Teatro alla Scala Mailand, Ernani, Giuseppe Verdi, 25. Oktober 2018, besucht von Léonard Wüst

  Wie schon zwei Tage vorher, vor dem Besuch der Mozart Oper, genossen wir auch an diesem frühen Abend, vor dem Besuch der Derniere von „Ernani“ an der Scala, ein dem Ereignis angemessenes Nachtessen in einem Restaurant in der nahe des Teatro alla Scala gelegenen Galleria Vittorio Emanuele II. Verdis Frühwerk, das Libretto schrieb Francesco Maria Piave, beruhend auf dem Werk des französischen Schriftstellers Victor Hugo, wurde am 9. März 1844 im Teatro „La Fenice“ in Venedig uraufgeführt. Die Oper spielt in den Bergen von Aragonien, im Schloss von Don Ruy Gomez de Silva, in Aachen und in Saragossa im Jahr 1519.

Eine etwas eindimensionale Inszenierung

Die Inszenierung des deutschen Regisseurs Sven-Eric Bechtolf (Er war in den Festspielsommern 2015 und 2016 verantwortlich für die künstlerische Gesamtplanung der Salzburger Festspiele) fokussierte sich auf die Liebeshändel, bleibt dafür aber in der politischen Aussage des Stücks eindimensional. Die Schar der Adligen zeigt dem jungen Herrscher schon in der kurzen Ouvertüre, wie er die Schritte in die Zukunft gehen muss, aber sonst spielt die Machtpolitik des späteren Kaisers keine große Rolle, im Gegenteil: Er döst im 4. Akt auf seinem Thron, eliminiert, zumindest im Kampf um die Schöne. Als der neugewählte Kaiser vor dem Sarg Karls des Großen auf die drei erlösenden Kanonenschüsse, die seine Wahl zum Kaiser verkünden sollen wartet und der Ermordung durch Ernani nur knapp entgeht, haben die toten Kaiser und Könige, die weiß gewandet aus der Gruft steigen, denn auch eher dekorativen Charakter.
Der fatale Schwur, der eine teuflische Note ins Ränkespiel der balzenden Herren bringt und mit dem der edle Revolutionär Ernani Zeit gewinnt, um seine Familienrache an König Carlo zu vollstrecken, bleibt so das einzige dramatische Element im zweiten Teil der Oper: Auf dem Sarg des Großen Karl feiern Ernani und seine geliebte Elvira ihr Glück, das jäh zerrissen wird durch de Silvas Forderung, dem geleisteten Schwur Folge zu leisten und sich selbst zu töten. Dabei tritt Elviras Onkel und ehemalige Verlobter auf wie einst Mozarts Komtur, und Verdi zeigt sich als Meister emotional explodierender Schlussszenen.
Die Aufführung, trotzdem vom Feinsten: Die US Amerikanerin Ailyn Pérez sang eine fein konturierte, höhen- und koloraturensichere Elvira, die es mit leichtem Sopran schaffte, auch im Tutti deutlich vernehmbar zu sein. Sie artikulierte differenziert und verließ sich im Ausdruck nicht allein auf ihr schönes Legato. Ebenso starker Auftritt von Simone Piazzola als Don Carlo, der mit seinem Bariton in der Masse der Stimmen nie verschwand. Sein Tenor-Kollege Francesco Meli liess die Titelrolle gelegentlich etwas ins sentimentale Schluchzen kippen. Der dunkle Bass von Michele Pertusi gab dem alten Don Ruy Gomez de Silva ein starkes Profil. Kleinere Rollen waren mit Daria Chernyi (Giovanna), Matteo Desole (Don Riccardo) und Alessandro Spina als Jago auch sehr gut besetzt. Ebenso den Ansprüchen mehr als gerecht werdend, der grosse, ausgezeichnete Chor des Hauses.

Sänger/innen als starke Schauspieler/innen

Alle Protagonisten verfügten nicht nur über ausgezeichnete Stimmen, sondern agierten auch schauspielerisch auf sehr hohem Niveau. Dies, in den, von Kevin Pollard entworfenen, passenden Kostümen in der Kulisse des jeweils stimmigen Bühnenbildes von Julian Crouch.
Ganz starker Auftritt auch die Leitung des Orchesters durch den ungarischen Dirigenten Ádám Fischer, der sich nie in den Vordergrund spielte, sondern sein Ego dem Gesamten unterordnete. Dies in Harmonie mit dem, von Bruno Casoni geführten Chores des Teatro alla Scala
Das Auditorium honorierte die durchwegs überzeugenden Leistungen denn auch mit langanhaltendem Applaus.


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https://youtu.be/eQpYouQvCcQ?t=1
Léonard Wüst
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