Lucerne Festival am Piano,Klavier-Konzert 2 Festival Strings Lucerne , Piotr Anderszewski, 26. November 2017, besucht von Léonard Wüst

  Das ungewöhnliche an diesem Konzert: bei den beiden Klavierwerken übernahm Solist Piotr Anderszewski auch die musikalische Leitung, die für den Rest Daniel Dodds oblag. (Dieser, seines Zeichens Konzertmeister der Festival Strings, wurde 2008 von Claudio Abbado ins Lucerne Festival Orchestra berufen, wo er seither festes Mitglied ist)
Im sehr gut besetzten Konzertsaal bestritten die Strings den Auftakt allein mit Mozarts Sinfonie B-Dur KV 319 unter der Leitung von Daniel Dodds. Diese ist im typisch wienerischen Tonfall gehalten, obwohl Mozart die ersten drei Sätze 1779 noch in Salzburg komponierte, das Menuett fügte er wahrscheinlich erst für eine Wiener Aufführung 1784/85 hinzu, E.T.A. Hoffmann benannte das Werk „diese ist gleichsam die Oper der Instrumente“, ergo eine Oper ohne Text. Dodds führte souverän unspektakulär durchs Werk, was vom Auditorium auch gebührend gewürdigt wurde.

Auftritt des Solisten Piotr Anderszewski

Darauf wurde der Konzertflügel an seinen Platz geschoben und das Warten auf den Solisten des Abends begann. Dieser liess sich lange, gar etwas sehr lang Zeit, bevor er sich auf den Schemel setzte. Sofort übernahm er gestenreich das Kommando und zelebrierte Haydns Klavierkonzert D-Dur erfrischend, angriffig und energisch, dies alles kongenial mitgetragen von seinen Mitmusikern, die sichtlich Spass an der Sache hatten, wie natürlich das fachkundige Publikum auch.
Piotr Anderszewski verstand sich am Flügel als Primus inter pares und vermochte doch stets mit lebendiger, plastischer Artikulation präsent zu sein, nicht zuletzt in einer ungemein farbigen, modernen Kadenz, die trotzdem den ersten Satz am Ende nicht sprengte. Die Lucerne Festival Strings begleiteten in diesem fast symphonischen Konzert auf Augenhöhe und klanglich exquisit: So verströmte auch das schlichte Adagio eine dichte Gesanglichkeit. Etwas zurückhaltend dann, das eigentlich temperamentvoll angedachte abschliessende «Rondo all’Ungharese».
Das Publikum genoss die Virtuosität des polnisch – ungarischen Künstlers und spendete dementsprechenden Applaus, der natürlich auch die kongeniale Begleitung durch die

Strings mit einschloss.
Zweiter Konzertteil

Dieser begann mit der, mit ca. zehn Minuten Spieldauer, relativ kurzen Sinfonia D-Dur «La veneziana» von Antoni Salieri, einem der meistvergessenen Komponisten seiner Zeit, den meisten eher präsent aufgrund der angeblichen oder tatsächlichen Rivalität mit Mozart. Dabei wurde das Orchester wieder geführt von Konzertmeister Daniel Dodds. Diese Sinfonie setzte Salieri aus zweien seiner Opernouvertüren zusammen. Gewohnt souverän die Wiedergabe des Werkes durch das, eigentlich zweite KKL Hausorchester.


Abschliessender Auftritt von Piotr Anderszewski

Mozart schrieb das Konzert für Klavier und Orchester G Dur für seine Schülerin Barbara Ployer. Diese spielte das Konzert auch erstmals am 10. Juni 1784 in ihrem Elternhaus in Döbling. Das Konzert ist technisch ebenso anspruchsvoll wie seine Vorgänger, was zeigt, dass Ployer eine begabte Pianistin war. Mit dem technisch äusserst anspruchsvollen Konzert, erhielt der Solist noch einmal Gelegenheit, sein aussergewöhnliches Können zu demonstrieren. Anderszewski schöpfte die Klangfülle und die Brillanz des Steinway-Flügels voll aus, blieb trotzdem sensibel in den feinen Passagen, schälte die Details der zwar melancholischen, nicht aber traurigen Komposition heraus. Die Festival Strings waren ihm dabei ein ebenbürtiger Bühnenpartner. Das Auditorium bedankte sich bei den Protagonisten mit langanhaltendem stürmischen Applaus, der schlussendlich in eine stehende Ovation mündete. Die Künstler revanchierten sich dafür mit gleich drei Zugaben. Die erste Zugabe war „Auf dem überwucherten Pfad“ des tschechischen Komponisten Leoš Janáček, gefolgt von Bartók und zum krönenden Abschluss nochmals das «Rondo all’Ungharese», zur grossen Freude des Publikums in schnellerem Tempo, expressiver, weniger verhalten, so das ungarische Element betonend.

Nachtrag:

Das erste Mal überhaupt ist mir aufgefallen, dass einige der Musiker, vor allem in der ersten Reihe, inkl. Daniel Dodds, einen digitalen Notenständer benutzten. Am 2. November interpretierte der französische Pianist Alexandre Tharaud, begleitet vom Münchener Kammerorchester im KKL ebenfalls Haydns Konzert für Klavier und Orchester Nr. 11 D-Dur. Erstaunlich, dass dieses Werk innert eines Monats gleich zweimal zur Aufführung kam, steht es doch, zu Unrecht, nicht allzu oft auf dem Programm.

LéonardWüst
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