Lucerne Festival, Rezital 1 – Klavier Maurizio Pollini, 21. August 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti



Er kommt leicht gebückt auf die Bühne, setzt sich an seinen Flügel und beginnt mit Schumanns Arabeske in C-Dur op. 18. Eine «reizende kleine Nichtigkeit» wurde sie auch schon genannt, «mit leichter Geste hingeworfen». So hätte man sie sich gewünscht, ganz so kam sie aber nicht daher. Da war teilweise etwas Verwaschenes, Unpräzises in Pollinis Spiel, es fehlte an Ausdruck. Dasselbe im Allegro in h-Moll op. 8 und später teilweise auch in der Fantasie C-Dur op. 17. Ab und zu blitzten zwar expressiv-melancholische Momente auf in der Fantasie und Pollini brachte seinen Flügel durchaus zum Singen. Irgendwie wollte dieser Schumann aber nicht auf Touren kommen, es fehlte das Drängende, die Leidenschaft, als entspräche diese Musik nicht mehr ganz Pollinis Lebensabschnitt. Der Funke sprang nicht wirklich, obwohl seine Finger immer noch verblüffend virtuos über die Tasten fliegen, man spürte auch eine ganz leichte Ratlosigkeit im Publikum.

Anders im zweiten Teil mit Chopin, wo er sicherer, expressiver und ausgeglichener scheint. Er setzt die zwei Nocturnes op. 55 Nr. 1 und Nr. 2 leicht-luftig in den Saal, reiht die Töne perlend aneinander, kleine Ungereimtheiten fallen weniger auf und es entsteht ein Zwiegespräch zwischen Pollini und Chopin, was auch das Publikum spürt. Da ist mehr Gefühl in den sanften Tönen, eine Leichtigkeit in den Phrasierungen, Chopin geht ihm leicht von der Hand, da versinkt er drin und geht gleichzeitig darin auf. Jetzt ist auch die Spannung da im Publikum, die Stille hat eine ganz andere Qualität und der Applaus ist unendlich viel grösser als nach dem ersten Teil. Mit einer Standing Ovation bedankt sich das Publikum beim Altmeister, mit zwei ausschweifenden Zugaben, ebenfalls von Chopin, bedankt dieser sich beim Publikum und geht danach immer noch leicht gebückt aber mit einem milden Lächeln von der Bühne. GabrielaBucher      
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Anna Rybinski aus Luzern | 24.08.2017 | 07:41  
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