Mozart und Haydn, Münchener Kammerorchester & Alexandre Tharaud, Solist am Klavier, KKL Luzern, 2. November 2017, besucht von Léonard Wüst

  Dieses Extrakonzert, unter der Organisation des Luzerner Sinfonieorchesters, mit dem Gastorchester aus Bayern und einem französischen Pianisten versprach einiges, zumal mit Werken von Mozart und Haydn ein interessantes Programm gelistet war. Die Lebenslinien der beiden Komponisten sind ja zum Teil parallel verlaufen, mit dem besseren Ergebnis für Haydn, der 24 Jahre vor Mozart geboren wurde und den Salzburger auch um 18 Jahre überlebte.
Zum Auftakt die, eher selten gespielte, Sinfonie Nr. 51 von ¬Mozart, die eigentlich ein Konstrukt aus drei Sätzen ist, die schon vorhanden waren und vom Komponisten zu einem neuen Werk zusammen gesetzt wurden. Diese ist denn auch, mit knapp zehn Minuten Spieldauer, fast zu kurz, um als Sinfonie zu gelten. Es war aber grad eine gute Gelegenheit für das Orchester, um warm zu laufen, sich einzuspielen. In der folgenden kurzen Pause wurde der Konzertflügel an den richtigen Platz gerollt, der Schemel platziert, die Bühne bereit gestellt für den Solisten des Abends, Alexandre Tharaud, der mit diesem Auftritt auch gleich sein Debut bestritt im KKL Luzern, gar in der Stadt selbst.

Glanzvolles Debut in Luzern

Dieser Solist, den man auf den ersten Blick eher um die zwanzig schätzt, als die tatsächlichen 49 Jahre, die seine Biografie auflistet (*9.12.1968 in Paris), spielte in der Folge das das Klavierkonzert Nr. 9 von Wolfgang Amadeus Mozart auch jung, frisch und dynamisch, korrespondierte mittels Augenkontakt mit dem, ebenfalls sehr jugendlichen Gastkonzertmeister Raphael Christ und dem Orchester. Für den ersten Konzertteil ernteten die Musiker starken, langanhaltenden Applaus vom begeisterten Auditorium, welches sich anschliessend in die Foyers des KKL begab.

Haydns Klavierkonzert als grandioser Höhepunkt des Konzertes

Alexandre Tharaud zelebrierte Haydns Klavierkonzert D-Dur erfrischend, angriffig und energisch, dies alles kongenial mitgetragen von seinen Mitmusikern, die sichtlich Spass an der Sache hatten, wie natürlich das fachkundige Publikum auch. Der Franzose setzt dabei das Pedal ungewöhnlich oft ein, dank seinem ungemein leichten Tastenanschlag, klingt dies aber keineswegs verschwommen. Auch agiert er mit massiven Crescendi, positioniert sich so klar gegenüber dem Orchester, kontrastiert schön gegenüber den feinen Streichern, die Haydn fast „mozartesk“ ausgearbeitet hat.
Die das Konzert abschliessende Sinfonie Nr. 29 spielen dann die Künstler stehend und betonen Mozarts Musik auch körpersprachlich sehr engagiert, so ein unglaublich intensives Konzerterlebnis vermittelnd. Das Publikum feierte die Protagonisten mit stürmischen Applauskaskaden, bedankte sich so für ein aussergewöhnliches Konzerterlebnis.

Interessantes über zwei der Protagonisten

Nebst anderen Ehrungen und Preisen, wurde Alexandre Tharaud, der schon ab dem fünften Lebensjahr Klavierunterricht hatte, auch schon zweifach mit dem ECHO-Klassik ausgezeichnet.
Raphael Christ war in diesem Jahr auch Konzertmeister des Lucerne Festival Orchestra und sagt darüber: Die Situation im Lucerne Festival Orchestra ist sehr familiär: Mein Vater, der Bratschist Wolfram Christ, sitzt mir gegenüber, meine Schwester spielt Harfe, meine Freundin spielt in den zweiten Violinen.»
LeonardWüst
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