Konzert Theater Bern, Coco – Ein Transgendermusical, besucht von Noémie Felber

Bern 18.4.2018 - GP zu Coco, einem Transgendermusical. Premiere: Freitag, 20. April 2018 © Annette Boutellier Text Alexander Seibt Songs & Lyrics Markus Schönholzer nach einer Idee von Cihan Inan Regie Stefan Huber Musikalische Leitung Hans Ueli Schlaepfer Choreografie Timo Radünz Bühne Jose Luna Kostüme Heike Seidler Dramaturgie Fadrina Arpagaus Coco Mariananda Schempp Körper Gabriel Schneider Rick Luka Dimic Vater Jonathan Loosli Mutter Grazi
 
Bern 18.4.2018 - GP zu Coco, einem Transgendermusical. Premiere: Freitag, 20. April 2018 © Annette Boutellier Text Alexander Seibt Songs & Lyrics Markus Schönholzer nach einer Idee von Cihan Inan Regie Stefan Huber Musikalische Leitung Hans Ueli Schlaepfer Choreografie Timo Radünz Bühne Jose Luna Kostüme Heike Seidler Dramaturgie Fadrina Arpagaus Coco Mariananda Schempp Körper Gabriel Schneider Rick Luka Dimic Vater Jonathan Loosli Mutter Grazi
„Transgender“, jemand, der die ihm aufgrund seines biologischen Geschlechts zugewiesene Geschlechtsrolle nicht akzeptiert, so der Duden. Unter genau diesem Gefühl litt Coco, die berühmte Schweizer Transfrau aus den 1990er Jahren. Durch Paul Rinikers Dokumentarfilm «Traum Frau Coco» wurde ihre Transition zum Gegenstand eines Medienrummels und Coco die schillernde Ikone einer Community. Auf den Ruhm folgten jedoch die Schattenseiten. Coco verlor sich in psychischen und physischen Schmerzen bis sie sich 1998 im Alter von 29 Jahren das Leben nahm. 20 Jahre nach ihrem Tod wollen Alexander Seibt und Markus Schönholzer in ihrem Stück «Coco – Ein Transgendermusical» ihre Geschichte nochmal nach Bern holen und erzählen. Das Stück feierte seine Premiere am 20. April 2018 und läuft nun als Wiederaufnahme.

Was du siehst und was ich bin

Nur sechs Personen braucht es, um ein eindrückliches Leben Revue passieren zu lassen. Die Rolle der Protagonistin Coco ist dabei doppelt besetzt: ein männlicher Darsteller übernimmt die Repräsentation des verhassten Körpers, eine Frau spielt den Charakter Coco. Den ganzen Abend interagieren diese beiden Schauspieler, mal mehr, mal weniger friedlich, finden aber kaum einen gemeinsamen Nenner. In ihrer Transition sind sie umgeben von Freunden, Eltern, Ärzten und einem Liebhaber, die ihre Entscheidungen nicht immer erleichtern. Der Unterschied vom äusserlichen Erscheinungsbild und von der Gefühlslage wird durch ein Bühnenbild mit spiegelnden Oberflächen zusätzlich verdeutlicht. Dieses Element wird nicht nur in die Performance selbst integriert, sondern fragt indirekt auch das Publikum: Bin ich wirklich die Person, die andere Menschen in mir sehen? Das Stück unter der Regie von Stefan Huber umfasst nicht nur berührende Sprechtexte, sondern auch zahlreiche Songs mit eingängigen Melodien. Diese erlauben eine zusätzliche Ebene, sich in die Figuren hineinzuversetzen, verstärken emotionale Szenen und lockern die tragische Geschichte auf.

Vielschichtige Thematik

Den Verantwortlichen der Produktion «Coco – Ein Transgendermusical» ist es wichtig zu vermitteln, dass kein Anspruch auf historische Genauigkeit oder eine genaue biographische Darstellung besteht. Die Handlung orientiert sich zwar punktuell an Cocos Leben und Persönlichkeit, vielmehr soll die Hauptfigur jedoch eine ganze Gruppe von Menschen skizzieren, die nur selten repräsentiert wird. Das Stück behandelt sensible Themen, die mit einer Transgender-Identität einhergehen. Das Publikum hört von Akzeptanz sich selbst gegenüber, aber auch Annahme durch das nahe Umfeld, sowohl körperliche als auch seelische Probleme werden angesprochen. Dabei kommt nicht nur Coco selbst mit eindrücklichen Monologen zu Wort, auch ihre Eltern und ihr Partner erzählen ihre Sicht auf eine Entscheidung, die nicht nur Cocos Leben verändert. Die Charaktere teilen dem Publikum teilweise direkt mit, wie sie sich in Hinblick auf Cocos Entwicklung fühlen und was für Probleme diese für sie mitbringt. Diese schweren Themen werden durch das sechsköpfige Ensemble, gestützt durch eine talentierte vierköpfige Band, sehr glaubhaft und gefühlvoll vermittelt.

Eine Hommage

Bizarr, skurril und auch mal erschreckend, so lässt sich «Coco – Ein Transgendermusical» beschreiben. Aber auch farbenfroh, lustig, zum Nachdenken anregend, erschütternd, traurig. Das Stück vereint dutzende von kontrastierenden Adjektiven und Emotionen, doch war Coco selbst nicht auch so? Das Musical zeigt eine Welt, die vielen von uns fremd ist, die wir aber trotzdem verstehen möchten. Es zeichnet ein Bild, das den Cisgender-Identitäten im Publikum einen Einblick in das Innenleben einer Transgender-Person erlaubt. Auch 20 Jahre nach dem Tod von Coco ist das Thema noch immer topaktuell und wichtig.
Das Musical kann bis am 6. Januar 2019 in der Vidmarhalle in Liebefeld besucht werden.
http://www.konzerttheaterbern.ch www.noemiefelber.ch www.leonardwuest.ch Für aktuelle regionale Nachrichten und Kultur aus der Innerschweiz besuchen Sie www.innerschweizonline.ch www.bochumer-zeitung.com
Noémie Felber
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