Dechen und Zürcher Kammerorchester

Dechen Shak-Dagsay an einem andern Konzert
Besetzung:

Zürcher Kammerorchester | Dieter Dyk Leitung | JEWEL Ensemble | Dechen Shak-Dagsay Gesang | Helge van Dyk Klavier | Daniel Pezzotti Cello | Hank Shizzoe Gitarre | Thomas Niggli Sitar | Thomas Jordi Bass | Tosho Yakkatokuo Schlagzeug | Jürg Fuyûzui Zurmühle Shakuhachi | Rhani Krija Perkussion | Tibetische Tanzgruppe

Grundsätzliches:

Dechen Shak-Dagsay ist eine weltbekannte Mantra-Sängerin tibetischer Herkunft. Sie flüchtete 1963 als Kind zusammen mit ihrer Mutter in die Schweiz, wo sie im Toggenburg aufwuchs.

Philosophie:

Dechen Shak-Dagsay, links, kriegt vom Dalai Lama einen Gluecksschal als Dank dafuer, das sie in der Klosterkirche das Friedenslied sang. The Dalai Lama, the exiled spiritual leader of the people of Tibet, delivers a speech during a inter-religious meeting in the minster of the monastery of Einsiedeln, Switzerland, Tuesday, August 2, 2005. The Dalai Lama is on 12 day visit to Switzerland starting August 2. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Zitat Dechen: Mein Künstlername Dechen ist tibetisch und bedeutet die grosse Glückseligkeit. Mir gefällt der Name, weil er bezeichnend ist für das, was ich tue. Überall, wo ich hinkomme, mache ich die Menschen mit meiner Musik glücklich. Zitatende. Dechen singt und rezitiert traditionelle tibetische Mantras ebenso wie Gedichte ihres, in Tibet lebenden Vaters Trülku Dagsay Rinpoche, einem tibetischen Lama. Von ihm erhielt sie die Übertragungen der bedeutungsvollen Mantras, die sie inzwischen weltweit singt. Diese werden von Helge van Dyk, ihrem Keyboarder, Produzenten und Arrangeur, vertont.

Rasanter Start in eine grosse, auch internationale Karriere

1989 brachte sie eine Single mit dem Titel ‚Bodhichitta’ heraus, welche verschiedene Musikproduzenten aufhorchen liess, worauf sie1994 von Ryuichi Sakamoto ins Studio nach London eingeladen um für den Soundtrack von Bernardo Bertolucci’s berühmten Film ‚Little Buddha’ zu singen.

Meine hochkarätigen Musiker des ‚DAY TOMORROW‘ Ensemble vor einem Konzert in Bern am 5. Dezember 2014

Die Künstlerisch wirkt sehr authentisch, wenn sie die psychisch und physisch erlittenen Qualen ihres geknechteten und drangsalierten Volkes anklagt, trotzdem die Hoffnung im Vertrauen auf eine höhere Macht nicht verliert und die Menschen dazu aufruft, Sorge zu tragen zu den Mitmenschen, andern Lebewesen und eigentlich zur gesamten Welt, unserem einmaligen blauen Planeten.

Ihr grosses Anliegen ist ihr soziales Engagement

Ganz nach ihrem Vorbild, ihrer verstorbenen Mutter Yischi Tsedön la, haben es sich Dechen und ihre beiden jüngeren Schwestern Dolkar Dagsay und Dega Faoro zur Aufgabe gemacht, die von ihren Eltern gegründete ‚Tsedön Klinik’ in Tibet finanziell zu betreuen und in die Selbstständigkeit zu führen.

Dank ihres grossen musikalischen Erfolges unter anderem mit dem BEYOND Projekt war es Dechen möglich 2010 die DEWA CHE Foundation zu gründen und mit ihren verschiedenen sozialen Projekten zur Erhaltung und Förderung der tibetischen Kultur innerhalb wie ausserhalb Tibets beizutragen.

