Luzerner Theater, Roméo et Juliette Eine romantische Oper von Charles Gounod, Premiere, 2. November 2018, besucht von Léonard Wüst

  Die Vorfreude war gross in Luzern, aber natürlich ebenso die Erwartungen. So wohnte denn auch „tout Lucerne“ der Premiere bei, die natürlich ausverkauft war. Was nach der Programmierung der Gounod Oper fast etwas nach „Mühlemann Gala“ roch, erwies sich anlässlich der Première als kompaktes Ganzes, agierten doch alle andern Beteiligten auf Augen- bzw. Stimmhöhe mit der weltweit gefeierten Lokalmatadorin.

Heimspiel für die weltweit gefeierte Sopranistin

Mühlemann „Back tot he roots“. Die Adligenswilerin kehrt als Juliette in Vincent Huguets Inszenierung von «Roméo et Juliette» auf die Theaterbühne ihrer Heimatstadt zurück, wo sie ihre ersten Bühnenerfahrungen sammelte. Diego Silva gibt in Luzern sein Rollendebüt als Roméo.
«Brautnacht, süsse Nacht der Liebe! Das Schicksal hat unaufhörlich uns verbunden. Oh Lust zu leben, oh übermächtiger Zauber! Dein süsser Blick lässt mich erbeben, deine Stimme raubt die Sinne mir. Deine glühenden Küsse erschliessen mir den Himmel. Die Seele habe ich dir gegeben, dir, nur dir.»
Wenn die Stimmen von Roméo und Juliette ineinander verschmelzen, ist das pures Glück und düstere Vorahnung zugleich: Zu Recht, denn der heranbrechende Tag wird ihr letzter sein.
Charles Gounods 1867 in Paris uraufgeführte Oper über das Liebespaar schlechthin ist mit seinen rasanten Tanzmusiken, Kampfszenen, intimen Duetten und farbenreichen Koloratur- Arien eine der emotionalsten Bearbeitungen des Shakespeare’schen Stoffes überhaupt.
In der Inszenierung von Vincent Huguet stehen die beiden jungen Liebenden für eine
Generation, die alten Hass vergessen und einander und das Leben lieben will. Dafür bringt der französische Regisseur ein Luzerner Liebespaar der ganz besonderen Art auf die Bühne des LT.

Regula Mühlemanns starke Präsenz als Juliette

Regula Mühlemann ist Juliette. Die gebürtige Luzernerin startete ihre Karriere in der Luzerner Kantorei, studierte an der Hochschule ihrer Heimatstadt und ist heute weltweit an allen bedeutenden Konzertsälen und Opernbühnen zu Hause. Diego Silva gab sein Debüt in «Roméo et Juliette» an der New Yorker Metropolitan Opera – dort als Tybalt. Sein Rollendebut als Roméo gibt er auf der Bühne des Luzerner Theater. Das Luzerner Sinfonieorchester stand unter dem souveränen, wohltuend zurückhaltenden Dirigat von Musikdirektor Clemens Heil.
Regula Mühlemann und Diego Silva sind nicht nur ein stimmlich, sondern auch darstellerisch passendes tragisches Liebespaar. Wunderbar wie sie sich in ihre Verliebtheit fallen lassen. Imponierend wie sicher und markant der mexikanische Tenor seine Partie mit Leben und vokaler Leidenschaft ausfüllt. Vom Liebesversprechen "Ah! Ne fuis pas encore" bis zum Liebestod "Viens, fuyons au bout de monde" ließen sich die beiden Sänger im Zentrum beherzt aufeinander ein. Aber nicht nur die Titelhelden überzeugen: Sarah Alexandra Hudarew als Juliettes gouvernantenhafte Amme und Robert Maszl als Scharfmacher Tybalt auf der Seite der Capulets. Bei den Montagues brilliert Abigail Lewis in der „Hosenrolle“ von Romeos Pagen Stéphano, während Bernt Ola Volungholen und Kihun Koh als Romeos rauflustige Freunde Mercutio und Benvolio mit ihrer Bühnenpräsenz punkten. Vuyani Mlinde ist der trinkfeste Pater Laurent, den Romeo als Verbündeten seiner Liebe erstmal auf Trab bringen muss. Bernt Ola Volungholen und Robert Maszl duellierten sich „Hollywood stuntreif“ bevor sie nacheinander, genauso bühnenreif, das Zeitliche segneten.

Hommage an Renaissance Ikone Michelangelo

Die Situation, als Julia in einen todähnlichen Schlaf fällt, stellt Regisseur Vincent Huguet dar, wie eine Hommage an die „Pieta“ von Michelangelo Buonarotti.
Das Bühnenbild recht düster gehalten, mit den vielen Statuen und Büsten, die Vergangenheit heraufbeschwörend, von der sich die beiden Liebenden verabschieden und die jahrzehntelange, zuweilen gar tödliche Feindschaft der beiden Clans der Capulets und Montagues beenden wollen. Dem steht, nebst der Tradition, auch noch die, von Julias Vater vorbestimmte Hochzeit seiner Tochter mit deren Verehrer Paris diametral entgegen. Da sind die grossen Konflikte vorprogrammiert, das Drama nimmt unweigerlich seinen vorbestimmten Lauf.

Auch andere setzten Glanzpunkte

In der Rolle des Vaters glänzt Jason Cox sowohl schauspielerisch wie gesanglich. Ebenso überzeugend Vuyani Mlinde als Frère Laurent.
Das Premierenpublikum geizte nicht mit Szenenapplaus, einige davon sogar garniert mit Bravorufen. Dieser Szenenapplaus fiel natürlich besonders gross aus, wenn Regula Mühlemann in ihren Koloraturpassagen brillierte.
Trotz allem, das tragische Ende ist seit über 400 Jahren nicht abzuwenden, aber obwohl die beiden Liebenden durch gemeinsamen Suizid sterben, bleiben sie weiterhin unsterblich, noch ein bisschen mehr vielleicht, dank der in allen Belangen gelungenen Produktion am Luzerner Theater.
Der grosse Schlussapplaus mündete schlussendlich in eine „Standing Ovation“, an dem auch die Produktionsverantwortlichen teilhaben durften.
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Léonard Wüst
Luzerner Theater
3 Kommentare
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Anna Rybinski aus Luzern | 05.11.2018 | 14:30  
715
Léonard Wuest aus Region Luzern | 05.11.2018 | 15:16  
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Anna Rybinski aus Luzern | 05.11.2018 | 16:09  
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