Bitterböse Beats und röhrende Gitarren

Reverend Beat-Man, König des urtümlichen und rohen Rock’n’Roll, einer der Headliners am «One Burning Man»-Festival in Schötz. Foto: PD
 
Seine Markenzeichen sind Gitarren aus Zigarrenkisten, ein Schlagzeug aus Kanistern und die feuerspuckende Kaffeemaschine: Cello Inferno aus Luzern. Foto: PD
Schötz: Zivilschutzareal |

Laut, heiss, dreckig und düster: So gehts am 26. August auf dem ehemaligen Schötzer Zivilschutzareal zu und her. Träff Schötz bietet mit «One Burning Man» ein (Kunst-)Werk, das nicht nur musikalisch knistert und knackt. Jetzt geben die Veranstalter erste Programm-Eckpunkte des Festivals bekannt.

Auf einer Industriebrache, wo früher in Bunkern der atomare Ernstfall geprobt wurde, wird der Weg frei für ein einzigartiges Happening: Am Samstag, 26. August, holt der Kulturverein Träff Schötz das Burning-Man-Festival aus der Wüste Nevadas ins Hinterland: Bei «One Burning Man» stampfen Musikliebhaber auf dem einstigen Zivilschutzareal zu ungefilterter, roher Rockmusik und deftigen Elektro-Beats.


Reverend Beat-Man on board

Zu den One-Man-Band-Musikern vor Ort gehört Reverend Beat-Man. Der Berner ist der König des urtümlichen und rohen Rock’n’Roll, ein Meister des Schwarzen Humors und das Gesicht hinter dem international gefragten Musiklabel Voodoo Rhythm Records. Reverend Beat-Man missioniert für die Church of Blues Trash. Statt auf die Bibel vertraut seine Kunstfigur auf ein musikalisches Grundgerüst – Gitarre, Kickdrum, Snare und eine Stimme, welche die Bauchhöhle in den Untiefen zum Vibrieren bringt.

Einmalige Ein-Mann-Shows

Auf dem Gelände zu Gast ist weiter Tongue Tied Twin aus Winterthur: Die Rockband in Personalunion hat Träff schon einmal eine prallvolle Bar beschert. T.T.T. steht für schmutzige Riffs auf selbstgebauten Gitarren, Hi-Hat, Kick-Drum und Megaphon.

Extrem tanzbaren Sound liefert auch Urban Junior. Der Zürcher entlockt Gitarre, Synthesizer, Schlagzeug und Megaphon wahre Teufelsmusik. Bei seinem Electro-Trash-Garage-Disco-Blues-Punk kann niemand stillsitzen.

Von Luzern aufs Land reist Cello Inferno: Seine Markenzeichen sind Gitarren aus Zigarrenkisten, ein Schlagzeug aus Kanistern und die feuerspuckende Kaffeemaschine. Eine Ohren- und Augenschmaus.

Mit King Automatic holt Träff einen Franzosen nach Schötz, der sich an Jamaikas Rocksteady, an Rhythm ’n’ Blues, Bebob und dem Stammestrommeln der Westafrikaner inspiriert.

Ebenfalls aus Frankreich reist Zero Absolu an. Eine One-Man-Band, deren Elektro- und Metal-Sound auf Loops basiert.

Eine Ein-Mann-Show mit Freak-Alarm bietet schliesslich Mr. Marcaille, ein Franzose mit Cello, nackt bis auf die Unterhosen. Heavy Hardcore Punk in seiner verstörendsten Form. Mr. Marcaille brüllt, als würde man ihm gerade die haarigen Beine entwachsen.

Wer nun denkt, nach den Konzerten sei Feierabend, liegt falsch: DJ Wicked Wiggler heizt im Anschluss mit Outsider-Hits der vergangenen 70 Jahre nochmals so richtig ein.

Holzbauer, der Funken tanzen lässt

Wie in der Wüste Nevadas steht auch beim Schötzer Pendant eine übermannshohe Holzfigur im Zentrum der Szenerie. Für den «Burning Man» hat Träff Schötz einheimisches Gewerbe mit ins Kulturboot geholt: Lehrlinge der Holzbauunternehmung Renggli AG Schötz werden jene Skultpur anfertigen, die um 22 Uhr zu lodern beginnt. Entflammt wird sie von Andreas Lanzendörfer alias Eisbär, einem Flammenkünstler von Königs Gnaden, der als letzter Schwertschlucker Bayerns gilt. Träff holte Eisbär schon einmal nach Schötz: 2001, im Rahmen des Projekts «Sagenhafte Höhenfeuer», das drei Hügel kulturell zum Brennen brachte.

Bedeutende Unterstützung erhält Träff nicht nur von der Renggli AG, sondern auch von Roland Vonarburg, Inhaber der Wauwiler Champignons AG und Besitzer des besagten Industrieareals. Ohne seine Zusage würde der Nacht der One-Man-Bands die stimmige Kulisse fehlen. Für «One Burning Man» darf Träff Schötz aber nicht nur auf einheimischen Support zählen: Mit der Eingabe dieses Projekts wurde der Kulturverein vom Kanton Luzern im letzten Jahr mit einem 15’000-Franken-Werkbeitrag ausgezeichnet. Es war der fünfte Kulturpreis in 33 Jahren Vereinsgeschichte. (fi)

Infos/Vorverkauf: www.oneburningman.ch
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