Mehr dazu finden Sie unter www.dewache-foundation.com

Das Konzert, rezensiert durch Léonard Wüst

Weisse Tibetische Glücksschleifen (Khatag) und Blumen zum Abschluss von meiner lieben Schwester Dongy – Was gibt es Schöneres am Ende eines erfolgreichen Konzertes

Die klangvolle schweizerisch-tibetische Stimme Dechen Shak-Dagsay sang ihre Botschaft für den Frieden direkt in die Herzen der Zuhörer. Bei ihrem Auftritt im KKL Luzern, ausverkaufter Konzertsaal, wurde sie in ihrem Anliegen unterstützt durch das Zürcher Kammerorchester, das „Jewel Ensemble“ und Gastmusikern aus aller Welt. sowie einer Gruppe junger Tänzer aus Ost Tibet.

Das Konzert begann mit dem traditionellen Ruf des Muschelhorns, das die Nonnen und Mönche in den Klöstern Tibets zum Gebet ruft. Beim darauffolgenden Chenresi Mantra, dem wohl allerwichtigsten für die Tibeter, kam erstmals Jürg Fuyûzui Zurmühle mit seinem Shakuhachi als Solist zur Geltung, garniert mit ein paar Schlägen des Gongs. Mit einen paar Zupfern an der von Thomas Niggli gespielten Sitar, dem Einsatz von diversen, in Schwingungen versetzten Klangschalen und Glasschalen war unmittelbar ein mystisch – magischer Klangteppich geschaffen, auf dem sich die Künstlerin stimmlich in Höhen schwang, gekleidet in ein traditionelles, einfaches Kleid des Bergvolkes, einen Glücksschal um die Schultern gelegt.

Klare Ansagen einer starken Frau

‚DAY TOMORROW‘ life auf der Bühne mit meiner Band – ein wunderbares Gefühl!

Es folgte eine kurze Begrüssung mit ein paar Erklärungen zu den Mantras und Anmerkungen über Ablauf, aber auch den Sinn und Zwecks dieses Konzertes.

Die nun folgenden Mantras erklärte Dechen immer mit ein paar Worten, worauf sie beruhen, welche Aussage und Bedeutung sie haben. Bei den zwei folgenden war es die jahrtausendalte intensive Kraft zur Erlangung des inneren, wie auch des äusseren Friedens. Gefolgt von einem Lobgesang auf die Tiere, ohne die die Menschheit nie überleben könnte. Wenn die Fauna gepriesen wird, fehlt auch die Huldigung der Elemente nicht, Erde, Wasser, Feuer und Wind sind die Grundlagen unseres Lebens. Sind sie ausgewogen und im Gleichgewicht, können sich Natur und Leben voll entfalten. Eigentlich Selbstverständlichkeiten, die man sich aber immer wieder ins Bewusstsein rufen sollte. Dechen interpretierte eines dieser Mantras gar in einer Art Sprechgesang, Rap auf Tibetisch? Dies verdeutlichte auch, dass nicht alles pessimistisch gesehen wird, die Hoffnung auf die Vernunft unserer Spezies noch nicht ganz erloschen ist, aber immer wieder geweckt, an sie appelliert werden muss.

Das JEWEL Ensemble in New York, Februar 2012

Dann rückten für einmal die Musiker in den Fokus, die die ihnen gewährte Improvisationsfreiheit zur Freude des Publikums voll ausschöpften, ob Bass, Schlagwerk, Sitar oder Gitarre, die Soli von aussergewöhnlicher Qualität eingebettet in den Klangteppich, den die Musiker des, wie gewohnt souveränen Zürcher Kammerorchesters auslegten. Das ZKO war nur mit der Streichersektion vertreten und das ganze Konzert stand unter der Gesamtleitung von Dieter Dyk. Das nächste Mantra enthielt die Botschaft: Wenn die Erde uns schon bedingungslos alles gibt, ist es Zeit, dass wir nicht nur nehmen, sondern auch dankbar zurückgeben.

Höhepunkt des ersten Konzertteiles

Einer der bewegendsten Momente meines Lebens. Am 1. Juni 2003 durfte ich für Seine Heiligkeit den Dalai Lama singen und ihm anschliessend meine CD’s überreichen

Noch ein Höhepunkt vor der Pause war die grandiose Interpretation der Ode an den Jomolangma, wie der Mount Everest von den Tibetern genannt wird, der höchste Berg der Welt ist Sitz einer der fünf wichtigsten Göttinnen des tibetischen Volkes, der „Göttin des Türkis“. Das Auditorium, das auch schon vorher mit Szenenapplaus nicht gegeizt hatte, war begeistert ob dieser, zwar eher nachdenklich stimmenden, irgendwie aber trotzdem optimistischen Performance und applaudierte dankbar lang und anhaltend.

