Luzerner Theater, Tanz 27: Roll ’n‘ Rock It!, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Tanz Luzerner Theater Tanz 27
Roll’n’Rock it, das sind drei Tanzstücke, drei Choreographien und Musik von The Doors, Johnny Cash und Van Morrison, eine wiederum neue Seite des Ensembles Tanz Luzerner Theater und ein gelungener Abend mit viel Rhythmus, Energie und einer Prise Komik.

Für «Flying High», einer Uraufführung und kreiert für Tanz Luzerner Theater, wählte Fernando Hernando Magadan Stücke von The Doors. Die Bühne ist sozusagen eine Bühne auf der Bühne, zwei grosse Lautsprechertürme, ein Mikrofon, mal als brennende Lampe, mal als rauchende Verführung, Scheinwerferchoreografien wie an Rockkonzerten. Es ist die tänzerische Übersetzung der 60iger Jahre, des Lebens auf der Überholspur von Jim Morrison. Das ist hektisch, organisiert chaotisch und gleichzeitig unglaublich rhythmisch, dynamisch und schnell. Die Tänzerinnen und Tänzer vermitteln ein Gefühl von Untergang, von Zerrissenheit, Menschen, Paare, suchen sich, versuchen sich, und finden sich doch nicht.


Komplexe Bewegungsabläufe

«Äffi» von Marco Goecke ist ein Solo, ein Solo für zwei Arme, zwei Hände und einen Rücken, denn fast die ganzen 11 Minuten steht der Tänzer (an diesem Abend ein sehr überzeugender Louis Steinmetz) mit dem Rücken zum Publikum. Und was für ein Rücken! («Der war doch drauf projiziert» meinte ein Besucher in der Pause «der ist doch nicht real».) Makellos, muskulös, Rippenbögen, die sich bei Drehungen herausschälen, Wirbel, die sich einer nach dem anderen aufeinander fügen, Muskelspiele, kunstvoll ausgelichtet. Dieser Anblick kann durchaus kurz ablenken von den komplexen, virtuosen Bewegungsabläufen. Für Goecke ist der Körper ein Gefängnis, die Bewegung die Befreiung daraus. Steinmetz greift nach dieser Freiheit, mit fliegenden Armen, flatternden Händen, zittrigen Fingern, das erinnert an verwundete Vögel, verletzte Flügel. Und trotzdem ist da eine Leichtigkeit, als würde Goeckes ganz eigene Tanzsprache sich ganz von selbst ergeben zu den Songs von Johnny Cash. Das sind Bilder die sich tief einprägen.


Liebe, Verlust und Komik

Das letzte Stück «I new then» von Johan Inger, eine Schweizer Erstaufführung, wie übrigens «Äffi» auch, erzählt vom Erwachsen werden, von Liebe und Verlust zu Songs von Van Morrison. Aber bevor das Ganze ins Tragische abdriften kann, schwenkt es über ins Komische. Auch dieses Stück ist energiegeladen und wild. Eine Augenweide ist der Gasttänzer Jérôme Marchand, der vorübergehend für den verletzten Giovanni Insaudo einspringt. Trotz seiner 2 m Körpergrösse bewegt er sich wie eine Raubkatze, unglaublich elegant und elastisch.

Ein Tipp noch: Sollten Sie den Besuch noch vor sich haben, planen Sie Zeit für die Einführung. Die Dramaturgin Selina Beghetto vermittelt ihre Begeisterung mit so viel Humor, Unverkrampftheit und Spontaneität, dass man sich danach lachend mit wildfremden Menschen austauscht, voller Vorfreude Richtung Theatersaal schreitet und, wenn man es noch nicht getan hat, noch schnell ein Programmheft kauft.

Gabriela Bucher-Liechti
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