Scheitern ist im Karriere-Drehbuch nicht vorgesehen

Viele Dinge, die von Amerika irgendwann auch in europäische Hemisphären herüberschwappen, tragen nicht immer zu einer positiven Weiterentwicklung der hiesigen Gesellschaft bei. Was ich jedoch als sehr fortschrittlich erachte, ist der amerikanische Umgang mit Scheitern im wirtschaftlichen Umfeld. In den USA gehört Scheitern als Teil des Karrieredrehbuches ganz natürlich dazu, während dies in europäischen Breitengraden eher als Fremdkörper betrachtet wird. Dabei lernt ein Mensch doch vor allem aus Fehlern und Niederlagen.

Wie Höhen gehören auch Tiefen ganz automatisch zum Leben dazu. Ein pragmatischerer Umgang mit wirtschaftlichem Erfolg wäre durchaus wünschenswert. In einem Unternehmen ist es wie im Teamsport, kein Mitglied gewinnt oder verliert alleine. Es ist letztlich die Leistung aller – unabhängig von ihrer Hierarchiestufe - die entweder zum Sieg und/oder zur Niederlage führt. Ein Topmanager ist nicht alleine erfolgreich, er scheitert aber auch nicht alleine.

Auch Manager bleiben Menschen und werden in der Niederlage oft allein gelassen. All die Schulterklopfer aus den guten Zeiten wie vom Erdboden verschluckt. Bleibt eventuell noch die Familie, sofern diese durch die permanente Unterordnung hinter der Arbeit überhaupt noch existiert. Plötzlich allein und als Versager gebrandmarkt. Dies trotz überdurchschnittlichem Engagement. Von 150 quasi auf 0 und dies innerhalb von wenigen Minuten. Und dann? Dann kann es sein, dass Menschen den Freitod wählen. Wie dies in letzter Zeit in der Schweiz einige Topmanager getan haben.

Manager bleiben Menschen, die auch scheitern können. Gerade dann wäre es wichtig, auf den Rückhalt von anderen Menschen zu zählen. Doch oft fehlen diese Menschen in der Agenda eines Topmanagers, schliesslich steht die Arbeit an erster, zweiter und dritter Stelle. Der Teufelskreis beginnt zu drehen. In einer Kultur, in der das wirtschaftliche Scheitern als ein normaler Teil anerkannt wird und entsprechend akzeptiert ist, dürfte die Landung weniger hart ausfallen wie beispielsweise aktuell in der Schweiz.
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Meri Nee aus Binningen | 26.01.2017 | 15:03  
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