Hélène Grimaud – Woodlands and Beyond, KKL Luzern, 21. Oktober 2017, besucht von Léonard Wüst

  Vertont Hélène Grimaud Bilder, oder malt ihr Lebenspartner Mat Hennek Musik mit seiner Kamera? Für einmal tanzt die, am 7. November 1969 in Aix-en-Provence geborene französische Pianistin nicht mit den *Wölfen, auch nicht mit Wasser, wie auf ihrem Album "Water", das im Januar 2016 bei der Deutschen Grammophon erschien, sondern mit Fotoinstallationen. (*Hélène Grimaud bezog 1997 in South Salem bei New York ein Haus und richtete ein Wolf Conservation Center ein, das 1999 eröffnet wurde).

Mehrfach preisgekrönte Künstlerin

Hélène Grimaud wurde u.a. schon 2002 honoriert mit dem französischen „Officier dans l'Ordre des Arts et des Lettres“, den Echo-Klassik-Preisen 2009 und 2013. Im Jahre 2004 erhielt sie den « Victoire d'honneur » der französischen Victoires de la musique. 2009 den Bremer Musikfest-Preis. Ebenso erfährt ihr Engagement für die Zucht, den Schutz und der Reintegration von Wölfen in natürliche Umgebung grosse Beachtung.
Informationen zu Mat Hennek
Mat Hennek porträtierte viele Grössen der Klassik (Sängerinnen, Dirigenten usw.), arbeitet auch z.B. für große Plattenfirmen und Labels wie Deutsche Grammophon, Four Music, EMI, Sony BMG. Seine Arbeiten wurden u.a. veröffentlicht in folgenden, renommierten Printmedien: Cosmopolitan, Frankfurter Allgemeine Zeitung, GQ, Marie Claire, Max, Playboy, Süddeutsche Zeitung Magazin.

Basis des Konzertes sind Werke von acht verschiedenen Komponisten

Auf dem Programm standen Werke von acht verschiedenen Komponisten. Zwischen deren Werken erklang jeweils eine der „Transitions“ vom indisch stämmigen Engländer Nitin Sawhney, die er für Grimauds CD „Water“ geschrieben hatte. Diese Zwischenspiele wurden als Backgroundmusik zugespielt, also nicht von der Pianistin vorgetragen, Das wirkte zu Beginn befremdlich, entwickelte sich aber im Verlauf des Konzertes durch die Fotoinstallationen immer weiter und fügte sich schlussendlich perfekt ins Ganze ein, da sich alle der real gespielten Kompositionen irgendwie auch mit der Thematik „Wasser“ befassten.

Das Thema Wasser, nebst den Fotoprojektionen, im Mittelpunkt

Angefangen bei „Wasserklavier“ von Luciano Berio über „Les jeux d`èau à la Villa d`Este“, bis zum finalen „La Cathédrale engloutie“ von Claude Debussy. Auf die 7 x 7 Meter grosse moderne LED-Leinwand auf der Bühne hinter der Pianistin projizierte Mat Hennek die Bilder seiner Fotoserie „Woodlands“. Durch Überblendungen passte er diese jeweils dem gerade gespielten Stück an, schuf so ein räumliches Bild der Musik.

Glanzlichter der Performance

Hélène Grimaud, mit ungewohnt blondem Kurzhaarschnitt, begeisterte nicht nur, aber vor allem, bei den Interpretationen von „Almeria“ (Isaac Albéniz) und „Im Nebel“ von Leos Janacek. Mat Hennek transformiert bei „Les jeux d`èau à la Villa d`Este“ den türkisfarben gischenden Wasserstrudel mittels Überblendungen kontinuierlich in eine lichtdurchflutete Birkenwaldlichtung, bei „Almeria“ die blutrot an den Meeresstrand wogenden Wellen in ein vielschichtiges, transparentes Abendrot über dem Ozean.

Ganz ohne Wölfe geht’s halt doch nicht

Beim Janacekschen Nebel erscheint natürlich ein milchiger Morgenwald in den er noch einen Wolf projiziert (Ganz ohne die, von der Pianistin so geliebten Wesen, geht’s dann doch nicht). Diese erscheinen in der Folge immer häufiger auf der Leinwand in den wechselnden Waldlandschaften. Nach dem, das Konzert abschliessende Debussy Werk „La Cathédrale engloutie“, herrschte Stille.

Etwas ratloses Publikum

Es war sich niemand wirklich schlüssig, ob das Konzert fertig war. Erst nachdem sich Hélène Grimaud von ihrem Schemel erhob, brandete der grosse Applaus durch den Konzertsaal, worauf sie auch ihren Partner Mat Hennek auf die Bühne bat und ihn herzhaft umarmte. Grimaud wurde immer wieder zurück auf die Bühne geklatscht und gewährte schlussendlich doch noch eine Zugabe. Dieses sehr ungewöhnliche, intime Konzertprojekt, so Grimaud in einem Interview, entwickle sich ständig weiter, einige Bilder werden, in gegenseitiger Absprache, neu zugefügt, andere belassen. Es bleibe also, wie beim Wasser und auch der Musik, alles in Fluss.
LéonardWüst
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