Ballet du Grand Théâtre de Genève Vertige Romantique, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

  «Vertige romantique» zu Deutsch «Romantischer Taumel» ist der Titel der neusten Ballettproduktion des Genfer Theaters. Zum Saisonende hat sich die Opéra des Nations etwas Spezielles ausgedacht: Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles werden live begleitet. Im ersten Teil vom Pianisten Sergey Koudriakov und der Mezzo-Sopranistin Irina Shishkova, sie interpretieren Werke von Robert Schuman und Piotr Iljitsch Tschaikowski. Im zweiten Teil vom selben Pianisten, der Violonistin Claire Dassesse und dem Cellisten François Guye. Sie spielen das Trio für Klavier und Streicher Nr. 2 Opus 100 von Franz Schubert.


Faszinierende Tanzsprache

«Fallen», das erste Stück, stammt vom amerikanischen Choreografen Andrew Skeels. Eingestimmt wird das Publikum mit der «Träumerei» aus den Kinderszenen von Robert Schumann. Dann öffnet sich der Vorhang auf eine Bühne mit schattenhaften Bäumen und einem Tänzerensemble ganz in Schwarz. Alle tragen das exakt gleiche Kostüm und verschmelzen so ab und an mit dem Bühnenbild. Dann liegt der Akzent auf den Händen und den Gesichtern, was die spezielle Tanzsprache von Skeels noch unterstreicht. Über das ganze Stück spielt er mit Wellenbewegungen. Mal beginnen diese am Ende einer Reihe, mal mitten in der Gruppe, mal in einem Kreis. Mal sind es nur die Hände, mal die Köpfe die sich bewegen, mal Arme, Beine, ganze Körper. Die Tänzer winden sich, verschlingen sich ineinander, voneinander weg, dies in einer unglaublichen Präzision und mit viel Eleganz und Anmut. Ab und zu schält sich eine Tänzerin, ein Tänzer für ein Solo oder einen Pas-de-Deux aus dieser wogenden Menge.

Die Bewegungen erinnern mal ans Kinderspiel «Schere, Stein, Papier», mal an Tasten eines Klaviers, mal an die Hämmer im Innern des Flügels, wenn sie bei einem rasanten Lauf kurz aufschnellen um gleich wieder zurückzufallen. Die Klaviersolis unterstreichen diesen Eindruck, die perlenden Töne werden aufgenommen und in Bewegung übertragen, eine tiefe, fliessende Eleganz, melancholisch, dunkel, faszinierend. Am Ende fallen sich Tänzerinnen und Tänzer einer nach dem anderen in die Arme und gleichzeitig aus dem Stück heraus.


Der König ist not amused

Ganz anders «Return to Nothingness» der slowakischen Choreografin Natalie Horecna. Hier wird die Geschichte eines Königs erzählt, der sich über nichts mehr freuen kann, über nichts mehr lacht. Nicht mal über seinen Diener in kurzen Hosen, Frack und roten Turnschuhen, auch nicht über die Kapriolen der drei Herren in Anzügen oder der Damen in hübschen Deux-Pièces. Der König ist «not amused». Erst als fünf weiss gekleidete junge Mädchen erscheinen, wendet sich das Blatt. Der König zeigt Interesse an einer von ihnen, verliebt sich, lebt wieder. Während die Geschichte anfänglich klar erkennbar ist, entgleitet sie einen später etwas. Man fragt sich, was es mit dem Titel auf sich hat und bleibt etwas ratlos. Ob es die Erzählweise ist, oder ob das das wunderschön interpretierte Trio Schuberts zu fest ablenkt? Tatsache ist, dass die Emotionen, die durchaus aufkamen im ersten Stück, im zweiten etwas auf der Strecke bleiben.


Hochrangiges Tänzerensemble und exzellente Musiker

An den Tänzerinnen und Tänzern kann es nicht liegen, sie zeigen Höchstleistungen. Mit Live-Musik zu tanzen bedingt unglaubliche Konzentration und Einfühlvermögen. Dasselbe gilt für die Musiker, die sich genauso einfühlen und die richtige Dosierung finden müssen zwischen Begleitung und konzertanter Aufführung.

Für mich war es eine erste, spannende Kontaktaufnahme mit dem Genfer Ballett, welche Lust und neugierig auf mehr gemacht hat.

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Gabriela Bucher - Liechti
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