R.I.P. Ringier Print Adligenswil AG

Der Grund für diese Zeilen ist ein trauriger. Gestern wurde durch die Medien bekannt, dass Ringier Print Adligenswil, mein ehemaliger Arbeitgeber, Ende 2018 seine Produktion einstellen wird. Diese Hiobsbotschaft hat nicht nur mich, sondern viele Ehemalige emotional stark bewegt. Grund genug ein paar Zeilen darüber zu schreiben.

Wie immer bei solchen Schliessungsentscheiden ist es müssig darüber zu spekulieren was für Gründe dazu geführt haben. Ob wirtschaftliche Notwendigkeiten, Preispolitik oder veränderte Rahmenbedingungen dafür verantwortlich gemacht werden: Who cares!

Zurück bleiben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ehemalige Weggefährten, deren Alltag sich nun drastisch verändert und urplötzlich eine vollkommen andere Richtung einschlagen wird, einschlagen muss. Emotionen, Zukunftsängste oder finanzielle Sorgen nagen am Gemüt. Der Alltag, das liebgewonnene und gewohnte Zusammengehörigkeitsgefühl, die Konformität des Gewohnten, brechen auseinander.

Individualität ist das Gegenteil von Konformität. Genau diese Individualität wird nun herausgefordert. Ob Mann oder Frau, plötzlich steht da jede und jeder Einzelne ganz alleine draussen im Sturm der Veränderung. Schön zwar, wenn da noch Unterstützung oder Anteilnahme vorhanden ist – sei es durch Partner, Angehörige oder gute Freunde. Aber das Annehmen und Durchleben der Veränderung ist und bleibt eine höchst individuelle Geschichte.

So hart und unangenehm eine Veränderungssituation erscheinen mag und das Leben beeinflussen wird, enden wird es hier ganz bestimmt nicht, das Leben. Die Welt wird nicht untergehen, im Gegenteil; nur durch Veränderung kann Neues keimen und wachsen, können neue Chancen und Möglichkeiten entstehen. Das ist das Urgesetz der Natur, so funktioniert Leben.

Konformität ist der Tod jeder Weiterentwicklung. Klammer auf: Notabene auch eine grosse Gefahr vieler prozessorientierter Produktionsbetriebe, nicht zuletzt auch in der arg gebeutelten Druckindustrie. Normvorgaben garantieren zwar eine hohe Produktionseffizienz, lähmen aber nicht selten den Veränderungswillen der Belegschaft. Zwar stehen da gut geölte Maschinerien und normierte Organisationsprozesse, aber es bleibt wenig Platz und Spielraum für Individualität oder eigene Gestaltungs-und Veränderungsmöglichkeiten. Ein idealer Nährboden für eine lahme und antriebslose Betriebskultur. Die Atmosphäre des immer Gleichen, monotonen und konformen Verhaltens beeinflusst nicht nur das Denken, sondern bremst auch das Handeln und die Kreativität. Klammer zu!

Menschen wie Organisationen entwickeln und verändern sich nur dann, wenn die persönliche Note berücksichtigt und eingesetzt werden kann. Ob Mensch oder Firma: Wer «seine Marke» nicht authentisch lebt, oder leben kann, wird austauschbar und verliert seine Individualität. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Mann und Frau «seine Marke» auch tatsächlich kennt.

Wer die Chance einer Veränderung bewusst und zuversichtlich angeht wird im Nachgang feststellen dürfen, dass dies das Beste war was passieren konnte, auch wenn sich das jeweils am Beginn einer Veränderung anders anfühlen mag.

Botschaft an alle Betroffenen und ehemaligen Weggefährten:
Meine Lieben, Veränderungen sind kein Weltuntergang, es sind Chancen zum Wachsen, nutzt sie! Ihr wurdet nicht geboren um zu arbeiten, sondern um zu leben. Die Arbeit ist ein wichtiger Mosaikstein im Leben, nicht mehr und nicht weniger. Sie verdient es mit Freude, und der ganz eigenen Note ausgeführt zu werden. Sucht danach. Und noch was zum Vorgehen: Kleine Schritte sind besser als keine Schritte. Auf geht’s!
www.peterkorner.ch
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.