Eindrücklicher Auftakt in den zweiten Konzertteil

Mit dem meditativen, von Philipp Glass (*1937) für Yehudi Menuhin und Edna Mitchell komponierten „Echorus 1995“ setzte das ZKO den nächsten Glanzpunkt, für zwei Soloviolinen und Streichorchester geschrieben, fügte sich dieses perfekt in Dechens Konzert ein und unterstrich die Klasse, sowohl der beiden Solistinnen, als auch die des ZKO. Dann übernahm wieder Dechen und liess noch weitere Mantra folgen, ein jedes mit einer anderen, aber immer grossen kulturhistorischen Bedeutung. Manche waren fast nur auf die Stimme ausgerichtet arrangiert, bei anderen spielte auch Dechens vorzügliches „Jewel Ensemble“ eine sehr gewichtige Rolle, indem diverse Soli eingebaut waren, ob für Gitarre, Sitar, Bass, Piano oder Schlagzeug und Perkussion. Manche waren auch sehr modern arrangiert mit grosser Betonung der Rhythmik. Zu einigen bewegte sich die Sängerin, mal mit schlangenhaften, dann mit Tempeltanz ähnlichen Bewegungen. Besonders angetan hat es ihr offensichtlich das Mantra „Want go far“, wie sie erläuterte. Als eigentliche Medizin betrachten die Tibeter das Mantra „Shine of Lapislazuli“, da, laut den tibetischen Ärzten, das Rezitieren von Mantras, insbesondere dieses, für einen ausgeglichenen Geist zur Vorbeugung von Krankheiten, unerlässlich sei. Nach einem weiteren Mantra erhielten die Musiker wieder Gelegenheit zu einer ausgedehnten Improvisation, während der Dechen die Bühne, fast schwebend, verliess. Nach ausgedehnten Soli der Musiker packten sie schlussendlich wieder zusammen in einen kompakten Sound, nun wieder bestimmt von den fernöstlichen, exotischeren Instrumenten, die Dechen, nun in Begleitung der tibetischen Tanzgruppe (11Tänzer/innen), wieder animierte, auf die Bühne zurück zu kommen. Die farbenfrohen, traditionellen Kostüme der jungen Tänzer aus Ost Tibet erfreuten unsere Augen, dazu Dechens sehr variable Gesangskünste die Ohren. Das Ganze kompakt eingebettet in die geschickt arrangierten Orchestersequenzen war, scheinbar, das spektakuläre Schlussbouquet eines einzigartigen Konzertes. Dann aber ergriff die Künstlerin nochmals das Wort, bedankte sich bei all ihren Mitmusikern, beim Publikum, ihren Freunden und Unterstützern, erklärte auch, dass der sonst in ihrer Band spielende Cellist Daniel Pezzotti krankheitsbedingt leider nicht dabei sein konnte. Auch sei es schon eine Tradition, dass sie zum Schluss „Das Lied der Umwelt“ intoniere, daran erinnernd an unsere Verbundenheit mit der Erde, für die wir alle die Verantwortung trügen.

Die weisse Glücksschleife ‚Khatag‘ für das Photo Shooting für JEWEL mit Stephan Schacher, Mai 2010

Danke Dechen Shak-Dagsay, die Botschaft ist angekommen und dies auf aussergewöhnlich herzlich, sympathische überzeugende Art. Das Publikum bedankte sich denn auch mit einer langanhaltenden stehenden Ovation, die die Künstlerin und ihre Mitmusiker sichtlich berührte und genossen.

Dechen Shak-Dagsay`s Wunsch

‚Ich wünsche mir, dass es mir auch weiterhin gelingen wird, mit meiner Stimme die Menschen zu ihrer ureigenen Quelle der inneren Ruhe und des Glücks zu führen.’

Trailer von „Want go far“, das vertonte Gedicht über den Flug des weissen Kranichs, vom sechsten Dalai Lama (Tshangyang Gyatsho 1682 oder 1683 – 1706) in Erahnung seinen nahenden Tod verfasst, kurz bevor er im Alter von nur 23 Jahren von politischen Gegnern ermordet wurde.Zürcher Kammerorchester Dechen
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