Philipp Fankhauser im KKL Luzern, 8. März 2018, besucht von Léonard Wüst

  Philipp Fankhauser reitet nun schon über drei Jahrzehnte auf der Erfolgswelle und einmal mehr demonstrierte er bei diesem Konzert, wieso dies so ist. Unterstützt von seinen grossartigen Mitmusikern performte er Song für Song, neuere und ältere, aber alle mit der gleich grossen Leidenschaft, die er seit seiner Kindheit für dieses Musikgenre verspürt.

Das Konzert in der Höhle des Löwen

Luzern verfügt ja mit dem alljährlich im Herbst stattfindenden Bluesfestival über einen Bluesevent, der weltweit als einer des besten Festivals dieser Musikrichtung gilt.
Trotzdem wagt sich der unerschütterliche Berner mit seinem neuen Programm in die Leuchtenstadt und eröffnet das Konzert mit «Horse of a different Color», begleitet nur von seiner Stammband, bevor sich zum zweiten Song, «Homeless», auch die sechs Bläser und die drei Backgroundsängerinnen dazu gesellen. Ein erstes Saxofon-Solo gibt es dann bei «Big ol’ easy», bevor sich Fankhauser für «Cryin’ shame» noch selber die Gitarre umhängt. Song um Song spielen die Protagonisten praktisch chronologisch das neue Album durch, zwischendurch auch mal mit ein paar launisch – witzigen Worten des Bandleaders gewürzt, der auch seine Mitmusiker kurz vorstellt, mal erzählerisch an seine Mentoren, Wegbereiter und Wegbegleiter erinnert, die ihm eine, für schweizerische Verhältnisse, ungewöhnliche und auch einmalige Karriere als „Blueser“ mitermöglicht hätten. Diese Karriere, die er sich schon als kleiner Junge erträumt und für die er selber eben auch alles getan hat und die nun schon über drei Jahrzehnte dauert, eine selbstverschuldete Erfolgsstory. Fankhauser bespielt nicht nur kleine intime Clubs, sondern füllt auch grössere, gar grosse Säle, was dies der praktisch ausverkaufte Konzertsaal des KKL Luzern einmal mehr zeigte.


Wenn Fankhauser zum Funkhauser mutiert

Es gab durchaus zwischendurch auch poppigere, funky Songs, die Fankhauser zu einem Funkhauser mutieren lassen, aber auch hier ausgeprägt experimentier – und spielfreudig, unterstützt von grossartigen Mitmusikern, denen der Chef auch ausreichend Raum und Zeit gab, ihr solistisches Können zu präsentieren und Akzente zu setzen, ohne dem Platzhirsch mit der rauchigen Stimme die Show zu stehlen.
Mit dem für den Swiss Blues Award nominierten Gitarristen Marco Jencarelli stand ihm ein kongenialer Partner zur Seite, der immer wieder mit virtuosen Blues-Rock-Soli Glanzpunkte setzte und sich dafür jeweils den wohlverdienten Szenenapplaus abholte. Ergänzend dazu bespielte der 43jährige Keyboarder Hendrix Ackle u.a. auch eine Original Hammondorgel, deren unerreichter Klang nicht unwesentlich zum überzeugenden Gesamtsound beitrug, vor allem, wenn sie so quirlig eloquent genutzt wird, wie Ackle dies tat. Das Set wurde komplettiert durch den US-Bassisten Angus Thomas, den englischen Schlagzeuger Richard Spooner, einer sechsköpfigen Bläser-Sektion und drei Background-Sängerinnen.
Das vollauf begeisterte Publikum applaudiert die Protagonisten noch zu Zugaben.
Die erste nutzte Keyboarder Ackle zu einer Extrashow, indem er auch singt, virtuos über die Tasten fegt und mit Band und Bläsern eine Akustikorgie zelebriert, Hörgenuss pur. Schlussendlich applaudiert das beeindruckte Auditorium auch Fankhauser dazu, sich die Gitarre nochmals umzuschnallen für ein paar letzte Akkorde, die Gitarrist Marco Jencarelli abermals mit einem fulminanten Solo veredelt. Den Dank ernteten die Protagonisten erneut in Form einer Applauskaskade.
Ein toller Konzertabend, der nicht nur angefressene Bluesfans bedient, sondern auch ein breiteres Publikum zu begeistern vermag.

LeonardWüst
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