Luzerner Theater, Ronja Räubertochter, Première 24. Oktober 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

  «Ronja Räubertochter», die allseits bekannte Geschichte von Astrid Lindgren, ist das diesjährige Familienstück des Luzerner Theaters. Und wenn 20 Schulklassen an einem wunderbaren Dienstagnachmittag mäuschenstill im Saal sitzen, dann muss das Luzerner Theater etwas richtig gemacht haben!


Faszination Theater

Selbstverständlich ging’s nicht von Anfang an so gesittet und ruhig zu an der Premiere letzten Dienstag. Im Foyer wogte ein Meer von Kinderköpfen, der Lärmpegel stieg von Minute zu Minute. Im Theatersaal herrschte ein unglaubliches Gewusel, die Kleinen schrien, winkten, hüpften und lachten. «Wenn die Stimmung hier drin nur immer so gut wäre» meinte ein Erwachsener neidvoll. Kaum schlurfte aber Glatzen-Per über die Bühne, wurde es ruhig. Und es zeigte sich, Kinder bleiben Kinder trotz moderner Medien. Die Kleinen lassen sich nach wie vor faszinieren von gut erzählten Geschichten und machen mit vollem Elan mit. Wenn die bösen Wilddruden von der Mattis-Burg herunterschreien, verkriecht sich der eine oder andere schnell bei der Lehrerin. Ist Gefahr in Verzug im Wald, wo Ronja und Birk zusammen hausen, alarmiert der ganze Saal lauthals. Und steppt mal der Bär, oder in diesem Fall rappt mal Mattis und «moon-walked» über die Bühne, kreischen sie und klatschen rhythmisch mit. Wird’s etwas gar spannend, zeigt der tosende Applaus und das laute Lachen, dass die Kids froh sind, dass doch alles gut ausgegangen ist. So gesehen war das Geschehen im Saal an diesem Nachmittag fast so spannend wie jenes auf der Bühne. Dass ein Theaterstück von anderthalb Stunden die Kinder immer noch so zu fesseln weiss, ist ein schönes Gefühl.


Einfach und mit viel Gefühl

Das Bühnenbild ist relativ einfach gehalten, die Burg ein Konstrukt aus Brettern, der Wald ein paar Holzpfähle, das reicht aber durchaus. Es gibt witzige Momente und herrliche Bilder: Die mit silbrigem Lametta behangenen Graugnome oder die Rumpelwichte, die wie Jack in the Box aus ihren Löchern schiessen und wieder verschwinden. Der Kampf zwischen Mattis und Borka, eher erheiternd als gefährlich und von Glatzen-Per kommentiert wie ein Fussball-Match. Aber es wird nichts überzeichnet, kein Spektakel des Spektakels willen. Da wird ganz einfach die berührende Geschichte von Ronja und Birk erzählt, schnörkellos, heruntergebrochen aufs Wesentliche, aber dabei nicht emotionslos. Da steckt viel Gefühl drin, in der Vater-Tochter Szene, in Ronjas Umgang mit der Angst und nicht zuletzt in den aufkommenden Gefühlen zwischen Ronja und Birk.
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Anna Rebecca Sehls gibt eine selbstbewusste Ronja, lebendig, fröhlich, stark, überhaupt sind die Frauen das «stärkere Geschlecht» in dieser Geschichte. Michel Kopmann ist ein eher scheuer, fast zarter, aber unheimlich sympathischer Birk.
Die beiden schafften es, nicht nur die Herzen der Kinder zu erwärmen.

Der Schlussapplaus war tosend, «Zugabe», schrien die Kleinen und hörten nicht auf, bis das ganze Ensemble, inklusive Verantwortliche der Inszenierung, der Bühne und der Kostüme noch einmal das Räuberlied schmetterte und wer in diesem Moment mehr gestrahlt hat, jene auf der Bühne oder jene im Saal sei dahingestellt.
GabrielaBucher
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