1:0, Gabersek - Akermann 0:1, Hoffmann - J. Novkovic 0:1, Bellmann - Klings ½:½, Neubert - N. Fecker 0:1). Winterthur II - Schwarz-Weiss Bern 4:4, Solothurn - Zürich II 3:5, Wettswil - Olten 4½:3½.

Nationalliga B, Ost, (9. Runde): Baden - Tribschen 4½:3½ (Klundt - Räber 1:0, Snuverink - Arcuti ½:½, Düssel - Cremer ½:½, Eschholz - Gabersek ½:½, Bouclainville - Fischer ½:½, Rodic - Hoffmann 0:1, Saurer - Riedener ½:½, Z’Berg - Neubert 1:0).
Olten - Luzern II 5½:2½ (B. Kamber - Kovac 1:0, R. Angst - Rüetschi 0:1, Holzhauer - Kaufmann 1:0, Kupper - D. Atlas ½:½, Hohler - P. Lötscher 1:0, Senn - Graf 1:0, O. Angst - Portmann 1:0, Monnerat - Deuber 0:1). St. Gallen - Wettswil 4½:3½, Zürich II - Winterthur II 4:4 Schwarz-Weiss - Solothurn 3:5

Schlussrangliste: 1. St. Gallen 9/16 (43). 2. Zürich II 9/12 (42). 3. Winterthur II 9/12 (39). 4. Baden 9/12 (38½). 5. Luzern II 9/7 (32). 6. Solothurn 9/6 (37). 7. Tribschen 9/6 (34). 8. Wettswil 9/6 (33½). 9. Olten 6 (31½). 10. Schwarz-Weiss 5 (29½).
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