Teatro Cervantes de Málaga, AIDA von Giuseppe Verdi , 3. Februar 2019, besucht von Léonard Wüst Schreibe eine Antwort

Málaga (España) 28/02/2019 Ensayo general de la ópera de Verdi “Aida” en el Teatro Cervantes. El maestro malagueño Arturo Díez Boscovich en el foso y Aurora Cano e Ignacio García en la escena dirigen el montaje de Producciones Telón y el teatro municipal, y la soprano Maribel Ortega en el rol de la turbadora esclava etíope ‘Aida’ y el tenor Alejandro Roy como su enamorado ‘Radamés’, protagonizan el montaje. Foto: Daniel Pérez / Teatro Cervantes
 
Málaga (España) 28/02/2019 Ensayo general de la ópera de Verdi “Aida” en el Teatro Cervantes. El maestro malagueño Arturo Díez Boscovich en el foso y Aurora Cano e Ignacio García en la escena dirigen el montaje de Producciones Telón y el teatro municipal, y la soprano Maribel Ortega en el rol de la turbadora esclava etíope ‘Aida’ y el tenor Alejandro Roy como su enamorado ‘Radamés’, protagonizan el montaje. Foto: Daniel Pérez / Teatro Cervantes
Das heutige Teatro Cervantes wurde 1869 an der Stelle des Teatro del Príncipe Alfonso, das durch ein Feuer zerstört wurde, errichtet. Verantwortlich für die Pläne und den Bau sind der Architekt Gerónimo Cuervo und die Maler Muñoz Degrain und Bernardo Ferrándiz. Am 17. Dezember 1870 wird das Theater mit einer Aufführung von Rossinis Oper »Wilhelm Tell« eröffnet.

Lange Zeit vernachlässigtes Theater

Der Spanische Bürgerkrieg zerstört grosse Teile des Theaters und erst in den 1950er Jahren unternimmt man halbherzige Restaurierungsversuche. Zwischenzeitlich benutzt man das Teatro Cervantes hauptsächlich als Kino. Erst 1984 übernimmt die Stadt Málaga das Gebäude und finanziert den Wiederaufbau und den Unterhalt. 1987 wird das Teatro Cervantes von Königin Sofía wiedereröffnet.
Das Theater ist an diesem Abend total ausgebucht, die Honoratioren der Stadt haben in ihren Logen Platz genommen, das Orchester, das Orquesta Filarmonica de Malaga, das vom 40 Jahre jungen einheimischen Dirigenten Arturo Díez Boscovich geleitet werden wird, stimmt sich ein, es herrscht eine spannungsgeladene Vorfreude an diesem lauen Frühlingsabend.

Erfreulich authentische Inszenierung

Inszenierungen unserer Tage legen den Akzent weniger auf altägyptisch-exotische Bauten und Schauplätze, auf Palmwedel und das Schilf am Nilufer als vielmehr auf die sozialen, ethnischen und psychologischen Konflikte, die sich aus dem Liebesverhältnis zwischen dem ägyptischen Feldherrn Radames, der äthiopischen Sklavin mit nubischen Wurzeln Aida, Tochter des äthiopischen Königs Amonasro, und Amneris, der Tochter des ägyptischen Pharao ergeben. Der massive Einfluss der Priesterkaste gehört ebenso zum Kolorit wie triumphale Aufzüge und ausführliche Rituale. Umso erfreulicher, dass in Malaga wieder einmal das Ursprüngliche gezeigt wird, nicht z.B. ein Radames als Yedi Ritter, wie auch schon gesehen

Opulentes, farbenprächtiges Bühnenbild.

So sind das Bühnenbild und die Kostüme im klassischen Stil der Pharaonenempoche, monumental und sehr farbenprächtig gehalten.
Inmitten dieser Bildergewalt entwickelt sich das Liebesdreieck, bestehend aus der Pharaonentochter Amneris, der versklavten äthiopischen Prinzessin Aida und dem Feldherren Radamès, der schlussendlich wegen Landesverrat zum Tod verurteilt und als Strafe lebendig in einer Krypta eingemauert wird.
Der malagueñische Radames scheint eine Vorliebe für sehr üppige Damen zu haben, waren doch die Rollen seiner zwei Verehrerinnen, mit Maribel Ortega in der Titelrolle (geschätzte 130 kg) und vor allem mit Maria Louisa Corbacho (geschätzte 170 kg) als deren Rivalin Amneris mit äusserst fülligen Sängerinnen besetzt.

Exzellente sängerische und schauspielerische Leistungen

Maribel Ortega als äthiopische Prinzessin Aida schaffte es, sich immer wieder selbst zur noblen Räson zurufen. Selbst in dem verzweifelten Momenten behält sie die Fassung, singt ganz nüchtern und schlank mit warmen und weichen Klang, wenngleich allerdings in hoher Lage der Ton an Schärfe gewinnt, verstärkt durch ein ausladendes Vibrato. Ihr männlicher Gesangspartner Alejandro Roy sang den ägyptischen Feldherrn Radamès. Die berühmte Auftrittsarie Celeste Aida versprach einen wunderbaren Abend, ein Versprechen, das notabene, auch gehalten wurde. Gesanglich ist Maria Luisa Corbacho die unangefochtene Nummer eins des Abends. mit ihrem voluminösen, kräftigen und unheimlich wendigen Mezzosopran. Durch ihre perfekte Beherrschung der Partitur, das effektvolle Spiel mit den Klangfarben und die schauspielerischen Fähigkeiten konnte sie der komplexen Figur der Amneris die Tiefenschärfe geben, die sie im Spannungsfeld zwischen Liebe, Fragilität, Bösartigkeit und Rache benötigt. Felipe Bou als fast schon pingelig genauer Hohepriester Ramfis und Luis Cansino als energisch-kämpferischer König der Äthiopier Amonasro komplettierten das Gesangsensemble stimmig.

Tadelloses Hausorchester unter Arturo Díez Boscovich

Mit einer ausgezeichneten, tadellosen Leistung konnte das Orquesta Filarmonica de Malaga unter der Leitung von Arturo Díez Boscovich brillieren. Das Changieren zwischen den vielen privaten, intimen Momenten und öffentlicher Freude, die ihren Höhepunkt im Triumpfmarsch im zweiten Akt findet. Auch wenn insgesamt ein paar Abstriche zu verzeichnen sind: wenn am Ende Aida und Radamès in ihrem Grab-Gefängnis im Liebesduett vom Tal der Tränen (O terra, addio; addio valle di pianti) sich verabschieden und gleichzeitig Amneris der Göttin Isis die Seele ihres Geliebten empfiehlt (Pace t’imploro salma adorata) und die Oper mit ihren Friedensrufen endet, spätestens dann war jeder Besucher aufs Tiefste berührt.

Starke, aufwühlende Schlussszene

"O terra addio", singen Aida und Radames am Schluss, der ägyptische Feldherr und die äthiopische Königstochter, zwei unmöglich Liebende, leibhaftig Begrabene, deren Völker Krieg gegeneinander führen: "Leb wohl, du Welt, du Tal der Tränen." Hohe Bs, glitzernde Geigen, chorisches Raunen. Dazu schreitet, zur Verblüffung des Publikums, Amneris überraschend von hinten durch die Zuschauerreihen
Diese Liebe, sagt Verdi, der Bittere, kann nur im Tod enden, im gegenseitigen Ersticken.
Eine durchwegs gelungene Inszenierung in stilvollem Ambiente, die vom begeisterten Publikum mit einer „Standing Ovation“ honoriert wurde
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Léonard Wüst
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