Blue Balls Festival 17, Benjamin Clementine, 29. Juli, besucht von Léonard Wüst

  Festivaldirektor Urs Leierer begrüsste das Publikum zum abschliessenden Konzert des diesjährigen Blueballs Festival im Konzertsaal und versprach mit dem kommenden Act von Benjamin Clementine sein persönliches Highlight dieses Festivals.
Zuerst betraten fünf, in weisse Overalls gekleidete Backgroundsängerinnen die Bühne, gefolgt von der Band, bestehend aus einer Keyboarderin, einem Bassisten und dem Schlagzeuger. Im Vordergrund stand der Konzertflügel, an den sich der grossgewachsene Londoner mit ghanaischen Wurzeln setzte. Barfuss, ganz in Schwarz gekleidet, mit einem weissen Cape über den Schultern drapiert, mit seinem hochtoupierten Haar wirkte er mystisch, fast düster. Gestartet wurde mit einem kurzen Schlagzeugintro für „By the Ports of Europe“. Gefolgt von einem weiteren, bevor er die Hymne an seine Geburtsstadt „London“, geschickt die Halleffekte des weissen Saals auslotend, zum Besten gab, heftig umjubelt vom Publikum, im nicht ganz voll besetzten Saal. Dann die rhetorische Frage ans Publikum, ob er hier in der french side oder german side of Switzerland sei. Hier in Lausanne. Zwar holte er sich ein paar Lacher ab, bis geklärt war, dass er hier in Lozärn auf der german side der Schweiz sei. Aber auch hier überlanges Zwischenspiel, aber dem Publikum hat es gefallen.

Einbezug des Publikums, Aufforderung zum Mitsingen

Dann ein anderer seiner bekannten Titel mit „Jupiter“, gefolgt von weiteren, bevor er mit „Condolence“ die Botschaft ans Publikum sandte mitzusingen, was dieses dann auch, mehr und/oder weniger kompetent, tat und nimmermüde „I am sending my condolence to you“ intonierte bis zum Geht nicht mehr und zum Abwinken, immer wieder animiert durch den Protagonisten.
Am Klavier hämmert er sich die Seele aus dem Leib, dazu singt er mit vibrierender, voller Stimme in tiefen, grollenden und hohen, warmen Lagen. Seine Musik lässt sich nicht einordnen, Jazz ist es nicht, Soul auch nicht, er selbst sagt: "Ich habe kein Genre. Ich bin Benjamin. Niemand macht, was ich mache. Niemand macht, was ich mache. Wenn Sie mir richtig zuhören, können Sie mich nicht kategorisieren." (Zitat von Claire Beermann im Zeitmagazin).

Sehr guter Musiker mit einer aussergewöhnlichen Stimme ist nicht zwangsläufig ein guter Entertainer

Leider fast immer in der gleichen Lautstärke, statt variierend, in denselben drei Tonarten, bloss einmal in einem anderen Rhythmus, 6/8, statt immer im 4/4 Beat. Kein Ausreisser nach unten, ausser die ausufernd langen Deklamationen zwischen den Songs, leider auch kein Ausreisser nach oben, sieht man von der Zugabe mal ab. Der Performer wäre, so wie am Blueballs Festival 2015, im Luzerner Saal wohl besser aufgehoben gewesen.
Er reihte weiter Song an Song, beklatscht vom animierten Publikum durchmischten Alters. Und ebendieses applaudierte am Ende des Sets solange, bis sich auf der Bühne, auch hier nach unendlich lang scheinender Dauer, wieder etwas regte

Die Zugabe wurde zum Höhepunkt eines etwas eintönigen Konzertes

Dann erfasste ein Scheinwerfer die Keyboarderin, die jetzt mit einem Cello auf dem Stuhl sitzend, eine Improvisation intonierte, während sie auf Clementine wartete, der sich dann ans Piano setzte, den weissen Umhang ablegte und mit „Adios“ die Zugabe startete, die dann querbeet weiterging und schlussendlich im Refrain „Eldery man“, zu dem sich der Sänger immer singend, auch noch durch den Saal bewegte. Er animierte auch hier und dort einen Fan zum Mitsingen, um schlussendlich, immer heftiger umjubelt, wieder auf die Bühne zurück zu kehren, worauf er auch noch mit einer langandauernden „Standing Ovation“ belohnt wurde. LeonardWüst
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