Bryan Adams The Ultimate Tour 2018, Hallenstadion Zürich, 20. Juni, besucht von Léonard Wüst

  Konzerte ohne „Support Act“ sind eher selten, deshalb aber nicht weniger attraktiv. Auf einen solchen verzichtete die Legende Bryan Adams im sehr gut gefüllten Hallenstadion an diesem Abend, nahm sich aber die Freiheit, 15 Minuten später als angekündigt die Bühne zu entern. Im Zusammenspiel mit seinen ausgezeichneten Mitmusikern legte er aber unmittelbar ein forsches Tempo aufs Parkett, bot fadengraden Rock 'n' Roll vom Feinsten und reihte grad mal fünf Songs, von „Ultimate Love“, „Can`t stop this“, über „Run to you“ und „Go down rockin‘“ bis zu „Haeven“ aneinander zum Anfang, heizte dadurch das Publikum so richtig an.

Angenehmer Verzicht auf bombastisch aufgeblähte Bühnenshow und Playback

Anstelle einem heute so üblichen, meines Erachtens gar betrügerischem Playbackeinsatz, rifften Adams, Leadgitarrist Keith Scott und der Bassist Norm Fisher ihre Wanderbalken (im Fachjargon Gitarren genannt), strapazierte Drummer Mickey Curry seine diversen Schlagunterlagen, die vor ihm aufgebaut waren. Dazu legte Keyboarder Gary Breit einen breitaufgefächerten, unaufdringlichen Notenteppich, auf dem die andern virtuos zu spazieren wussten. Im Kontext mit des Kanadiers unverwechselbaren Stimme, waren so die besten Voraussetzungen für einen tollen Konzertabend gegeben, was er denn auch wurde. Bryan Adams arbeitet mit einer simplen Stage, die nur vom Licht und den Schwarz/Weiß-Projektionen im Hintergrund lebt - und natürlich von der Energie des Rockers und seiner erstklassigen Band, der nach wie vor Leadgitarrist Keith Scott aus Vancouver angehört.

Überraschende Metamorphose vom Balladeninterpreten zum Power - Rocker

Im ersten Konzertdrittel war nichts mit Balladen, da wurde auf der Bühne gepowert, ein vorwärtstreibender Sound, gespickt mit kurzen Gitarrensoli eines bestens aufgelegten Leadgitarristen Keith Douglas Scott, der auch seinen Part als Backgroundsänger souverän wahrnahm.
Etwa in der Mitte des Konzertes dann der zeitlose Ohrwurm "Summer of '69", den er sich nicht für die Zugaben aufhob, sondern damit das Publikum zum Mitsingen – und Klatschen animierte. Darauf wurde es wieder rockiger mit zwei akustischen Stücken, bevor mit dem Intro zu „Everything I do“, dann das Schwenken tausender beleuchteter Handydisplays und von einigen wenigen, nicht mehr zeitgemässen, angezündeter Feuerzeuge begann.

Tolle Stimmung im proppenvollen Hallenstadion

Trotzdem mutierte das Konzert nie zu einem Mainstream-Happening, war aber trotzdem eine runde Sache, ohne Ecken und Kanten - aber die hat ohnehin niemand erwartet. Die Songs von Adams haben keine Widerhaken, sondern sind feine Delikatessen, für die das Publikum seit Jahrzehnten dankbar ist.
Obwohl seine Balladen einfach und gefällig gestrickt sind, ohne hochkomplizierte Akkorde, sind es doch nicht bloss seichte Weichspüler, einige sind/wurden gar Ecksteine der Pop/Rockmusik der letzten drei Dekaden.

Auch reine Akustiknummern hatten ihren Platz

Zwischendurch präsentierten die Musiker auch mal rein akustische Nummern, die sie gekonnt und engagiert nutzten, um ihr instrumentales Können zu demonstrieren. Einen seiner allergrössten Hits, „Please forgive me“, hat er erstaunlicherweise nicht performt. Nach fast 30 Songs, einem „Best of Bryan Adams“, war Schluss, natürlich nicht, ohne die vom gutaufgestellten Auditorium vehement herbei geklatschte Zugabe.
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LéonardWüst
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