Orient Express setzt Triengen unter Dampf

  Erfahrungsbericht:

Nichts ahnend bin ich am Donnerstag 16.03.2017, auf dem Weg von der Arbeit nach Hause auf eine grosse Dampflokomotive aufmerksam geworden die neben dem Flugplatz Triengen auf den Schienen stand. Ich wunderte mich, habe ich doch bislang auf der Gleisstrecke Sursee-Triengen, welche von der Sursee-Triengen-Bahn betrieben wird, noch nie so eine grosse Dampflokomotive gesehen.
Mir fiel schnell auf, dass viele englisch- und französisch sprechende Leute anwesend waren die viele Kisten hin und her trugen. Auf meine Frage hin, was denn hier gemacht würde bekam ich nur die Antwort, dass keine Auskunft darüber gegeben werden dürfe.


Etwa eine Stunde später ging ich mit meinen Kindern nochmals zum Flugplatz, denn auch sie wollten die grosse Dampflokomotive sehen. Nun durften wir sie sogar in Aktion erleben. Sie fuhr mit lautem Getöse von Triengen Richtung Büron. Es war sehr beeindruckend, eine so grosse Dampfmaschine in Aktion erleben zu dürfen.

Am darauffolgenden Tag machte ich mich gegen Abend erneut auf, diesmal mit Spiegelreflexkamera bewaffnet, dem seltsamen Treiben zuzusehen. Mittlerweile konnte ich mich über die Homepage der Gemeinde Triengen schlau machen, dass in diesen Tagen das französische Filmteam „Plus de Prod“ in Triengen Dreharbeiten durchführen würde.

Ich konnte mich problemlos zu der Filmcrew gesellen und miterleben wie sie sich auf den nächsten Dreh vorbereiten. Ich durfte mir die Dampflokomotive von nahem ansehen und Fotos von der ganzen Szenerie machen. Die ganze Zeit über waren nur sehr wenige Schaulustige vor Ort. Zu dieser Zeit gab es bereits Gerüchte das es sich bei den Filmarbeiten um eine Hollywoodproduktion und einen Raubüberfall handeln soll. Konkreteres war zu diesem Zeitpunkt nicht zu erfahren.

In der Dämmerung wurden an der Dampflokomotive des Typs 241-A-65 Gestelle für Filmkameras montiert. Man bekam ein Gefühl dafür, warum Dreharbeiten sehr aufwändig und teuer sind, denn während einige wenige Leute schraubten, warteten die anderen Geduldig eine geraume Zeit bis es weiter ging.
Dann, als die Sonne schon langsam die Horizontnähe aufsuchte, kam reges Treiben unter den ca. 30 Anwesenden der Filmcrew und der Betreiber der Dampflok auf.

Der Lokführer des Vereins 241-A65 machte sich bereit, und ein Mann der Filmcrew hielt eine weisse Tafel aus der Lok. Da kam mir der entscheidende Gedanke, schnappte mir meine DSLR und machte einige Fotos davon.
Meiner persönlichen Meinung nach kann man nur dann gute Fotos machen, wenn man viele davon macht, deswegen habe ich gleich einige gemacht und war auch nicht sauer, dass der betreffende Mitarbeiter der Filmcrew die Tafel etwas gelangweilt aus dem Führerstand der Lok hielt. Auf zwei Bildern war dann tatsächlich was zu lesen wie sich später herausstellen sollte.
Mit meinem Smartphone habe zu Filmen begonnen, als sich die Lok daraufhin in Bewegung setzte und Richtung Büron fuhr. Nach einigen Minuten fuhr sie dann zurück zum Startort. Diese Szenen wiederholten sich einige Male.

Am späteren Abend als ich zu Hause meine Bilder auswertete, war ich doch sehr überrascht. Bei den Dreharbeiten handelte es sich tatsächlich um eine Hollywoodproduktion, und zwar um das Remake zum Film „Mord im Orient Express“ mit Regisseur und Schauspieler Kenneth Branagh. Weitere Mitwirkende sind u.a. Johnny Depp, Penelope Cruz, Michelle Pfeiffer und Judi Dench. Der Film soll im November 2017 in die Kinos kommen. Von den Darstellern war meines Wissens niemand in Triengen anwesend. Auch ist mir unbekannt, welche Filmszenen den Tag hindurch gedreht wurden.

Aus Jux habe ich ein Foto von den Dreharbeiten bei der Boulevardzeitung „20 Minuten“ hochgeladen worauf sich ein Reporter bei mir meldete und einen Bericht schreiben wollte. Dieser wurde am Dienstag 21. März 2017 gesamtschweizerisch abgedruckt.
Darauf folgten weitere Artikel, u.a. im „Zofinger Tagblatt“, der „Aargauer Zeitung“ und kleineren Regionalblättern. Ebenfalls wurde ich von der Zeitschrift „Eisenbahn-Revue“ angefragt, welche ein paar Bilder abdrucken möchten. Die Bilder stelle ich natürlich sehr gerne zur Verfügung.
Die Dampflokomotive wurde von Donnerstag bis Sonntag über Nacht beim Bahnhof Triengen abgestellt und am Sonntagmorgen zurück gefahren nach Boniswil oder, mutmasslich nach Koblenz zu weiteren Drehtagen.

In den Zeitungen war übrigens zu lesen, dass man sich erhoffen würde im fertigen Film einige Aufnahmen aus Triengen sehen zu können.
Meiner persönlichen Einschätzung nach wird dies nicht der Fall sein. Das Filmteam war vor allem daran interessiert, die fahrende Lokomotive zu filmen und Tonaufnahmen zu machen. Man durfte ohne weiteres bis ca. 5 Meter an die Geleise heran stehen und private Aufnahmen machen. Meiner Einschätzung nach wird die fahrende Dampflokomotive nachträglich mit einem komplett neuen Hintergrund versehen.

Mein Fazit ist durchwegs positiv. Es war spannend einer grossen Filmcrew über die Schulter schauen und sogar eigene Aufnahmen machen zu dürfen.
Nachfolgend möchte ich noch ein paar Impressionen von den Dreharbeiten in Triengen zur freien Verfügung stellen. Ich hoffe es gefällt.
2 Kommentare
Ramona Geiger aus Luzern | 27.03.2017 | 11:10  
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Videofilmclub / Film- und Videoautoren Luzern aus Luzern | 15.04.2017 | 13:09  
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