Sankturbahnhof Sursee Finnisage im Rahmen von «Art & Jazz», Francis Petter mit dem «Newa Trio»

  Sehr viel Publikum vermochte auch die letzte Veranstaltung des Projektes „World Wide Willisau“ zu mobilisieren. Das, von Paul Tschopp initiierte „World Wide Willisau“, ist eine Hommage an und mit Niklaus „Knox“ Troxler in Form einer Retrospektive. Seit der Vernissage am 19. August 2017 fanden viele verschiedene Veranstaltungen an diversen Standpunkten und Örtlichkeiten statt, von den Open Air Plakatausstellungen auf zwei Surseer Plätzen, über die, von Sarah Zeller kuratierte, Ausstellung im Sankt Urbanhof, bis zu Konzerten etablierter Grössen und hoffnungsvollen, jungen Talenten der Musikszene. Mittendrin und immer für jedermann zugänglich, der weltbekannte, trotzdem geerdete Artdesigner, Künstler und Jazzfestival Gründer Knox. Im Aebtesaal des Sankt Urbanhofes, begrüsste zuerst Sarah Zeller das Publikum, welches dann auch noch von Annelies Strobel  (Stiftung Soomehuus Sursee)  willkommen geheissen wurde. Ebenso richtete Ex Stadträtin und Stiftungsratspräsidentin des Stadtmuseums, Ruth Balmer, Grussworte aus und bedankte sich beim Künstler und den Organisatoren für deren Engagement.

Starker Auftritt des «Newa Trio» im Aebtesaal

Dann standen aber drei andere für die nächste halbe Stunde im Mittelpunkt. Francis Petter und sein «Newa Trio» hatten ihre Instrumente bereits installiert und der Bandleader kündigte an, welche Stücke gespielt würden. Da Vorfahren von Petter russische Wurzeln hatten, war es naheliegend, dass beim folgenden Set die russische Seele, bzw. deren musikalische Umsetzung, eine tragende Rolle spielen würde. Er unterliess es auch nicht, die Laufrichtung der „Newa“ richtig zu stellen, da diese nicht, wie Annelies Strobel erklärt hatte, von der Ostsee nach Sankt Petersburg fliesst, sondern umgekehrt. Nachdem auch noch gesagt war, wie die ersten drei Lieder heissen, legte das Trio auch schon los. Mal waren es fast vertraute Töne auf der Basis russischer Volkslieder, mal auch schon fast tonale Ausflüge ins Luzerner Hinterland an das Willisau Jazz Festival. Dem Auditorium gefiel beides ausnehmend. Es waren so viele Besucher anwesend, dass sogar stehend Musik vom Allerfeinsten genossen wurde, selbst auf dem Gang vor den Saal.

Francis Petter beherrscht auch ein ungewöhnliches Instrument perfekt

Der Bandleader erläuterte noch, welche Instrumente er heute spiele, u.a., ein Tàrogatò (das sogenannte Rebelleninstrument aus Ungarn),das wie eine Klarinette aussehe, ähnlich töne, seines sei zudem ein sehr altes, nämlich Baujahr 1927. Ebenso kompetent entlockte er seinem Tenorsaxophon Töne, manchmal, was Knox sicherlich gefallen hat, sehr schräge, mal auch sphärische. Zwischendurch hörte man aber auch vertrautere Klänge, wenn Andreas Gut auf dem Akkordeon russische Weisen antönte, die Francis Petter dann ausmodelierte, der Improvisation freien Lauf liess, unterstützt auch vom souveränen Jacques Widmer am Schlagzeug. Besonders eindrücklich die Eigenkomposition Suburbia Nr. 3, welche im sehr ungewöhnlichen 11/8 Takt daherkommt. Die Musiker wussten das Publikum zu fesseln mit ihrem ausgereiften und dennoch frischen Stil, technisch perfekt, spielfreudig, überraschend. Nach ca. 30 Minuten war leider schon Schluss, eine fulminante Zugabe erklatschte sich das Publikum aber doch noch vehement. „Knox“ liess es sich nicht nehmen, seinerseits den Organisatoren zu danken, zeigte sich sehr erfreut über den Zuspruch während der letzten fünf Monate, die interessanten Treffen mit alten Bekannten und Neuinteressierten und zitierte zum Ende noch Peter Bichsel mit dessen Bonmot: „Sich treffen ist Kultur“. Zum Abschluss lud das Organisationkomitee noch zu einem Umtrunk in der Cafeteria, Gelegenheit, sich noch auszutauschen, gar ein paar Worte mit Niklaus Troxler zu wechseln, der sich unkompliziert unters „gewöhnliche“ Volk mischte.

Fazit:

Ein äusserst gelungener Abschluss des Surseer Kunsthighlight der Jahre 2017 und 2018. Schön wäre es, wenn man die immer gleichen Personen, die nur anwesend sind, wenn, die von ihnen so geschätzte Kultur, nichts kostet, d. die Veranstaltung kostenlos ist, auch mal dann begrüssen könnte, wenn man halt ein Zehnernötli oder es bitzeli meh für Kultur aus dem gutgehüteten Portemonnaie klauben darf (muss).
LeonardWuest
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.