Luzerner Theater, Feeling Gatsby Eine Jazz-Legende nach F. Scott Fitzgerald und Zelda Fitzgerald, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

«Feeling Gatsby», das Stück, welches momentan in Luzern in der Box aufgeführt wird, soll das Lebensgefühl der Zwanzigerjahre wiedergeben und Mythen um die Gestalt von Gatsby und Daisy aus dem Buch «The Great Gatsby», aber gleichzeitig auch um jene von Zelda und Scott Fitzgerald, dem Autor des Buches, aufdecken. Fragmente aus dem Roman und Briefauszüge von Zelda an Scott erzählen von einer Amour Fou, von Reichtum, Leidenschaft, Glamour und Verbrechen.

Zurückhaltende Partystimmung

Der Ansatz, das Publikum anfänglich an einer der legendären Partys von Gatsby teilnehmen zu lassen ist zwar interessant, funktioniert aber nicht ganz. Rauschende Partys wie jene von Gatsby finden nicht im Dunkeln statt und Dunkelheit verlangt – mindestens im Theater – nach Stille und nicht nach Feiern. Statt fröhlicher Stimmung herrscht also eher etwas Ratlosigkeit zu Beginn des Stückes. Die Besucher stehen unentschlossen in der Halbfinsternis, vorne auf einem kleinen runden Podest liegt Daisy (Annina Polivka) und man fragt sich, was genau von einem erwartet wird. Dann beginnt Daisy zu erzählen, Erinnerungen heraufzubeschwören. Das Publikum wird mit schweren Gläsern mit einer undefinierbaren Flüssigkeit versorgt und Statisten, als Partygäste gekleidet in Kostümen in Anlehnung an die «Roaring Twenties» bewegen sich lautlos durch den Raum. Sie versuchen, das Publikum mit einzubeziehen, lehnen sich hier ein bisschen an, was auch schon mal zu irritierten Blicken führt, wiegen sich dort mit jemandem zur Musik. Irgendwo im Hintergrund, für die meisten, oder alle, unsichtbar, singt Jason Cox «Anything goes».

Vorhänge als Ausgrenzung und Schutz zugleich

Das leicht unbehagliche Gefühl bleibt auch noch, wenn das Publikum sich dann setzt. Die Stuhlreihen befinden sich an drei Seiten der Bühne, aber hinter einem leichten schwarzen Tüllvorhang, der die Sicht erschwert. So bleibt man aussen vor und hat ein Gefühl von Voyeurismus. Wenn Daisy nach Gatsbys Tod die Vorhänge herunterreisst, ist das Licht im ersten Moment unheimlich grell und man fühlt sich völlig ausgesetzt. Diese verschiedenen Eindrücke, sicher nicht alle gewollt, lenken teilweise von der Geschichte ab.

Trotzdem hat der Abend etwas Berührendes

.Annina Polivka als Daisy ist wehmütig, traurig, sehnsüchtig, ausgelassen und Jason Cox möchte man stundenlang zuhören, wenn er mit samtener Stimme Stücke von Gershwin und Porter interpretiert. Studierende der Jazzabteilung der HSL begleiten hervorragend im Hintergrund. Und es gibt intensive Momente, wo Gefühle greifbar werden. Wenn Daisy Gatsby erklärt, dass er eine andere finden wird, ihm aber gleichzeitig wie magisch angezogen folgt, ist das Knistern zu spüren zwischen den beiden. Und wenn sie verloren, einsam und sehnsüchtig an Gatsbys Grab sitzt und die Melodie einer Musikdose leise im Nichts verklingt, spürt man mitunter einen Kloss im Hals.
GabrielaBucher
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