Luzerner Theater, Väter, von und mit Luzerner Männern, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Väter
Auf der Bühne des Luzerner Theaters stehen und liegen ein paar weisse Latten, Wände und Platten. Ein leiser Schauder: Die Elemente müssen zu einem dieser Do-it-yourself Möbel gehören! Sechs Männer erscheinen, der Schauder geht über in Neid. Zu sechst und dazu noch Männer…so ist das natürlich zu schaffen. In kürzester Zeit steht dann auch das Kinder-Hochbett, keine Schraube bleibt übrig, stabil ist es ebenfalls. Männersache eben doch, oder Vätersache? Ein Klischee, sicher, etliche Klischees werden demontiert im Stück «Väter» im Luzerner Theater.


Die neuen Väter

Während das Kinderzimmer auf der Bühne langsam Form annimmt, erzählen die sechs Väter, alles Laien, anfänglich von ihren eigenen Vätern und ihrer Beziehung zu diesen. Der 72-jährige Germanist Markus hat, oder hatte, ein anderes Verhältnis zu seinem Vater als der 34-jährige Journalist Michael, die Vaterrolle hat sich verändert über die Jahre. Die verschiedenen sozialen Hintergründe ändern ein Vaterbild ebenfalls; ein „Büezer“ lebt, denkt und reagiert anders als ein Arzt. Gewertet wird jedoch nicht, lediglich festgestellt. Dann werden die sechs zu ihren eigenen Kindern und erzählen, was sie von ihren Vätern halten. Da wäre es interessant zu erfahren, wie weit sich das deckt mit dem, was die Kinder selber denken...! Aber vor allem erzählen sie von ihrer Vaterrolle, wie sie die Schwangerschaft, die Geburt, die ersten Monate mit den Kindern erlebt haben. Unterschiedlichste Lebensmodelle werden angesprochen, der Einfluss einer Scheidung wird thematisiert, der Tod der Mutter der Kinder, wie sich ihr Berufsleben, ihre Freizeitgestaltung, ihre Schlafgewohnheiten verändert haben. Klar wird dabei: Die neuen Väter sind anders, was zugegebenermassen teilweise auch eine subjektive Wahrnehmung sein und mit dem eigenen Alter zu tun haben mag.


Unaufgeregte Geschichten

Man hört ihnen gerne zu, die sechs bewältigen ihren Auftritt unverkrampft, eine lockere Erzählrunde bei einer Flasche Bier und Popcorn, unterstützt durch gesangliche Einlagen eines Männer-Quartetts. Da stehen sechs engagierte Väter und man freut sich, dass und wie sich die Vaterrolle im Lauf der Jahre verändert hat! Die Geschichten sind unspektakulär aber durchaus berührend, haben nichts belehrendes, sind lebensnah und realistisch. Man erkennt sich, sieht sich bestätigt, ist überrascht, vergleicht, staunt, das macht das Stück aus. luzernertheater.ch
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GabrielaBucher
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