Brad Mehldau Trio The Art of the Trio , KKL Luzern, 17. Mai 2019, besucht von Léonard Wüst

 

Über den Jazz Club Luzern

In der grossen Zeit des Jazz, als die Massen noch verzückt nach Swing, Jive und Lindy Hop tanzten, wurde im Luzerner Maihofquartier der Jazz Club Luzern gegründet.
Schon ein paar Jahre nach seiner Gründung im Jahre 1949 sorgte der initiative Club für Glanzpunkte in der Luzerner Jazz Szene mit Konzerten von Louis Armstrong, Chet Baker, Lionel Hampton, Sidney Bechet, Ella Fitzgerald und vielen andern grossen Musikern der 1950er und 1960er Jahre.
Der Grundstein für einen auch nach mehr als 70 Jahren noch aktiven und über die Landesgrenzen hinaus bekannten Jazz Club war gelegt!

Das Konzert im Konzertsaal des KKL Luzern

Kurz gefasst : Jazz wie man ihn sich wünscht, Ein Jazztrio, das an die goldenen Zeiten dieses Genres mit Grössen wie Oscar Peterson erinnert. Im Moment findet eine schwunghafte Renaissance dieser klassischen Besetzung statt und findet vor allem in Asien immer mehr Beachtung, wo Trios en masse formiert werden, ihre Anhänger finden und sich nach und nach in der Szene positionieren. Regelrecht nach oben katapultiert haben sich das chinesische A Bu Trio und die Japanerin Hiromi. Überproportional vertreten auch die neuen Formationen in Deutschland. Ebenso entsteht in Skandinavien, das schon lange eine Menge grosser Jazz Bassisten in die ganze Jazzwelt exportiert hat, eine junge Szene.

Wird Jazz allmählich gar Klassik?

Woher diese Flut rührt, wäre eine musiksoziologische Untersuchung wert. Das Klavier gehört schon lange zum Jazz, begann aber in der Rhythmusabteilung. Deutet sein Vordringen auf eine Nobilitierung des Genres? Wird Jazz jetzt Klassik? All diese neuen Formationen haben die Ambition, in Sphären vorzudringen, die Brad Mehldau mit seinen beiden Kollegen schon erreicht hat, wie er im KKL überzeugend demonstrierte. Bei den Eigenkompositionen, bei Pop Rock Adaptionen, als auch bei den Standards strömte alles wie aus einem Guss, mit ungemeiner Spielfreude und grandioser Technik dargeboten.

Weltklassemusik so locker vom Hocker

Lässig am Konzertflügel sitzend, warf Mehldau ein paar Harmonien in den Saal, die von Larry Grenadier am Bass zerlegt und phrasiert, von Schlagwerker Jeff Ballard unterbäselet, um dann wiederum vom Pianisten in Läufe zerlegt mit Tremoli betont und in perlenden Tonkaskaden akzentuiert wurden. So ging es Schlag auf Schlag und jeder der drei bekam auch genügend Raum, um ab und an ein Solo zum Besten zu geben, natürlich vom Publikum jeweils mit Szenenapplaus honoriert. Mehldau setzt die Harmonien auf seine, ganz spezielle Art, also nicht klar mit nachfolgenden Auflösungen und Abwandlungen, aber auch nicht schräg, um sie in die ursprüngliche Form zurück zu führen. So ist es praktisch unmöglich, nach den ersten paar Takten zu erkennen, welches Stück dann kommt. So schälte Mehldau denn auch bei einer wunderschönen Adaption von „When I fall in love““ des Komponistenduos Edward Heyman / Victor Young das Thema sehr lange nicht heraus, sondern führte uns immer wieder auf falsche, aber grossartig angelegte falsche Fährten. Das taten die Musiker im Verlaufe des Abends noch einige Male. Aber auf diese grossartige Weise, lässt man sich gerne an der Nase herumführen.

Auch hier gilt: „reduce tot he max“

Ein Klavier, ein Kontrabass und ein Schlagzeug, mehr braucht es nicht. Ich bin immer wieder mit einer gehörigen Portion Gänsehaut begeistert, mit wie wenig man doch einen ganzen Konzertsaal musikalisch beschallen kann. Was für eine voluminöse Klangfülle und musikalische Dichte man mit diesen drei Instrumenten erzeugen kann. Gute Musik kommt mit wenig aus. Wie sagte irgendjemand mal so schön? Rockmusiker spielen drei Akkorde vor tausenden von Zuschauern, Jazzmusiker tausend Akkorde vor ein paar Zuschauern. Das letztere stimmte an diesen Abend nicht ganz. Dass diese Jazz Art noch immer noch und auch wieder neu sein Publikum findet, war auch am sehr gut besetzten Konzertsaal im KKL Luzern zu sehen, dabei hielten sich Jung und Alt in etwa die Waage und waren sich, wie der stürmische Schlussapplaus zeigte, auch einer Meinung über die Qualität dieses Konzertes. So kamen die Protagonisten denn auch nicht umhin, nicht weniger als gleich drei Zugaben zu gewähren, bevor der Applaus abflaute.
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Léonard Wüst
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