Grand Théâtre de Genève Un ballo in maschera, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Un ballo in maschera © GTG / Carole Parodi
  Auf den ersten Blick ist die Genfer Inszenierung des Maskenballs eine eher düstere Sache. Hohe verschiebbare Holzwände im ersten und letzten Akt, der Hochsitz der Wahrsagerin Ulrica wie ein Schiffswrack im neblig-mystischen Nachthimmel, ebenso der Galgenberg im zweiten Akt, wo Amelia das Kraut gegen ihre Liebesgefühle für den schwedischen König Gustav III holt. Auch die Ballszene hat so gar nichts Fröhlich-festliches an sich. Die drohende Gefahr ist von Anfang an spür- und sichtbar. Regisseur Giancarlo del Monaco bleibt dem Konzept des Minimalen und Düsteren treu, was schlussendlich auf den zweiten Blick auch etwas Bestechendes hat. Zudem lässt es der wunderbaren Musik Verdis den nötigen Platz.


Zurückhaltung in den Gesten

Die tödliche Dreiecksgeschichte um den schwedischen König Gustav III, seinen besten Freund Graf Anckarström und dessen Frau Amelia nimmt ihren Lauf, unaufhaltsam, und eben, düster. Die Interaktionen zwischen den Protagonisten sind minimal, man wünschte sich ab und an etwas mehr Dramatik in den Gesten, etwas mehr Nähe zwischen Amelia und König Gustav, wenn sie sich allein auf dem Hügel treffen. Die angetönte Distanz mag Amelias Versuch darstellen, sich nicht von ihren Gefühlen für den König übermannen zu lassen. Trotzdem, diese räumliche Distanz verleiht den Charakteren etwas Statisches. Auch die Kostüme sind der Stimmung angepasst, mehrheitlich grau und schwarz, nur beim Ball tragen die Damen üppige cremefarbene Kleider. Farbtupfer gibt’s lediglich zwei, und auch die minimal: Das rote Kleid der Puppe von Amelias Sohn und die rote Verzierung am Hemd des Königs, welche ihn dann auch an seinen Mörder verrät. Wo Del Monacos Konzept aber wirklich aufgeht ist in der letzten Szene. Wie sich da die ganze Gesellschaft in identischen Masken in einer schwarz-weiss Polonaise langsam über die Bühne schiebt, emotionslos und trotzdem beängstigend bedrohlich, das beeindruckt und bedrückt. Ebenso das allerletzte Bild mit dem sterbenden König, links Graf Anckaström, rechts der Page Oskar, beide in eingefrorener Pose, wie ein stummer Schrei, dahinter die ebenso bewegungslose Ballgesellschaft, ein Bild wie ein Gemälde.


Grossartiges Plateau

Durchwegs begeisternd sind die Stimmen. Franco Vassallo als Graf Anckarström stiehlt mit seinem samtenen Bariton dem berühmten mexikanischen Tenor Ramón Vargas als König Gustav III beinahe die Show. Vargas selber gibt einen überzeugenden Gustav III mit seinem schmelzenden und ausdrucksstarken Tenor. Irina Churilova ist eine stolze Amelia, verletzlich, verzweifelt, all die Emotionen bringt sie berückend auf den Punkt. Wunderbar wie ihre Stimme sich mit dem Cello verwebt im dritten Akt in der Arie «Morró, ma prima in grazia». Dagegen dunkel, kräftig und mit der nötigen verschwörerischen, beinahe gespenstischen Tiefe der Mezzo-Sopran von Judit Kutasi als Ulrica. Kerstin Avemo geht mit ihrem klaren, hellen Sopran und grosser Spielfreude ihre Rolle als Page Oscar an und wirkt ungemein lebendig und erfrischend in dieser düsteren Umgebung. Auch die beiden Verschwörer, Günes Gürle als Graf Ribbing und Grigory Shkarupa als Graf Horn überzeugen mit tragenden, sonoren Bässen.


Das Orchestre de la Suisse Romande unter Pinchas Steinberg nimmt sich den herrlichen Melodien von Verdi mit viel Verve an, begleitet teils zart und innig, dann wieder kräftig und schwungvoll, setzt sich aber nie in den Vordergrund.

Das Genfer Publikum zeigte sich begeistert, laute «bravo-, brava- und bravissimo-Rufe folgten meist den bekannten Arien und der Schlussapplaus fiel lange und herzlich aus.
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Gabriela Bucher - Liechti
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